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Im Gespräch: Franziska van Almsick : „Schwimmen ist eine gute Investition in die Zukunft“

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„Bringt euren Kindern das Schwimmen bei, das ist wichtig“: Franziska van Almsick Bild: dpa

„Wir müssen reden“, sagt Franziska van Almsick. Über das Schwimmen und die Frage, warum die Gesellschaft ihre Sportart stiefmütterlich behandelt.

          Warum sollte jeder Mensch schwimmen können?

          Schwimmen ist lebensrettend. Wenn man nicht schwimmen kann, läuft man immer Gefahr, zu ertrinken. Jeder Mensch kommt in seinem Leben oft in Situationen, in denen er mit Wasser zu tun hat. Natürlich kann man sich auf Rettungswesten bei Bootsfahrten verlassen, aber es ist immer von Vorteil, wenn man schwimmen kann. Außerdem ist Schwimmen ein Gesundheitssport. Man kann ihn bis ins hohe Alter betreiben. Er ist sehr gelenk- und muskelschonend.

          Das sind bisher alles sehr rationale Gründe. Wie schafft man es denn, bei Kindern, die gerade das Schwimmen erlernen sollen, auch Begeisterung dafür auszulösen?

          Ich glaube, dass Schwimmen Kindern grundsätzlich Spaß macht. Man muss nur darauf achten, dass sie nicht wasserscheu werden. Deshalb ist es wichtig, ihnen möglichst früh die Angst vor dem Wasser zu nehmen. Eltern können sie in der Badewanne oder der Dusche mit Wasser vertraut machen oder mit ihnen in Pfützen spielen, wenn es geregnet hat. Die Kinder werden dann schon ihren Ehrgeiz entwickeln, schneller und sicherer durchs Wasser kommen zu wollen. Insgesamt denke ich, dass wir die Kinder weniger bremsen, sondern sie einfach machen lassen sollten.

          Warum hat bei all den Vorteilen der Schwimmunterricht eine so schlechte Lobby momentan?

          In den letzten Jahren wurde das Schwimmen an sich sehr stiefmütterlich behandelt. Es gab mal eine Zeit, da war es selbstverständlich, dass es Schwimmunterricht in der Schule gab. Aber das wurde immer mehr vernachlässigt, und es ist wichtiger, die Kinder musikalisch besser auszubilden oder in Mathe zu fördern. Was natürlich genauso essentiell ist. Es gibt natürlich Bundesländer und Städte, in denen das wunderbar klappt. Aber es gibt auch viele Orte, wo sich Grundschulen wirklich abrackern müssen. Oft fehlt es allein an der Infrastruktur, immer mehr Schwimmbäder müssen geschlossen werden. Das ist eine schlechte Entwicklung.

          Warum ist denn der Schulschwimmunterricht für Sie so wichtig?

          Wenn es die Kinder in der Grundschule lernen, können sie es ein Leben lang. Schwimmen ist wie Radfahren. Und wenn die Kinder es in der Grundschule lernen, dann haben sie auch später keine Probleme mehr damit. Außerdem haben sie in diesem Alter noch Spaß, lernen es viel leichter, und es stärkt zudem das Selbstbewusstsein.

          Sie haben mit Ihrem Verein „. . . für Kinder e.V.“ die Initiative selbst ergriffen. Glauben Sie, dass es momentan nur so geht, die Bedeutung des Schwimmens hervorzuheben?

          Es müssen einfach die Möglichkeiten geschaffen werden, den Sport im Gedächtnis zu halten. Und das geht zum Beispiel mit einem Verein wie meinem, der Grundschulen und Menschen unterstützt, die sich den Sport so nicht leisten können. Ich glaube, dass es in der Zukunft noch wichtiger werden wird, auf diese Art die Leute anzusprechen. Damit sie auch sehen können: Hier kann man mit einer einfachen Spende etwas bewegen und der Gesellschaft helfen. Im Jahr 2013 sind 450 Menschen in Deutschland ertrunken, darunter knapp 40 Kinder und Jugendliche! Wir müssen einfach immer wieder darüber reden und den Menschen sagen, bringt euren Kindern das Schwimmen bei, das ist wichtig. Selbst Erwachsene, die es nicht können, sollen sich angesprochen fühlen. Traut euch einfach. Irgendwann kann man kein Fußball oder Tennis mehr spielen. Aber im hohen Alter kann man noch ins Schwimmbad gehen und sich so fit halten. Manchmal unterschätzen wir das. Was wir heute tun, soll sich auch heute auszahlen. Gerade Schwimmen ist aber eine gute Investition in die Zukunft.

          Fehlt es dem Schwimmsport dafür nicht insgesamt an Zugpferden, wie Sie es damals waren?

          Ich denke ja. Das ist doch immer so. Sportarten haben es leichter, wenn schon die Kinder Vorbilder haben, denen sie nacheifern wollen. Von denen sie sich einiges abgucken und die sie im Fernsehen oder der Zeitung verfolgen können. Da ist beim Deutschen Schwimm-Verband leider eine ganze Weile einiges schiefgelaufen. Aber man sollte von außen nicht so viel Negatives reden. Daher kann ich nur immer wieder betonen, dass man etwas tun muss.

          Die Fragen stellte Julian Trauthig.

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