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Kritik im deutschen Schwimmen : „Trainer werden zu Uhrenhaltern degradiert“

  • -Aktualisiert am

Frank Embacher bei den Olympischen Spielen 2016. Bild: Picture-Alliance

Frank Embacher wurde vor die Tür gesetzt, nun ist der Schwimm-Trainer arbeitslos. Im F.A.Z.-Interview spricht er über seine Klage gegen den Verband, den Bundestrainer und das Training der Deutschen.

          Der 53 Jahre alte Schwimmtrainer Frank Embacher hat 23 Jahre lang am Stützpunkt Halle/Saale gearbeitet. Paul Biedermann stieg mit Embacher in die Weltspitze auf und wurde 2009 Weltmeister über 200 und 400 Meter Freistil. Bei Olympia 2012 und 2016 waren die deutschen Schwimmer ohne Medaillen geblieben. Die von Chef-Bundestrainer Lambertz vorangetriebene Umstrukturierung und Zentralisierung geschieht auch vor dem Hintergrund erheblicher Mittelkürzungen ab 2019. (chwb.)

          Herr Embacher, Ihnen wurde an Heiligabend mitgeteilt, dass Ihr zum Jahresende 2016 auslaufender Vertrag nicht verlängert wird. Eine Trennung zu Weihnachten – nicht die feine Art, oder?

          Ich habe den Brief zunächst gar nicht gelesen, weil ich davon ausgegangen war, dass zumindest im Jahr 2017 alles so bleibt, wie es ist (Halle/Saale bleibt Bundesstützpunkt mit Embacher als Trainer; d. Red). Das haben ja alle Beteiligten im DSV immer wieder betont. Und die Stadt Halle hat das sogar schriftlich vom Innenministerium und von Herrn Hörmann (Präsident des Deutschen Olympischen Sportbunds; d. Red.). Erst meine Frau kam später zu mir und sagte: „Hast du das nicht gelesen? Die haben deinen Vertrag nicht verlängert!“ Das war ein richtiger Hammerschlag.

          Sie haben Klage gegen den DSV eingereicht, der Verhandlungstermin steht noch aus. Was machen Sie derzeit?

          Ich bin arbeitslos. Die Leitung der Trainingsgruppe habe ich an meinen Ko-Trainer (Marian Bobe; d. Red.) übergeben, dem ich weiter zur Verfügung stehe, quasi als ehrenamtlicher Berater. Mir geht es dabei gar nicht um den Titel. Auch das fehlende Gehalt tut weit weniger weh als die ganze Art und Weise. Da ist man einfach menschlich enttäuscht. Weil nichts darauf hindeutete, dass man nicht mehr mit mir arbeiten will. Im Gegenteil: Die Signale, die ich bekommen habe und die Aussagen, die der Bundestrainer (Henning Lambertz; d. Red.) mir gegenüber getätigt hat, sprachen immer für eine weitere Zusammenarbeit.

          Sie haben sich seither unter anderem in Potsdam als Trainer für einen möglichen Bundesstützpunkt beworben. Sehen Sie immer noch eine Zukunft im DSV?

          Ich hatte bis vor kurzem tatsächlich noch den Eindruck, dass der Verband nach einer Lösung sucht, um weiter mit mir zusammenzuarbeiten, dass alles vielleicht nur ein Missverständnis war, ausgelöst durch die Reformen. Daher habe ich mich auch in Potsdam beworben. Dazu war ja später zu lesen, dass der Chef-Bundestrainer dort nur mit Jörg Hoffmann arbeiten will, weil es keinen annähernd so qualifizierten Bewerber gab. Dabei habe ich immer gedacht, dass Henning Lambertz mich als Partner sieht, auf dessen Rat er großen Wert legt. Auch nach Olympia hieß es noch: Du bist einer von Vieren, die ich brauche, damit das alles funktioniert. Bei euch hole ich mir das Feedback. Doch jetzt habe ich kürzlich einen eindeutigen Beweis bekommen, dass man nicht mehr mit mir arbeiten will. Damit ist die Sache nun für mich erledigt.

          In den vergangenen Jahren kam es wegen offener Vertragssituationen immer wieder zu Konfrontationen. Ein Problem, das viele olympische Sportarten kennen. Was würden Sie sich wünschen?

          Das Problem ist, dass in Deutschland nur Olympia zählt. Du wirst immer für den Olympiazyklus angestellt, danach wird abgerechnet. Du kannst also drei Jahre voll daneben gegriffen haben – wenn Olympia passt, dann ist alles vergessen. Aber wenn nicht, dann kannst du vorher noch so gut gearbeitet haben. Das zählt dann nichts. Ich finde, die Verträge sollten nicht nach Olympia enden, sondern ein Jahr später. Damit nicht alle, auch die Sportler – wie zuletzt auch wieder – Monate in der Luft hängen. Schließlich hat die Erfahrung gezeigt, dass sich die sogenannten Umbrüche immer wieder hinziehen. Wir kriegen es jetzt doch auch nicht vor 2019 hin.

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