http://www.faz.net/-gtl-7k8co

Gaucks Absage : Gegen Putin und IOC

Der frei denkende Präsident: Joachim Gauck war bei den Olympischen Spielen in London, wird aber nicht nach Sotschi reisen Bild: dpa

Gauck stellt sich nicht gegen den Sport. Der Bundespräsident will sich nur nicht von Russlands Präsident Putin so instrumentalisieren lassen wie das IOC. Es ist gut, dass er nicht nach Sotschi reist.

          Es ist gut, dass der höchste Repräsentant der Bundesrepublik nicht nach Sotschi reist. Die Anwesenheit von Joachim Gauck hätte Russlands Präsident Putin das Gefühl gegeben, die Deutschen akzeptierten sein Verhalten, die ständigen Verstöße gegen die Menschenrechte, die Verhöhnung von Bürgerrechtlern, die nur einfordern, was hierzulande als selbstverständlich gilt. Und wenn es die Freiheit ist, mit einem gleichgeschlechtlichen Partner Hand in Hand im Stadion zu stehen. Jeder sollte dafür einstehen.

          Dass der höchste Mann im Staat offensichtlich diese Aufgabe demonstrativ übernommen hat, mag den organisierten Sport treffen. Weil diese Haltung auf den ersten Blick eine Distanzierung vom Spitzensport ausdrückt, die sich zurzeit in der Gesellschaft breitmacht. Eine für den organisierten Sport, der für eine dringende Reform die Unterstützung der breiten Bevölkerung braucht, höchst gefährliche Entwicklung. Aber Gauck stellt sich damit nicht gegen den Sport an sich, gegen die Athleten. Sonst würde er die Olympiamannschaft nicht nach den Spielen feierlich empfangen wollen.

          Nein, Gauck will sich nur nicht von Putin so instrumentalisieren lassen wie das Internationale Olympische Komitee (IOC). Völlig gedankenverloren, ohne Rücksicht auf die in der eigenen Charta formulierten Werte, hat es sich dem früheren KGB-Agenten verschrieben. Wieder einmal ist der Eindruck bestätigt worden, die wenigen Damen und Herren des IOC scherten sich nicht um das, was sie so gerne predigen. Die Vorwürfe sind nicht neu. Nur hat der Sport bei der von ihm angekündigten Selbstreinigung im Kern immer wieder versagt.

          Staatsmänner unterschiedlichster Art: Präsident Putin und Bundespräsident Gauck
          Staatsmänner unterschiedlichster Art: Präsident Putin und Bundespräsident Gauck : Bild: AFP

          Insofern sollten Sportfunktionäre hierzulande nicht ernsthaft glauben, Gauck verzichte auf eine Reise, weil er nur dem Menschenschinder Putin keinen Gefallen tun wolle. Die Geste des Bundespräsidenten rückt das IOC als mitverantwortlich für die Misere in den Blick.

          Es sind die Funktionäre, die ihrem eigenen Spiel einen schweren Schaden zugefügt haben. Thomas Bach kann sich diesem Vorwurf nicht entziehen. Er hat die Entscheidung für Sotschi getragen. Als IOC-Präsident seit September scheint er einen neuen, rigiden Kurs zu fahren. Wenn das stimmt, müsste er Gauck dankbar sein. Denn die Kollegen Bachs werden sich fragen, warum der erste Deutsche nicht zum ersten deutschen IOC-Präsidenten kommt. Eine ehrliche Antwort ist der erste Schritt in eine bessere Zukunft.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Folgen:

          Quelle: F.A.Z.

          Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.