23.03.2009 · Sein Sport steckt in der schwersten Krise seiner Geschichte, Handball-Weltverbandspräsident Hassan Moustafa strebt neue Ämter an. Warum auch nicht, schließlich sieht der umstrittene Ägypter in seinem Sport keine Probleme - schon gar nicht mit Korruption.
Von Evi Simeoni, DenverObwohl sein Sport die wohl schwerste Krise seiner Geschichte durchmacht, sieht der Ägypter Hassan Moustafa, Präsident des Internationalen Handballverbandes (IHF), keinen Grund zur sportpolitischen Zurückhaltung. Er ist nach Denver gereist, um sich an diesem Dienstag bei der Generalversammlung um die Wahl zum Präsidenten der Vereinigung der Olympischen Sommersportverbände (ASOIF) zu bewerben.
Die jüngsten Vorwürfe, im europäischen Handball würden durch Schiedsrichterbestechung Spiele verschoben und er selbst habe sich aus der Verbandskasse bedient, stellt Moustafa als gegenstandslos hin. Auf die Frage, ob der Handball ein Korruptionsproblem habe, sagte er in Denver: „Ich glaube nicht.“ Zu den Vorwürfen, die sein Generalsekretär Peter Mühlematter gegen ihn erhob, er könne für Ausgaben von 600.000 Franken aus dem Etat der IHF keine Belege vorweisen, erklärte er, seine Reisen würden vom Reisebüro der IHF organisiert, mit diesen Zahlen habe er also nichts zu tun. „Manchmal zahle ich mehr, als ich bekomme.“ Er müsse nun einmal im Rahmen seines Amtes viel auf Reisen gehen. „Soll ich das aus meiner eigenen Tasche bezahlen?“
Zwei Gegenkandidaten
Moustafa tritt in Denver im Rahmen der unter dem Etikett Sportaccord abgehaltenen Meetings verschiedener Spitzenorganisationen als Herausforderer eines hochrangigen Mitglieds des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) an, nämlich des Schweizers Denis Oswald. Seine Wahl in das einflussreiche Amt würde Moustafas Chancen, selbst IOC-Mitglied zu werden, erheblich verbessern. Im Juni muss er sich auch als Handball-Präsident zur Wiederwahl stellen – es gibt zwei Gegenkandidaten.
Ob der Ägypter in Denver Rückhalt bei einigen der 36 Präsidenten der olympischen Sommersportarten findet, wird sich erst im Moment der Entscheidung zeigen. Möglicherweise könnten die vermeintlich Zu-kurz-Gekommenen mit ihm sympathisieren. Über die ASOIF werden die IOC-Gelder für die Fachverbände verteilt. Aus dem Topf von insgesamt 290 Millionen Dollar für die vergangenen vier Jahre erhielt – nach einem vom IOC vorgegebenen Schlüssel – die Leichtathletik den größten Anteil mit 28,5 Millionen. Handball rangiert mit 9,4 Millionen zum Ärger Moustafas nur in der dritten Kategorie – schlechter als Basket- und Volleyball (14 Millionen) und auf der gleichen Stufe mit Rudern. Präsident des Internationalen Ruderverbandes wiederum ist Denis Oswald. „Ich kämpfe für meinen Sport“, sagte Moustafa, der einst an der Deutschen Hochschule für Körperkultur in Leipzig studiert hat. „Wir sind“, betonte er, „eine Handball-Familie.“