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Der Wert der Fairness : Sport an der Seite von Kunst und Wissenschaft

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Heldenverehrung oder Vorbildfunktion für ethisches Handeln? Die Ruhmeshalle Walhalla im bayerischen Donaustauf Bild: dpa

Machtpolitische Entscheidungen von Funktionären übertünchen eine einzigartige Fähigkeit des Sports: Er kann eigene Werte hervorbringen – falls Athleten Fairness als Grundlage ihres Handelns betrachten.

          Es gehört zu den Schwierigkeiten der deutschen Geschichte, dass wir zu einem fremdländischen Ausdruck greifen müssen, wenn wir die Werte des Sports und der herausragenden Athleten benennen wollen. Welchen Begriff der deutschen Sprache wir auch wählen – Ruhmeshalle, Ehrenhalle, Walhalla, verdiente Helden des Sports –, an allen Ausdrücken kleben semantische Brocken, die zu Sportauffassungen gehören, von denen wir uns befreien wollen. Hall of Fame hat dagegen aufgrund seiner angelsächsischen Herkunft und seiner internationalen Verbreitung den Vorteil, über dem Wurzelgrund der völkischen und politischen Ideologien der deutschen Vergangenheit zu schweben.

          Dass es sich um ein Schweben handelt, weist uns eine Aufgabe zu: Wir müssen das Lob des Sports und die Ehrung seiner hervorragendsten Vertreter erst einmal erden. Wir müssen eine Verbindung der Werte des Sports zu den Grundüberzeugungen unserer Gesellschaft herstellen. Von dem Einklang der Hall of Fame mit den Grundüberzeugungen der deutschen Kultur zeugen die Formulierungen zum „Leitbild der Sportlerpersönlichkeit“ der Deutschen Sporthilfe. Nicht nur durch ihre herausragenden sportlichen Leistungen und sportlichen Erfolge sollen sich die Mitglieder der Hall of Fame auszeichnen, sondern auch durch ihre „Vorbildwirkung als Persönlichkeit“. Ihre Haltung wird als ebenso wichtig erachtet wie ihre sportlichen Leistungen.

          „Haltung“ ist ein Begriff aus dem Bereich des ethischen Handelns. Ihre ausdrückliche Erwähnung hebt das dem Sport innewohnende ethische Potential hervor. Die Konstruktion der deutschen Hall of Fame hat also zwei Aspekte: Sie zeigt zum einen die ethischen Werte des Sports und hebt zum anderen die ethische Qualität der Persönlichkeit ihrer Mitglieder hervor. Aufgrund dieser doppelseitigen Konstruktion gewinnt sie eine Besonderheit, die ich in einem Vergleich mit der Kunst und der Wissenschaft aufweisen will.

          Miroslav Kloses Handeln ist modellbildend

          Kunst und Wissenschaft sind hoch angesehene Tätigkeitsbereiche. Die Kunst mit ihren Institutionen wird als ein herausragendes kulturelles Feld angesehen. Dieser Wert besteht jedoch nicht an sich; er wird durch Handlungen und Werke bedeutender Künstler immer wieder von neuen erworben. Analog verhält es sich mit der Wissenschaft: Seit der Antike hat sie den Wert eines Feldes der Erkenntnis. Die Höhe und Geltung dieses Werts für unsere Zeit wird durch die Qualität und den Reichtum der Erkenntnisse von großen Wissenschaftlern in jeder Epoche neu errungen.

          An diesem Vergleich erkennt man, dass Kunst und Wissenschaft ihre Qualitäten und ihr Ansehen dadurch erhalten, dass es herausragende Individuen gibt, die die Möglichkeiten dieser Tätigkeitsfelder erschließen und erweitern. Wenn dies nicht geschieht, wenn Künstler und Wissenschaftler in den Dienst zum Beispiel politischer Ideologien gestellt werden und sie nicht mehr die Werte ihres Feldes verwirklichen können oder dürfen, verlieren sie ihre herausragende Stellung.

          Die Absicht meines Vergleichs mag jetzt deutlich geworden sein: Ich will den Sport an die Seite der Kunst und der Wissenschaft stellen. Auch der Sport verwirklicht hohe, gesellschaftlich anerkannte Werte. Auch bei ihm kann die Öffentlichkeit an den Leistungen und Haltungen herausragender Athleten erkennen, welches Potential er besitzt. Die Sportler und Sportlerinnen verwirklichen also nicht nur individuelle Werte, sondern zeigen mit dem Wert ihres Handelns auch den Wert des Sports selbst. Ihr Handeln hat den Charakter eines modellhaften Handelns.

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