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Harald Schmid im Interview „Man muss das Denken ändern“

02.03.2007 ·  „Sport und Alkohol sind unmittelbar miteinander verbunden“, sagt der einstige Weltklasse-Hürdenläufer Harald Schmid im F.A.Z.-Interview und fordert, dass schon den Kindern gezeigt wird, dass Sportler auch ohne Alkohol feiern oder ihren Frust bewältigen können.

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Der einstige Weltklasse-Hürdenläufer Harald Schmid fordert im F.A.Z.-Interview, dass schon den Kindern gezeigt wird, dass Sportler auch ohne Alkohol feiern oder ihren Frust bewältigen können.

Was hat der Sport mit Alkohol zu tun?

Sport und Alkohol sind unmittelbar miteinander verbunden. Ich habe das während meiner aktiven Zeit selbst kennengelernt. Da wurde miteinander gefeiert und getrunken oder auch der Frust über eine Niederlage im Alkohol ertränkt.

Und Sie selbst haben auch kräftig mitgehalten?

Ich selbst hatte immer großen Abstand zum Alkohol.

Bei einem Leichtathleten vermutet man das auch nicht so schnell wie bei Fußball- oder Handballspielern.

Das kann man so leider nicht sagen. Kein Sport ist frei von Alkohol. Es ist überall gleich. Allerdings ist der Sport auch hier ein Spiegelbild der Gesellschaft. Er unterscheidet sich in dieser Hinsicht nicht von anderen Lebensbereichen. Auch im Sport ist das Trinken eine Kultur, mit der unterschiedlich umgegangen wird.

Vom Glas Wein zum Essen bis zum Saufgelage also?

Ich möchte es gerne positiv sehen, und dafür kenne ich auch gute Beispiele. Manchmal versteht es der Trainer, mit seinen jungen Athleten einen Sieg auch ohne Alkohol zu feiern und mit einer Niederlage auch ohne Alkohol umzugehen. Er kann im Training Werte und Regeln vermitteln, so dass sie keinen Alkohol brauchen und nur einmal im Jahr gefeiert wird. Andere wieder meinen, sie müssten eine Kultur aufbauen, in der Alkohol eine große Rolle spielt.

Gilt die alte Regel also nicht mehr so ganz, dass ein junger Mensch das Trinken im Sportverein lernt?

Doch. Das kann passieren, wenn man im falschen Verein ist. Wenn dort gute Trainer und Betreuer arbeiten, ist das Kind bestens aufgehoben. In anderen Fällen jedoch liegen die Trainer schief und meinen, von einem gewissen Alter an müssten die Sportler auch eine dritte Halbzeit haben.

Wie kann man da gegensteuern?

Unsere Kampagne „Kinder stark machen“, die von der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung ausgeht, und deren Projektleiter ich bin, läuft jetzt schon seit mehr als zehn Jahren. Von Anfang an war klar, dass es um Primärprävention gehen soll. Also: Kinder frühzeitig stark machen für das Leben, damit sie in schwierigen Lebenssituationen nicht zu Drogen greifen, und dazu zählt auch der Alkohol. Dafür braucht man Vorbilder. Darum bilden wir Trainer und Übungsleiter in Sportvereinen aus. Und wir erfahren immer wieder, dass die das auch umsetzen.

Haben Sie bei den Schulungen einen großen Nachholbedarf festgestellt?

Manche sagen tatsächlich: So haben wir das noch nie gesehen.

Stellen sich viele die Aufgaben von Übungsleitern nicht anders vor?

Die Sportverbände machen unsere Inhalte inzwischen zum Teil ihres Ausbildungskonzeptes. Der Deutsche Fußball-Bund zum Beispiel hat die Suchtprävention in sein Kurzschulungsprogramm integriert.

Die Fußball-Krawalle etwa in Leipzig sind ja wohl häufig auch unkontrolliertem Alkoholtrinken zuzuschreiben.

Klar hat das damit zu tun. Aber für Gewaltprävention braucht man ein komplettes Konzept. Da reicht es nicht, den Alkohol zu verbieten. Diese Typen erreicht man auch nicht über die Vereinsstruktur. Das ist eine andere Szene und man muss anders vorgehen.

In der ganzen Fußballszene ist aber doch das Bier allgegenwärtig, von der Fernsehwerbung über die Becher im Stadion oder Alkoholfahrten von Spielern bis zu den Exzessen bei Hooligans.

Ja, das ist eine ganze Kultur. Das heißt, man muss das Denken ändern. Das geht nicht von heute auf morgen, aber die Ansätze sind da. Man muss die fast untrennbare Verbindung zwischen Sport und Alkohol langsam aufweichen. Sportstars müssen sich ihrer Außenwirkung mehr bewusst sein.

Wie gefällt es Ihnen da, dass der FC Bayern bei seinen letzten Titelgewinnen immer riesige Weißbiergläser über dem Trainer ausgeschüttet hat?

Das halte ich nicht für hilfreich. Ich habe auch schon gesehen, wie im Biathlon Champagner versprüht wurde. Und in der Formel 1 ist das so üblich. Man bekommt als junger Mensch also mit: Wenn ich feiern will, muss ich das genauso machen.

Besonders gefordert müssten dann auch die regionalen Stars in den Vereinen sein.

Natürlich. Manche Vereine machen das ganz geschickt. Sie suchen Paten aus den ersten Mannschaften für die jungen Leute. Solche Dinge sind klasse. Da zeigt sich, dass nicht alle Sportarten so schlecht sind wie ihr Ruf.

Viele Vereine sagen aber, sie verdienten durch den Alkoholausschank dringend benötigtes Geld.

Ja. Aber es gibt auch Vereine, die berichten, sie hätten ihr Kinder- und Jugendturnier oder Sportfest nur mit alkoholfreien Getränken abgehalten und mehr verdient als zuvor. Man muss es nur machen.

Die Fragen stellte Evi Simeoni.

Quelle: F.A.Z.
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