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Veröffentlicht: 19.03.2014, 14:32 Uhr

Fußball auf der Krim Umschaltspiel auf russische Art

Spätestens zur neuen Saison sollen die beiden Krim-Klubs Tawrija Simferopol und FK Sewastopol von der ukrainischen in die russische Fußball-Liga wechseln.

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© REUTERS Fußball in Zeiten der Krim-Krise: 1:0 für Russland

Der erste ukrainische Fußball-Meister nach der Auflösung der Sowjetunion? Nicht Dynamo Kiew, die überlegene Mannschaft der siebziger und achtziger Jahre im sowjetischen Fußball. Nicht Dnipro Dnipropetrowsk oder Schachtjor Donezk, erst recht nicht Metalist Charkiw aus den Industrieregionen mit reicher Fußballtradition im Osten des Landes. Nein, die erste ukrainische Meistermannschaft spielte auf der Krim. Tawrija Simferopol wurde 1992 Meister, mit einem Sieg im Play-off-Finale gegen Dynamo Kiew. Am vergangenen Sonntag hätte Dynamo Kiew wieder in der Hauptstadt der Krim zu Gast sein sollen, aber die aktuelle politische Lage ließ das Heimspiel von Tawrija ausfallen. In Simferopol waren die Menschen gerade damit beschäftigt, die russische Annexion der Krim zu formalisieren.

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Die Spieler von Tawrija traten stattdessen im Olympiastadion von Kiew an. Sie verloren 1:2. Es war der erste Spieltag nach der Winterpause in der ukrainischen „Premjer Liha“, der Rückrundenstart war angesichts des politischen Umsturzes verschoben worden. Als in Kiew abgepfiffen wurde, stand das Ergebnis der Volksabstimmung am Schwarzen Meer längst fest. 97 Prozent der Krimbewohner sollen für den Anschluss an Russland gestimmt haben. Der Fußballklub Tawrija, der erste ukrainische Meister, hat inzwischen das Land verloren, in dem er einst Meister und zuletzt 2010 Pokalsieger wurde. Bis zuletzt hatten sich einige Tawrija-Fans gegen die russische Annexion gewehrt, insbesondere unter den Ultras des Klubs, die schon im Winter auf dem Maidan in Kiew gegen die Regierung Janukowitsch und ihre Truppen gekämpft hatten. Der Münchner Doktorand Manuel Veth hatte darüber in seinem Blog „futbolgrad.com“ berichtet. Veth schreibt am Londoner King‘s College zur Zeit seine Doktorarbeit zur Entwicklung des postsowjetischen Fußballs vom Kommunismus zum Kapitalismus.

Nach seinen Erkenntnissen wurden die Tawrija-Ultras aber schon vor dem Referendum am Sonntag von den pro-russischen „Selbstverteidigungstruppen“ von der Straße in die sozialen Netzwerke verdrängt. Inzwischen hat Wladimir Putin die Krim seiner Russischen Föderation angeschlossen, es ist völlig unklar, ob Tawrija Simferopol und der zweite Erstliga-Klub auf der Krim, PFK Sewastopol, überhaupt noch in der ersten ukrainischen Liga antreten werden. Sie sollen nach dem Willen der neuen Machthaber auf der Krim künftig in der russischen Liga spielen.

Fifa muss entscheiden

Russische Medien zitieren Alexander Krasilnikow, den Präsidenten von PFK Sewastopol, er bereite einen Brief vor, in dem an den Internationalen Fußballverband Fifa, den europäischen Kontinentalverband Uefa und den ukrainische Verband eine entsprechende Bitte herangetragen werde. In der kommenden Woche wolle man Uefa-Delegierte in Kasachstan treffen und das Thema besprechen. Und Rustan Temirgalijew, der stellvertretende Regierungschef der Krim, stellte am Mittwoch bereits in Aussicht, dass Tawrija und PFK spätestens zur neuen Saison in der russischen Liga antreten könnten. „Fifa und Uefa werden das letzte Wort haben“, sagte Tawrijas Sportchef Alexander Bojzan. In einer Erklärung auf der Website des ukrainischen Fußballverbandes heißt es: „Wir sind Zeugen der instabilen Situation in unserem Land, die leider auch den Fußball berührt. Die jüngsten Ereignisse auf der Krim lassen zwei Klubs über ihre Zukunft nachdenken. Die ukrainische Premier League wird die Lage überprüfen und versuchen, die Dinge in Ordnung zu bringen.“

Sofern die Klubs tatsächlich einen Antrag gegen den Willen des ukrainischen Verbandes auf einen Wechsel in die russische Liga stellen, wird auf die internationalen Fußballverbände die Entscheidung zukommen, ob sie einem Wechsel zustimmen und damit unweigerlich der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim einen Anstrich der Legitimation geben. Verweigerten sie einen Wechsel, würden die Verbände den Gastgeber der übernächsten Fußball-Weltmeisterschaft verärgern: Wladimir Putin. Wenigstens die Zukunft von Tawrija Simferopol ist allerdings noch aus einem weiteren Grund völlig unklar: Klub-Präsident Dmytro Firtasch ist vergangene Woche in Wien festgenommen worden. Ihm wird Bestechung und die Bildung einer kriminellen Vereinigung im Zuge von Auslandsgeschäften vorgeworfen, die amerikanische Bundespolizei FBI ermittelt seit 2006 gegen den Oligarchen. Bis über eine Auslieferung an Amerika entschieden wird, ist Firtasch wieder auf freiem Fuß, denn er hat die höchste Kaution der österreichischen Rechtsgeschichte gestellt: 125 Millionen Euro. Für Tawrija hat Firtasch derzeit entsprechend weniger übrig. Der Klub steht kurz vor der Pleite.

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Quelle: F.A.Z.

 

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