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Hans Wilhelm Gäb : Das moralische Gewissen des Sports

  • -Aktualisiert am

Verdienstvoll: der frühere Journalist und Sportfunktionär Hans Wilhelm Gäb Bild: dpa

Konziliant und konsequent: Hans Wilhelm Gäb hat mehrere Leben in einem gelebt – und dabei immer als Denker, Lenker und Verfechter der Werte überzeugt. Heute wird der frühere Journalist und Sportfunktionär achtzig Jahre alt.

          Hans Wilhelm Gäb hat das Kunststück fertiggebracht, mehrere Leben in einem zu leben. Es lohnte sich, gesondert Biographien über den Sportler, den Journalisten, den Spitzenmanager der Wirtschaft, den exponierten Sportfunktionär und über den Menschen zu schreiben. Früh hat ihn die Begeisterung für den Tischtennis-Sport beim Wickel gehabt und bis auf den heutigen Tag nicht mehr losgelassen. Der schlanke Mann sammelte im Doppel und im Mixed sowie mit dem PSV Borussia Düsseldorf, den er später zu einem internationalen Spitzenklub formte, deutsche Meistertitel wie andere Briefmarken.

          Und da auch noch Einsätze in der Nationalmannschaft bei Welt- und Europameisterschaften hinzukamen, gehörte er zu dem erlesenen Kreis von Athleten, die mit dem Silbernen Lorbeerblatt, dem höchsten deutschen Sportorden, bedacht wurden. Das ist die einzige seiner zahlreichen Auszeichnungen, vom Olympischen Orden bis hin zum Großen Bundesverdienstkreuz, die Gäb mit offensichtlicher Freude am Revers trägt. Lobreden pflegt er gerne mit dem Satz zu quittieren: „Mein Vater wäre stolz auf mich gewesen. Und meine Mutter hätte jedes Wort geglaubt.“

          Nicht mit Schreiben und Kommentieren begnügt

          So geschickt der Düsseldorfer seine Bälle auf der grünen Platte plazierte, so treffsicher zeigte sich der Journalist beim Setzen seiner Worte. Die gute Schule bei der Tageszeitung „Mittag“ in seiner Heimatstadt hat ihm das Kapital der fein nuancierten Formulierung mit auf den Weg gegeben. Dies kam ihm, zusammen mit seinem Interesse an Autos und am Motorsport, auch bei der „Auto Zeitung“ zugute, die er gemeinsam mit einem Partner gründete und alsbald als Chefredakteur führte. Mit diesem Schritt zeigte sich, dass Gäb sich nicht mit dem Schreiben und Kommentieren begnügen, sondern selbst gestalten wollte.

          In der Rückschau nimmt sich sein Seitenwechsel ans Ufer eines Automobilmanagers folgerichtig aus. Seine Tätigkeiten als Pressechef der Ford-Werke AG in Köln, als Vizepräsident von General Motors Europe und schließlich als Aufsichtsratsvorsitzender der Adam Opel AG forderten den ganzen Mann. Wie es der Vater eines Sohns und einer Tochter geschafft hat, auch noch Spitzenämter in den Sportorganisationen auszufüllen, das wird wohl sein Geheimnis bleiben. Der Perfektionist, dem keine Arbeit zu viel wird, tat dies als Präsident des Tischtennis-Bundes, den er modernisierte, als stellvertretender Vorsitzender der Sporthilfe und als Präsidiumsmitglied des Nationalen Olympischen Komitees so überzeugend, dass viele in ihm den Nachfolger für NOK-Präsident Willi Daume sahen.

          Im Juni 1991 sorgte die Nachricht für Aufsehen, dass Gäb Knall auf Fall von sämtlichen Ämtern im Sport zurückgetreten ist, darunter auch von dem eines Chefs de Mission der wieder vereinten deutschen Olympia-Mannschaft von Barcelona 1992. Wie sich alsbald herausstellte, verbarg sich hinter der Meldung ein menschliches Drama. Denn eine Viruserkrankung machte eine Lebertransplantation notwendig, die ihm nach vierjährigem Warten auf ein Spenderorgan 1994 das Leben rettete. Während manch einer sich in die Schonecke eines Dauerpatienten begeben hätte, kehrte der Rekonvaleszent mit verblüffender Selbstverständlichkeit an seinen Arbeitsplatz bei General Motors in Zürich zurück und wechselte 1997 für zwei Jahre als Aufsichtsratsvorsitzender der Adam Opel AG nach Rüsselsheim. Dort hatte der Düsseldorfer mit der fordernden Lopez-Affäre gleich ein ganz dickes Brett zu bohren.

          Auch bei der Sporthilfe, deren Aufsichtsrat er als Ehrenvorsitzender angehört, griff der so konziliante wie konsequente Rheinländer im Jahre 2005 als Krisenmanager ein. Der Slogan „Leistung - Fairplay - Miteinander“, den er damals als Sporthilfe-Chef kreierte, könnte als Leitspruch über seinem Leben stehen. Mit seinem dauerhaften Einsatz für die ethischen Werte ist er zum moralischen Gewissen des deutschen Sports geworden. Aus Dankbarkeit für seine Rettung hat Gäb im Jahr 1996 den Verein „Sportler für Organspende“ gegründet und 2004 um die „Kinderhilfe Organtransplantation“ erweitert. Seine Arbeit als Vorsitzender unterstützen mit ihren werbewirksamen Namen Persönlichkeiten wie Steffi Graf, Rosi Mittermaier, Ulrike Nasse-Meyfarth, Franz Beckenbauer, Timo Boll, Reinhold Messner, Michael Schumacher, Reinhold Beckmann, Günther Jauch, Johannes B. Kerner und viele andere. An diesem Donnerstag begeht Hans Wilhelm Gäb seinen 80. Geburtstag.

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