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Heiner Geißler über IOC und Fifa : „Charta wird mit Füßen getreten“

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Heiner Geißler: „Sportverbände gehen vor den verantwortlichen Leuten in die Knie“ Bild: Röth, Frank

Heiner Geißler nennt das IOC einen „korrupten Altherrenklub“. Im Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung geißelt der begeisterte Sportler und frühere Generalsekretär der CDU auch das Verhalten der Fifa.

          Der frühere Generalsekretär der CDU Heiner Geißler hat den neuen Präsidenten des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), Thomas Bach, aufgefordert, „endlich Ordnung“ in seinem Verband zu schaffen. „Das IOC ist zu Recht völlig in Verruf geraten, weil es wegen des Geldes die eigene Charta mit Füßen tritt“, sagte der 83 Jahre alte Geißler der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          In der Charta stehe, dass nur Länder an (Olympischen) Spielen teilnehmen dürften, in denen es keine Diskriminierung gebe. „Die Südafrikaner wurden wegen der Apartheid jahrzehntelang ausgeschlossen“, sagte Geißler, „heute gibt es auf der Welt zwanzig Staaten, in denen Frauen keinen Sport treiben dürfen. Sudan, Saudi-Arabien, Iran, die müssten sofort ausgeschlossen werden. Die Charta wird nicht ernst genommen, weil im IOC auch korrupte, bestochene Leute sitzen.“

          „Unter Bedingungen der Lohnsklaverei“

          Geißler wertete die Ablehnung der deutschen Olympia-Bewerbung für die Winterspiele 2022 durch bayerische Bürger als Kritik am IOC: „Das war keine Ablehnung des Sports, sondern ein Verriss dieses korrupten Altherrenklubs, des Internationalen Olympischen Komitees.“ Er kritisierte auch die Vergabe der Winterspiele an Russland, wo ein Gesetz Homosexuellen verbietet, in der Öffentlichkeit für ihre Lebensweise zu werben.

          „Das IOC hätte verhindern müssen, dass dort unter Bedingungen der Lohnsklaverei Sportstätten gebaut werden“, sagte der frühere Gleitschirmflieger und geißelte auch das Verhalten des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa): „In Qatar, wo 2022 die Fußball-WM stattfindet, ist das dieselbe Unmoral. Sportverbände gehen vor den verantwortlichen Leuten in die Knie. Wenn die Bayern sagen, da machen wir nicht mit, weil der Kommerz nicht alles diktieren darf, ist das absolut richtig.“

          „Eine ethische Katastrophe“

          Der Politiker ist auch der Ansicht, dass die Sommerspiele 2008 „nie“ in China hätten stattfinden dürfen. „Die Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking waren eine ethische Katastrophe. Durch die Spiele sollte angeblich eine Liberalisierung in dem Land eintreten. Das Gegenteil war der Fall. Die Mächtigen werden durch solche Veranstaltungen international anerkannt.“

          Geißler appellierte an großen Verbände, ihre Macht zu nutzen: IOC und der Fußball-Weltverband Fifa könnten, sagte Geißler der F.A.S., viel Einfluss nehmen: „Zu Qatar könnte man sagen, ihr bekommt die WM nicht, wenn ihr die Menschen- und vor allem die Frauenrechte nicht respektiert. Das ändert eher etwas, als ihnen die WM einfach zu geben.“

          Geißler verteidigte die Entscheidung von Bundespräsident Joachim Gauck, die Einladung zur Eröffnungsfeier der Winterspiele in Sotschi abzulehnen: „Nichts fürchten Diktatoren und autoritäre Herrscher mehr als die Einmischung von außen. Ohne öffentlichen Druck kann stille Hilfe allein in der Regel nicht viel Bewirken. Es ist am besten, wenn beides zusammenkommt.“

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