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Fußball-Reformen : Keine Blockade?

Niersbach: „Von einer Blockadehaltung gegenüber Reformbestrebungen kann überhaupt keine Rede sein“ Bild: dpa

Der deutsche Fußballpräsident Niersbach verteidigt die Deklaration der Uefa zu den Fifa-Reformen. Chef-Erneuerer Mark Pieth bezeichnet sie als Rückschritt. „Es reicht nicht, einfach nur viel Papier mit schönen Forderungen zu produzieren.“

          Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) sieht sich in die sportpolitische Defensive gedrängt. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach wehrte sich am Mittwoch gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gegen Vorwürfe, auch er verhindere das umfassende Reformprojekt beim Internationalen Fußball-Verband (Fifa). „Von einer Blockadehaltung gegenüber Reformbestrebungen kann überhaupt keine Rede sein“, teilte er mit. Damit verteidigte er die von Fifa-Reformer Mark Pieth als Bremsmanöver kritisierte Deklaration des Europäischen Fußball-Verbandes (Uefa), die auch er als deutscher Repräsentant unterstützt hatte. „Das europäische Positionspapier wurde in einer offenen und transparenten Diskussion der 53 Mitgliedsverbände erarbeitet. Tatsache ist, dass ein Großteil der Reformvorschläge die Zustimmung der europäischen Verbände gefunden hat“, sagte Niersbach. „Dazu gehören unter anderem die Amtszeitbegrenzung für den Fifa-Präsidenten und das künftige Vergabeverfahren für Weltmeisterschaften. Wir unterstützen diese gemeinsam entwickelte Haltung und werden auf dem kommenden Kongress sehen, wie die anderen Konföderationen dazu stehen.“

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Der DFB-Präsident reagierte auf die scharfe Kritik des Vorsitzenden der unabhängigen Governance-Kommission bei der Fifa, Mark Pieth, der gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zuvor die „Haltung“ des deutschen Verbandes und der Uefa in zentralen Forderungen der Reformen bemängelt hatte. „Ich bin von der Deklaration enttäuscht, weil sie ein Rückschritt ist“, sagte der Antikorruptionsexperte und Strafrechtler aus Basel. So unterstützt die Uefa eine Amtszeitbegrenzung nur für den Fifa-Präsidenten (zwölf statt geforderter acht Jahre). Doch Niersbach sagt: „Bei der Frage nach seiner Amtszeit vertreten wir die Position, sich dem IOC ( Internationales Olympisches Komitee) anzuschließen, die acht plus vier Jahre vorsieht. Was die Frage einer Amtszeitbegrenzung für Exekutivkomitee-Mitglieder (Fifa-Vorstand) angeht, gibt es in Europa nun einmal eine klare Mehrheit, die sich dagegen ausspricht. Wir sollten nicht vergessen, dass wir nur einer von 53 Mitglieds-Verbänden sind und auch nur eine Stimme haben.“

          Derweil bleibt die Uefa auch hinter der Forderung von Pieths Reformgruppe nach einer zentralen Integritätsprüfung in der Verantwortung der Fifa für alle zukünftig gewählten Topfunktionäre zurück. An der Spitze von großen Wirtschaftskonzernen ist eine solche Prüfung üblich. Dieser Check soll aus Sicht des europäischen Verbandes und auch des DFB allerdings in der Hierarchie nach unten verlagert werden. „Ich halte das Verfahren für richtig und notwendig. In der Praxis würde das bedeuten, dass sich Uefa-Repräsentanten mit Mandaten in der Fifa in ihren jeweiligen Konföderationen einem entsprechenden Verfahren unterziehen müssen“, sagte Niersbach. „Beim Thema Altersbegrenzung für den Fifa-Präsidenten haben wir ebenfalls einer Beschränkung auf 72 Jahre zugestimmt. Wobei das in vielen europäischen Ländern durchaus als eine Form von Diskriminierung gesehen wird.“ Der DFB-Präsident betonte, dass der deutsche Verband die Reformbemühungen bei der Fifa unterstütze und nannte dabei auch die Umgestaltung der Fifa-Ethikkommission in eine untersuchende und eine Recht sprechende Kammer.

          Wie die Frankfurter Allgemeine Zeitung erfuhr, wird die unabhängige Governance-Kommission mit ihrem Vorsitzenden Pieth an diesem Freitag dem Fifa-Vorstand ihren zweiten Bericht zu den Reformschritten vorlegen und dabei wieder die Defizite des seit Herbst 2011 laufenden Reformprozesses aufzeigen. Es wird auch um die Frage gehen, ob sich das unabhängige Gremium zur Begleitung der Reformen wie vorgesehen beim Fifa-Kongress Ende Mai auf Mauritius auflösen soll oder nicht. Die Mitglieder der Reformkommission sind offenbar nicht sehr zuversichtlich, dass der Weltverband und seine führenden Funktionäre die Neuausrichtung alleine hinbekommen. Schließlich müsste der Fifa-Apparat seine eigene Arbeit und das Wirken seiner Funktionäre, zu denen auch im Vorstand weiterhin schwer belastete Vertreter gehören, in Zukunft selbst kontrollieren können. Daran gibt es anscheinend erhebliche Zweifel. „Es wäre gut, wenn es weiterhin eine Instanz wie unsere gäbe, die einen Blick auf die Umsetzung der Reformen hat. Es reicht nicht, einfach nur viel Papier mit schönen Forderungen zu produzieren. Die Fifa ist noch lange nicht dort, wo sie sein sollte“, sagte Pieth.

          Auch die Erkenntnisse des neuen Chefermittlers der Fifa-Ethikkommission, Michael Garcia, aus der sogenannten ISL-Akte stehen noch aus. Dabei geht es um weitere Fifa-Offizielle, die in der Akte aufgeführt werden und am großen Schmiergeldskandal beteiligt sein sollen. Zudem sicherte der frühere Staatsanwalt aus den Vereinigten Staaten nochmals eine Überprüfung der umstrittenen WM-Vergabe für 2022 an Qatar zu. „Herr Garcia muss jetzt langsam mal über seine Untersuchungsergebnisse öffentlich berichten und zumindest sagen, ob die Vorwürfe berechtigt oder nicht berechtigt sind“, sagt das deutsche Fifa-Vorstandsmitglied Theo Zwanziger.

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