Home
http://www.faz.net/-gu9-6xf32
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Glosse Fußball unter der Haube

04.02.2012 ·  Dürfen Frauen muslimischen Glaubens auch in Zukunft in entsprechender Kleidung über die Fußballfelder jagen? Am 3. März fällt eine wichtige Entscheidung. Es könnte ein Steilpass für weitere Sportarten sein.

Von Evi Simeoni
Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (0)
© picture-alliance/ dpa/dpaweb Wie dürfen muslimische Frauen Fußball spielen? Es scheint eine Lösung in Sicht

Wenn es auf dieser Welt jemanden gibt, der immer ganz sicher weiß, was gerade Sache ist, dann sind das Fußballanhänger. Sie wissen natürlich ganz genau, was das wichtigste Thema bei der nächsten Sitzung ihrer ehrwürdigen Regelhüter in England ist: der Testbericht zur Torlinien-Technologie natürlich, nach der die Fans seit Jahren lechzen. Wirklich? Mag sein.

Eine nicht unerhebliche Minderheit schaut allerdings aus ganz anderen Gründen am 3. März nach Surrey, wo das Gremium, genannt International Football Association Board, dieses Jahr tagt. Für viele fußballverrückte Frauen in Asien geht es um die Frage, ob man sie auch künftig von den Spielfeldern jagen wird. Gemeint sind die Sportskanonen muslimischen Glaubens, die mit ihrer Bekleidung traditionellen Vorschriften folgen müssen - oder wollen.

Man kann natürlich - wie westliche Frauenrechtlerinnen - absolut dagegen sein, dass Fußballspielerinnen in unbequemer und unpraktischer Kleidung Sport treiben müssen, die man einem Mann niemals zumuten würde.

Es gibt nur eines, das schlimmer ist für Mädchen und junge Frauen, die schon um kleine Freiheiten mit unvorstellbarer Energie kämpfen müssen: dass sie gar nicht Fußball spielen dürfen. Und so ist es bisher. Im Juni vergangenen Jahres zum Beispiel durften die Iranerinnen an einem Olympia-Qualifikationsspiel gegen Jordanien nicht teilnehmen, weil sie auf Anordnung ihrer Religionsführer auf die - regelwidrigen - Kopftücher nicht verzichten durften. Sie weinten bittere Tränen.

Inzwischen hat der Weltverband reagiert und unter Führung seines jordanischen Vizepräsidenten Prinz Ali eine akzeptable, weil ungefährliche und atmungsaktive Kleidung entwickeln lassen - zum Beispiel mit Klettverschlüssen an den Kopftüchern, die sich öffnen, wenn daran gezerrt wird. Falls die Regelhüter zustimmen: ein Steilpass für weitere Sportarten.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
Themen zu diesem Artikel

Jahrgang 1958, Sportredakteurin.

Jüngste Beiträge

Improvisieren unter Zeitdruck

Von Michael Ashelm

Die Nationalelf setzt darauf, dass die frustrierten Münchner ihr neuen Anschub geben. Über genug Turniererfahrung und Reife verfügen die Leistungsträger. Zudem ist es ja nicht so, als hätten die Gegner keine Sorgen. Mehr 1 2