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Fußball Auch Seifert drängt den DFB

Der Machtkampf zwischen DFL und DFB geht weiter: Der DFL-Chef schließt sich der Politik der gewachsenen Stärke und der selbstbewussten Forderungen an. Nun fordert er, dass ein neuer Sportdirektor Vorgesetzter von Bundestrainer Löw sein müsse.

© picture alliance / dpa Vergrößern Veränderungen im Visier: Seine erfolgreiche Arbeit für die DFL setzt Seifert in Ansprüche auf eine stärkere Beteiligung um

Der Machtkampf zwischen der DFL und dem DFB um die Vorherrschaft im deutschen Fußball geht in die nächste Runde. Nach dem Angriff von Andreas Rettig, dem Geschäftsführer der Deutschen Fußball-Liga, am Montag in dieser Zeitung gegenüber der Führung des Deutschen Fußball-Bundes hat nun Christian Seifert vor der DFB-Präsidiumssitzung an diesem Freitag in Frankfurt noch einmal nachgelegt. Der Vorsitzende der Geschäftsführung der DFL erklärte gegenüber der Zeitschrift „Sport-Bild“, dass der künftige DFB-Sportdirektor auch für die A-Nationalmannschaft zuständig sein soll. Er wäre damit auch der Vorgesetzte von Bundestrainer Joachim Löw. „Viele Klubs in der Bundesliga haben gute Erfahrungen damit gemacht, wenn der Sportdirektor tatsächlich verantwortlich ist für den gesamten sportlichen Bereich. Das hieße beim DFB: einschließlich der A-Nationalmannschaft“, sagte Seifert. Dieser Vorstoß wird für weiteren Zündstoff in dem seit Rettigs Attacke angespannten Verhältnis zwischen den beiden Verbänden sorgen.

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Es ist nun offenkundig, dass die DFL nach der führenden, zumindest aber einer stärkeren Rolle im deutschen Fußball strebt. DFB-Präsident Wolfgang Niersbach hatte in seiner Reaktion auf den Vorstoß Rettigs („anmaßend“) noch den Eindruck zu erwecken versucht, es könne sich um einen Alleingang des DFL-Geschäftsführers handeln, der erst zu Jahresbeginn seinen Posten im Verband angetreten hatte. Seiferts Forderung lässt nun keinen Spielraum mehr offen: Die DFL hat ihre Attacke gegen den DFB abgestimmt - und den großen Bruder in die Defensive gedrängt.

Geteilte Verantwortung

Niersbach hatte zuletzt am vergangenen Samstag in der ARD-„Sportschau“ das Profil des künftigen DFB-Sportdirektors skizziert. Von einer übergeordneten Rolle, die auch die Verantwortung für die A-Nationalmannschaft mit einschließt, war nicht die Rede. „Wir brauchen jetzt einen Kopf, der gemeinsam mit dem Bundestrainer diese sportinhaltlichen Leitplanken setzt, um zu dem zu kommen, was wir bei anderen, besonders bei den Spaniern, auch ein Stück bewundern: diese einheitliche Spielphilosophie“, sagte Niersbach. Dem DFB-Präsidenten schwebt damit weiterhin eine geteilte Verantwortung auf diesem Posten vor: mit der führenden Rolle für den Bundestrainer, der derzeit auch die U21 leitet - und einem Sportdirektor, der an der Spitze der Nachwuchsteams von der U15 bis zur U20 steht. In der Vergangenheit hat sich diese Struktur allerdings nicht bewährt. Unter Sportdirektor Sammer herrschte ein offenes Konkurrenzverhältnis zu Löw; unter Sportdirektor Dutt verschwammen trotz größerer inhaltlicher und persönlicher Nähe dennoch die Zuständigkeiten. Als Schwäche entpuppte sich auch, dass der Bundestrainer sein Hauptaugenmerk ganz eindeutig auf die Nationalmannschaft richtete und die U21 eher als einen Randaspekt seiner Arbeit sieht.

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Auch Rettigs Forderung, neben dem DFB-Generalsekretär Helmut Sandrock einen Fußballexperten mit demselben Status zu installieren, zeigt unmissverständlich, dass die DFL sich für fußballspezifische Fragen auch beim DFB zuständig fühlt. Die DFL dringt verstärkt auf Mitspracherechte bei Themen, die ihrer Ansicht nach auch die Liga betreffen. Dazu zählen mittlerweile auch stärker sportliche Fragen. Das Selbstbewusstsein der DFL ist in den vergangenen Jahren stetig gewachsen durch die Erfolge der Vereine, aber auch wegen ihrer selbst herbeigeführten Professionalisierung. Die Unzufriedenheit über die Ergebnisse der Nachwuchs-Nationalmannschaften - trotz zahlreicher Talente, die von den Vereinen ausgebildet und gestellt werden - begründet für die DFL nun einen größeren Einfluss im deutschen Fußball. Im DFB-Präsidium verfügt sie über vier Sitze. Der DFB aber besteht auch nach der Intervention der DFL weiterhin darauf, den Sportdirektor alleine auszuwählen - trotz der Verzahnung, die zwischen DFB und DFL immer wieder betont wird.

Seiferts Vorstoß, den Sportdirektor künftig zu stärken und den Bundestrainer zu schwächen, wird in Verbandskreisen nicht nur als Reaktion auf die unbefriedigenden Ergebnisse bei der U21 und im gesamten Nachwuchsbereich verstanden. Die Neuordnung gilt auch als Hinweis, den Vertrag mit dem Bundestrainer nicht schon vor der Ernennung des DFB-Sportdirektors zu verlängern. Niersbach dringt schon seit Monaten auf eine zügige Vertragsverlängerung mit Löw. „Wir haben keinen Plan B“, sagte der DFB-Präsident vor wenigen Monaten über diese Frage. Für die DFL ist das offensichtlich ein Problem.

Quelle: F.A.Z.

 
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