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Fußball-Affäre Beckenbauer fühlt sich geknebelt

07.05.2003 ·  Die WM-Planer wollen den Dienst am Kunden im Jahr 2006 nicht dem Fußball-Weltverband( FIFA) überlassen. Auf kein Stichwort reagiert Franz Beckenbauer im Augenblick allergischer als auf dieses: FIFA.

Von Von Roland Zorn
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Auf kein Stichwort reagiert Franz Beckenbauer im Augenblick allergischer als auf dieses: FIFA. Da wird aus dem milden "Kaiser" und Weltmann sogleich ein zorniger Vorkämpfer deutscher Forderungen an die Fußball-Weltmeisterschaft 2006. Der Präsident des nationalen Organisationskomitees ärgert sich dieser Tage beinahe wie auf Knopfdruck, wenn er auch nur vorsichtig angesprochen wird auf die Wünsche seines OK und die möglicherweise gegenläufigen Pläne des Internationalen Fußball-Verbandes im Zusammenhang mit dem Kartenverkauf inklusive VIP-Service und der Unterbringung beim sportlich größten Ereignis in drei Jahren. "Da sind ein paar Unfähige", schleudert Beckenbauer den FIFA-Autoritäten in der Befürchtung zornig entgegen, daß über die Köpfe des Ausrichters hinweg die wichtigsten Dienste am Kunden vorbei geregelt werden könnten. "Wir haben mit der FIFA einen Grundlagenvertrag unterschrieben, der ein Knebelvertrag ist, den man normalerweise nicht unterschreibt. Wenn man ihn aber nicht unterschreibt, hat man keine Chance, die WM auszurichten."

Selbst seinen Rücktritt vom Ehrenamt des deutschen OK-Präsidenten hat Beckenbauer für den negativen Fall des Falles nicht ausgeschlossen. Der 57 Jahre alte Münchner krempelt aggressiv wie lange nicht die Ärmel auf, um auf jeden Fall zu verhindern, was bei den Weltmeisterschaftsturnieren 1998 und 2002 schwer daneben ging. In Frankreich vergab das nationale WM-Organisationskomitee den Tickethandel jenseits der Landesgrenzen an 17 Agenturen. Die Folge war unter anderem, daß Karten doppelt bis dreifach verkauft wurden und der Schwarzmarkt mit Billets überflutet wurde; den horrend teuer gestalteten Ticketverkauf in Korea und Japan vor einem Jahr organisierte die FIFA mit Hilfe der von ihr beauftragten englischen Agentur Byrom selbst. Ein Fehlschlag, da vermeintlich ausverkaufte Spiele in halbleeren Stadien ausgetragen wurden. Der Hauptgrund für die speziell in den japanischen Arenen unübersehbaren Lücken auf den Tribünen: Das Unternehmen der mexikanischen Brüder Enrique und Jamie Byrom schaffte es nicht, viele über das Internet bestellte und bezahlte Eintrittskarten rechtzeitig an die Besteller auszuliefern.

Mit eben dieser nahe Manchester ansässigen Agentur soll die FIFA aufs neue Verhandlungen, diesmal über das Großprojekt 2006, führen. Und das, nachdem den Deutschen eingedenk schlechter Erfahrungen Avancen gemacht worden sind, den Ticketverkauf selbst in die Hand zu nehmen. Eine sinnvolle Idee, zumal das OK in seinem Vizepräsidenten Horst R. Schmidt einen Vizepräsidenten in seinen Reihen hat, den manche für den weltbesten Organisator von Fußball-Großereignissen halten. Beckenbauer sagt dazu in vergleichender Wertung: "Ein Horst R. Schmidt hat in diesen Dingen mehr Erfahrung als die gesamte FIFA."

Dieser Schmidt hält sich mit seinen kritischen Anmerkungen anders als der in freier Rede notfalls polemische Beckenbauer stärker zurück, macht aber deutlich, daß auch er die Sektoren Kartenverkauf und Hotelangebote lieber in deutscher Regie betreut sähe. Mit 200 Millionen Euro hat das WM-OK seine Haupteinnahmequelle Erlöse aus Kartenverkauf budgetiert. Davon sind allerdings rund 15 Prozent abzuziehen, die an die Kommunen als Mietausgleich für die WM-Stadien und als Benutzungsentgelt für den öffentlichen Nahverkehr fließen. Bei der Preisgestaltung wollen sich die Deutschen, falls sie dieses große Geschäftssegment organisieren dürfen, auf keinen Fall an der überteuerten WM 2002, sondern an der WM 1998 orientieren. Unter Einberechnung des seitdem generell gestiegenen Preisniveaus könnten die billigsten Karten des Turniers für eine Summe von rund 50 Euro erworben werden. 70 bis 80 Prozent aller angebotenen Karten will das OK im Internet-Ticketing absetzen. 350 000 der insgesamt 3,2 Millionen Tickets gehören zu der von der FIFA bearbeiteten Hospitality-Kategorie; für diese VIP-Pakete, bei denen eine Karte in der Spitze bis zu 1000 Euro kosten könnte, hat die FIFA dem OK 250 Millionen Schweizer Franken garantiert und einen weiteren Zuschlag bei einem exorbitant guten Geschäftsabschluß in Aussicht gestellt.

Von diesem Kartenkontingent de luxe abgesehen, möchte das OK beim Kartenverkauf wie auch in den Fragen der Unterbringung, die in Korea und Japan ebenfalls von Byrom gelöst werden sollten, lieber mit nationalen Partnern zusammenarbeiten. "Die Angebote", urteilt der Fachmann Schmidt, "müssen dem entsprechen, was die Leute bezahlen können. Danach wird eine WM beurteilt." Weil er zu wissen glaubt, daß die Deutschen es besser können, sagt Beckenbauer kategorisch: "Es kann nicht sein, daß über unsere Köpfe entschieden wird. Ich halte nicht drei Jahre meine Birne für etwas hin, wofür ich nichts kann."

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