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Fußballpolitik : Schweigen ist nicht genug

„Fair Play“ ist nicht nur auf dem Rasen wichtig Bild: dapd

Man muss nicht gleich das ganz große Sittengemälde der Fußball-Bundesliga entwerfen. Aber Hertha BSC sollte den Spielern deutlich machen, dass es Grenzen gibt.

          Man muss nicht gleich das ganz große Sittengemälde der Fußball-Bundesliga entwerfen, wenn man über die Vorgänge spricht, die in diesen Tagen den Aufsteiger Hertha BSC erschüttern. Über das Verhältnis von einigen Profis des Aufsteigers zu einer Minderjährigen, das sich über eine Autogrammstunde anbahnte, gibt es auch nach tage- und seitenlangen Berichten keine ausreichende Klarheit - weder über die schlichte Faktenlage und schon gar nicht für juristische oder moralische Grundsatzurteile über Profis und Medien.

          Eines lässt sich an diesem Berliner Fall, dessen Auswirkungen Trainer Jos Luhukay nun öffentlich gemacht hat, allerdings schon erkennen: dass der abwehrende Verweis des Vereins, es handele sich dabei um eine reine Privatangelegenheit der Spieler, der Rolle, die Fußballprofis in der Öffentlichkeit zukommt, nicht mehr gerecht wird - und auch nicht der Verantwortung von Profivereinen. Und das ganz unabhängig vom Grad des unangemessenen Umgangs mit einer Minderjährigen in diesem speziellen Fall.

          Eigentlich selbstverständlich

          Bei allen Abgründen, die in diesem Fall aufscheinen, würde es der Glaubwürdigkeit eines Vereins durchaus nutzen, wenn er selbst öffentlich deutlich machte, dass er ein bestimmtes Verhalten von seinen Profis in der Öffentlichkeit verlangt; dass es Grenzen gibt, die einzuhalten sind - und dass man als Verein aus eigenem Interesse an Aufklärung interessiert ist.

          Es geht dabei eigentlich um Selbstverständlichkeiten. Es ist ja längst üblich in deutschen Fußballklubs, den Spielern schon in Jugendtagen Verhaltensregeln an die Hand zu geben, weil sie in der Öffentlichkeit den Verein repräsentieren - und ihm und sich durch Fehlverhalten ganz schnell schaden können. Umso mehr im Profialter, wenn Medien, die nur darauf warten, den Sport und eben auch ganz junge Sportler mit ihren vergröbernden und verzerrenden Spiegeln auf ihre Weise grell auszuleuchten. Aber um diese Selbstverständlichkeiten laut und deutlich auszusprechen und nicht nur hinter verschlossenen Türen im engsten Kreis einzufordern, bedarf es Führungskräfte in Vereinen und Verbänden, denen auch in diesen heiklen Fragen Verantwortungsbewusstsein und Glaubwürdigkeit zugeschrieben wird. Wenn es daran fehlt, herrscht allzu oft noch Schweigen.

          Michael Horeni

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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