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Kommentar zu Hajo Seppelt : Russland hat eine gehörige Portion Angst

Wie ernst meint es die Fifa mit Hajo Seppelt? Bild: dpa

Man darf gespannt sein, mit wie viel Enthusiasmus sich Fifa-Präsident Gianni Infantino für die Freiheit der Berichterstattung und Hajo Seppelt einsetzt. Im Abblocken kritischer Journalisten lässt sich der Schweizer im wirklichen Leben nämlich wenig vormachen.

          Russische Politiker nehmen, wenn es um kritische Themen geht, selten ein Blatt vor den Mund. Und Doping, respektive die Berichterstattung darüber, ist nun ganz bestimmt ein kritisches Thema. Deshalb hat der Parlamentsabgeordnete Dmitri Swischtschow sicher vielen in der russischen Regierung (und leider wohl auch im Ausland) aus der Seele gesprochen, als er sagte, der deutsche Fernsehjournalist Hajo Seppelt sei jemand, der „mit Dreck wirft“ und immer nur das Negative suche. Deshalb sei es auch völlig gerechtfertigt, dass Seppelt während der Fußball-WM nicht aus Russland berichten dürfe.

          Das wirkliche Problem aus russischer Sicht ist aber, dass Seppelt eine ganze Menge „Dreck“ gefunden hat. Nicht zuletzt seinen Veröffentlichungen ist es zu verdanken, dass die Welt so viel über das russische Staatsdoping weiß. Und damit hat er sich in der Rangliste der Staatsfeinde weit nach oben katapultiert. Dass Moskau Pressefreiheit als die Freiheit, den Präsidenten Putin zu loben, definiert, weiß man zwar eigentlich. Aber nun ist es vor aller Welt aktenkundig. Es ist richtig, dass sich in Berlin Politiker (fast) aller Parteien dafür starkmachen, dass dem unbequemen Berichterstatter doch noch dazu verholfen wird, aus Russland über die WM und deren Begleiterscheinungen zu berichten.

          Womit wir dann bei der Pointe der russischen Entscheidung wären. Fußballfunktionäre so ziemlich aller Länder pflegen seit vielen Jahren die Legende, Doping spiele in ihrer Sportart keine Rolle, weil es sowieso nichts bringe. Womöglich glaubt der eine oder andere Funktionär das sogar. Mit der Realität dürfte die fromme Legende freilich wenig zu tun haben. Ausgerechnet in den Händen solcher Funktionäre, denen die Seppelts dieser Welt mindestens so verhasst sind wie den russischen Staatsdopern, liegt jetzt das Schicksal des deutschen Journalisten.

          Man darf gespannt sein, mit wie viel Enthusiasmus sich zum Beispiel Fifa-Präsident Gianni Infantino für die Freiheit der Berichterstattung einsetzt. Im Abblocken kritischer Journalisten lässt sich der Schweizer im wirklichen Leben nämlich wenig vormachen. Zudem hält sich Infantino viel auf sein gutes Verhältnis zum russischen Präsidenten zugute. Der will sich „sein“ WM-Fest nicht verderben lassen. Russland hat mit der Einreiseverweigerung offenbart, dass es eine gehörige Portion Angst vor Leuten hat, die nicht davor zurückschrecken, einen Sumpf als solchen zu bezeichnen.

          Peter Sturm

          Redakteur in der Politik, zuständig für „Politische Bücher“.

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