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WM-Korruption : Uefa ist nicht die bessere Fifa

Er hat für Qatar gestimmt: Michel Platini macht aus seiner Wahl für 2022 kein Geheimnis Bild: AFP

Europäische Fußball-Funktionäre greifen die Fifa scharf an – von Boykott und Abspaltung ist die Rede. Aber zur WM in Qatar haben maßgeblich die Europäer dem Fußball verholfen. Und transparenter als die Fifa ist die Uefa auch nicht.

          Europäische Klubs und Verbände erklären dem Internationalen Fußball-Verband (Fifa) den Krieg. Das Weltmeisterschaftsturnier wird beim nächsten Mal boykottiert, die Europäische Fußball-Union (Uefa) löst sich mit ihren Mitgliederländern vom Fifa-Verbund. Worüber Vertreter wie der deutsche Ligapräsident Reinhard Rauball oder der frühere englische Verbandschef David Bernstein gerade nachdenken, erscheint erstmal plausibel.

          Allein die Androhung, das lukrative Milliarden-Monopol der Fifa auf diese Weise aufzubrechen und vielleicht am Ende daneben einen neuen Weltverband zu gründen, könnte den Reformdruck auf die umstrittene Fifa-Organisation entscheidend erhöhen und vor allem auch zu einem personellen Neuanfang an der Spitze ohne die fragwürdige Figur Joseph Blatter führen. Ein Wettbewerb um bessere Leute, also auch seriöses Geschäftsgebaren, ist immer wünschenswert. Ein Regulativ mit Opposition und Konkurrenz fehlt fast dem gesamten organisierten Sport, der seinen zweifelhaften Alleinherrschaftsanspruch gerne zur Machtausweitung benutzt.

          Dennoch wirkt der Aufschrei einiger Fußball-Verantwortlicher aus Europa so, als gebe es hier schon die bessere Alternative zur verrufenen Fifa. Das ist nicht so. Gerade die europäischen Fußballvertreter tragen eine große Mitverantwortung an der aktuellen Misere mit den bisher unaufgeklärten Korruptionsvorwürfen um die WM-Vergaben an Russland (2018) und Qatar (2022).

          Uefa-Präsident Michel Platini hat öffentlich zugeben, bei der geheimen WM-Wahl am 2. Dezember 2010 für das Emirat am Persischen Golf gestimmt zu haben. Aber im Fifa-Vorstand müssen weitere Fußballfunktionäre aus Europa Qatar ihre Stimme gegeben haben. Platinis Sohn hatte später einen Job bei einer qatarischen Gesellschaft erhalten. Seither ist auch die Glaubwürdigkeit der Uefa schwer beschädigt.

          Wohlfeiler Populismus

          Hinzu kommt, dass sich die Toporganisation vom alten Kontinent nicht unbedingt als Vorreiter einer Reformbewegung zeigt. Im Gegenteil: Während sich sogar bei der Fifa unter dem Druck der Öffentlichkeit einige Veränderungen ergeben haben, die derzeit von der aufflammenden Diskussion um die zu Recht kritisierte WM-Untersuchung der Ethikkommission in den Hintergrund gedrängt werden, sperrt sich die Uefa gegen die Einführung adäquater Good-Governance-Regeln und mehr Transparenz. Alle Jahre hat der europäische Fußball das fragwürdige Fifa-System gestützt und sich arrangiert. Es gab ja genug mitzuverdienen.

          Dass keine starke Persönlichkeit aus dem europäischen Fußball im nächsten Mai bei der Fifa-Präsidentenwahl gegen Blatter antritt und für einen fundamentalen Kurswechsel kämpft, ist ein Armutszeugnis. Platini will nicht, weil er eine Niederlage befürchtet. Die empörten Reaktionen in diesen Tagen sind daher nichts anderes als wohlfeiler Populismus.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

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          Quelle: F.A.Z.

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