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Veröffentlicht: 25.04.2016, 12:39 Uhr

Hammerwerfer Sergej Litwinow „Bei uns ist es wie in der DDR“

Russlands Leichtathletik versinkt im Doping-Sumpf. Ob Athleten wie Sergej Litwinow bei Olympia starten dürfen, ist fraglich. Im Interview spricht der Hammerwerfer über seinen Selbstversuch mit Meldonium – und sieben Monate ohne Doping-Kontrolle.

von
© Picture-Alliance Sergej Litwinow setzt sich für den Start Russlands ein – aber nur unter bestimmten Bedingungen

Sie trainieren täglich. Für Rio?

Michael Reinsch Folgen:

Ich habe die Hoffnung, dass ich zu den Olympischen Spielen in diesem Jahr komme. Aber ich bin zwiegespalten. Ich verstehe, warum wir in dieser Situation sind und warum Sie so fragen.

Die russischen Leichtathleten sind wegen systematischen Dopings von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen. Spätestens im Juni wird der Weltverband IAAF entscheiden, ob sie zugelassen werden oder nicht. Was macht Sie optimistisch?

Wir haben wirklich Leute, die sauber sind. Es wäre unfair, wenn sie nicht fahren dürften. In der Berichterstattung ist nur von Skandal, Skandal, Skandal die Rede. Man muss den Eindruck bekommen, dass es in Russland nur Doper gibt. Doping ist ein großes Problem, das stimmt. Aber nicht alle sind Doper.

Erkennen Sie in den Fernsehreportagen und den Berichten der unabhängigen Untersuchungskommission der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) Ihren Sport?

Es ist schockierend. Von den vielen Einzelheiten in dem Bericht habe ich eine selbst miterlebt hier im Trainingslager in Adler bei Sotschi. Ich habe gemerkt, wie auf einmal alle nervös und aufgeregt waren. Ein halbes Jahr später habe ich über die Flucht von Athleten aus dem Hotel gelesen.

Znamensky Memorial - IAAF World Challenge in Zhukovskiy © Picture-Alliance Vergrößern Litwinows Sport: der Hammerwurf.

Die Trainer behaupteten gegenüber dem Kontrolleur, dass die Sportler nicht im Hotel seien, während sich diese aus dem Staub machten ...

Schon nach dem ersten Film des deutschen Fernsehens hatte mein Vater ...

...Hammerwurf-Olympiasieger und Weltmeister Sergej Litwinow, Ihr Trainer ...

...gesagt: Unsere Gruppe hat nichts zu verbergen. Seid im Trainingslager immer erreichbar! Die Kontrolle in Adler war ja keine Adams-Kontrolle, bei der bestimmte Athleten zu einem bestimmten Zeitpunkt angetroffen werden müssen. Die wollten mal gucken, wen sie antreffen. Wir wussten, dass nun alles viel strenger sein würde als zuvor. Ich fand erstaunlich, dass die anderen Athleten und Trainer davon überrascht waren. Wenn so viel passiert, muss man doch klüger werden daraus. Keine Ahnung, ob das Dreistigkeit oder Dummheit war.

Gibt es eine russische Leichtathletik vor der Sperre und eine andere danach?

Auf alle Fälle. Auf den Film hatten sie hier nicht wirklich reagiert. Aber der Bericht der Wada-Kommission hat sehr viel bewirkt. Jetzt kann man offen sagen: Das war falsch, und viele tauchen auf, die zustimmen. Die auch so gedacht haben. Die sagen: Wir müssen einen anderen Weg gehen. Was den Verband angeht: Das Personal ist flexibel. Es ist leicht, umzusteuern. Das funktioniert schon. Wenn jetzt was passierte, wären sie irre.

Aber es gab doch die Berichte über den gesperrten Trainer, der in der Provinz weiterarbeitet, über den Verbandstrainer, der weiterhin Doping-Mittel verkauft.

Das waren schwere Fehler. Aber ich bin mir sicher: Das war keine Absicht des Verbandes. Ich weiß ja, wie sie denken: Sie sind nicht gewohnt, so zu arbeiten, wie man es nun von ihnen verlangt.

Unbenanntes Dokument

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Sie verteidigen den Verband? Dabei waren Sie schon lange kritisch.

Ich bin kritisch. Das ganze System war nicht mehr haltbar. Jetzt ist es besser. Es könnte noch besser sein. Aber es ist schon ein Plus.

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