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Im Gespräch: Gunter Gebauer : „Olympia in den Händen von Barbaren“

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Der Philosoph Gunter Gebauer hält Olympische Spiele nur noch 9in autoritären Staaten für durchsetzbar Bild: dpa

Der Philosoph Gunter Gebauer sieht das IOC als großen Verlierer des Votums der Bayern gegen Olympische Spiele 2022. Im F.A.Z.-Gespräch erklärt er, warum er glaubt, dass Sport-Großereignisse nur noch zu autoritären Staaten passen.

          Bedeutet die Ablehnung der Münchener Olympiabewerbung mehr als das Nein der direkt betroffenen Bürger?

          Die olympische Bewegung hat Probleme, sich bei einer Mehrheit der Deutschen noch Ansehen zu verschaffen. Nach Sotschi sind die Olympischen Winterspiele symbolisch verbrannt. Man hat zu sehr den Eindruck, dass das große Geld und der Einfluss Putins die Hauptrolle spielen.

          Die Vermengung von ungeheuren Investitionen und politischen Ambitionen ist etwas, das man in Deutschland, zumindest, was Sport angeht, mit äußerstem Misstrauen betrachtet.

          Hätten die Freunde des Sports nicht gerade deshalb für München 2022 votieren müssen in der Absicht, die Spiele den Putins der Welt zu entreißen?

          Es ist eine Sache, den Sport zu lieben und ihn auszuüben, in die Berge zu gehen, Ski zu fahren, sich an der Landschaft zu erfreuen. Und es ist eine ganz andere Sache, wenn große Maschinen anrollen und die Berge abhobeln, wenn Journalisten aus aller Welt einfliegen und ein Weltspektakel veranstalten. Die Olympischen Spiele haben mit Sportliebe gar nichts zu tun. Man möchte Mega-Events schaffen.

          Betrifft die Ablehnung allein den Wintersport? Oder herrscht Misstrauen gegenüber dem gesamten Spitzensport und seinen Repräsentanten?

          An Spitzensport gibt es auch Freude. Die alpine Ski-Weltmeisterschaft in Schladming war eine sehr schöne Veranstaltung. Gegenüber den Spitzenvertretern des Sports herrscht Riesenmisstrauen, gegenüber dem IOC und seinen Vertretern. Die Bedingungen, die das IOC stellt, sind geradezu Knebelverträge. Zu ihnen gehört etwas, das in Deutschland sehr unpopulär ist: Steuerbefreiung, die das IOC für sich verlangt.

          Auch die Entscheidungen für Peking 2008, für Sotschi 2014 und Pyeongchang in Korea 2018 spielen eine Rolle. Aber den internationalen Spitzensport vertritt nicht nur das IOC. Die Entscheidung der Fifa, die Fußball-Weltmeisterschaft nach Qatar zu vergeben, hat großen Schaden angerichtet. Inzwischen können solche Ereignisse nur noch in Staaten stattfinden – London 2012 war da eine wirkliche Ausnahme – mit autoritärer Führung. Auch der DOSB mit seiner Spitze, die jetzt in die Führung des IOC gerückt ist ...

          ... Sie meinen Thomas Bach ...

          ... ist eindeutig auf der Seite der Mega-Events. Das gesamte Spitzenpersonal erweckt nicht gerade Sympathie und Vertrauen. Jemand hat die Ablehnung mit den Worten kommentiert: zu viel Demokratie in Deutschland. Ich finde nicht, dass wir zu viel Demokratie haben. Ich finde es vorbildlich, dass diese Abstimmung stattgefunden hat.

          Man bekommt den Eindruck, es sei nicht über die Spiele in München abgestimmt worden, sondern über Olympische Spiele überhaupt.

          Die olympische Bewegung hat ihre starken Seiten und ihre Errungenschaften. Sie sollten wir aufgrund einer solchen Abstimmung nicht zur Disposition stellen. Es ist die Art und Weise, wie seit einigen Jahren die Großereignisse von einer kleinen Gruppe Funktionäre vergeben werden – plus derjenigen, die das in den jeweiligen Ländern handhaben.

          Ich glaube nicht, dass die Ablehnung sich gegen Olympia richtet. London war ein fabelhaftes Ereignis und hat auch in Deutschland große Resonanz gefunden. Aber die Verbindung von autoritärem Regime, brutaler Politik, unterdrückten Arbeitern, umgesiedelter Bevölkerung lässt den Eindruck entstehen, Olympia sei in die Hände von Barbaren gefallen.

          Hätte die Bewerbung um Sommerspiele in Deutschland eine Chance?

          Ich glaube nicht. Die Olympischen Sommerspiele sind ein viel größeres Event als Winterspiele, auch was die Kosten betrifft. Die Bedingungen des IOC möchte keine Land freiwillig tragen. Man muss sich fragen: Wem nützen diese Spiele?

          Jemandem, der darüber abstimmt, dem Bürger, dem Sportliebhaber, jemandem, der seine Region liebt, nützen diese Spiele überhaupt nicht. Deutschland ist entwickelt, steht touristisch gut da, was soll da passieren? Soll eine neue Bobbahn gebaut werden, da wir auf der ganzen Welt vielleicht 360 Bobpiloten haben? Was soll dieser Gigantismus?

          Warum haben die Fürsprecher der Spiele nicht überzeugt?

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