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Fifa : Skurrile Züge der neuen Reformgruppen

Francois Carrard hat beim ehemaligen deutschen Finanzminister Theo Waigel angefragt, ob er Mitglied beim „Advisory Board“ werden wollte. Bild: AFP

Ins Blickfeld gerät der Vorsitzende François Carrard, denn auch er zeigt die üblichen Reflexe bei Problemen die Verantwortung auf neue Gremien abzuwälzen. Carrard wollte sogar einen ehemaligen Finanzminister als neues Reformgruppenmitglied.

          Die Arbeit der neuen Reformgruppe innerhalb des Internationalen Fußball-Verbandes (Fifa) nimmt immer skurrilere Züge an. Ins Blickfeld gerät dabei ihr Vorsitzender François Carrard, der Anfang August vom Fifa-Vorstand in die Position gehievt wurde. Nicht nur, dass der auf die achtzig Jahre zusteuernde ehemalige Generaldirektor des Internationalen Olympischen Komitees jeglichen Ernst und Distanz in der Betrachtung der Sachlage, die für die Aufgabe notwendig wären, vermissen lässt. Der Anwalt aus Lausanne zeigt auch die üblichen Reflexe der alten Sportfunktionärsgarde, bei Problemen die Verantwortung auf immer neue Gremien abzuwälzen, die zwar einen wohlklingenden Namen erhalten und am besten noch mit prominenten Personen besetzt werden, aber im Grunde nichts zur Lösung beitragen.

          Michael Ashelm

          Redakteur in der Wirtschaft.

          So hat nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung Carrard beim ehemaligen deutschen Finanzminister Theo Waigel angefragt, ob dieser nicht Mitglied eines noch zu gründeten sogenannten „Advisory Board“ werden wollte, das dann wiederum die Reformgruppe beraten soll. Auf Anfrage wollte Waigel keinen Kommentar abgeben. Es ist davon auszugehen, dass der langjährige CSU-Vorsitzende, der vier Jahre lang bei Siemens die Aufarbeitung des Korruptionsaffäre überwachte, das Angebot ablehnen dürfte. Waigel wäre Aushängeschild eines Reformen-Verhinderungs-Gremiums.

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          Die Arbeitsgruppe mit Carrard an der Spitze gibt ein schwaches Bild ab. Außer Worthülsen ist bisher wenig aus den Reihen des Gremiums zu hören gewesen, das in der größten Krise der Fifa eigentlich für eine Stimmungswende sorgen müsste. Und nicht nur das: Schließlich gilt es, sich den amerikanischen Justizbehörden gegenüber kooperationswillig zu zeigen. Am nächsten Montag erscheint die amerikanische Justizministerin Loretta Lynch in Zürich und will sich auch zum Fifa-Fall äußern. Stattdessen kritisierte Carrard das Vorgehen der Ermittler. Die Anwaltskanzlei Quinn Emanuel, welche die Fifa strafrechtlich vertritt, war entsetzt über die Interviewäußerungen, was intern dazu führte, dass die Kommunikationsabteilung der Fifa-Administration in einer Stellungnahme darauf hinwies, dass es sich um die „persönliche“ Meinung Carrards handele.

          Und das war nicht alles: Der Schweizer Jurist qualifizierte den Fußball in den Vereinigten Staaten als „Schulmädchensport“ ab und führte an, dass Fifa-Präsident Joseph Blatter in der Öffentlichkeit ungerecht behandelt würde. Wirkliche Reformarbeit fand bisher nicht statt. Wie aus der Arbeitsgruppe zu hören ist, gibt es nicht mal eine konkrete Agenda. Dass an diesem Donnerstag der Fifa-Compliance-Chef und Schweizer Wirtschaftsmanager Domenico Scala einen Reformplan mit weitgehenden Vorschlägen zur Runderneuerung der gesamten Organisation veröffentlichen will, wird den Druck auf das Gremium von Carrard erhöhen.

          Ohnehin stellt sich die Frage, ob das Gremium überhaupt geeignet ist für diese Aufgabe. Zu den Mitgliedern gehören Funktionäre, die Reformen blockieren und torpedieren. Wie Scheich Ahmad al Fahad al Sabah aus Kuweit, der bisher vornehmlich im olympischen Sport die Strippen zog. Oder der Fußballfunktionär Constant Omari aus dem Kongo, der eine Amtszeitbegrenzung kategorisch ablehnt.

          Unterdessen genießt es Carrard ganz offensichtlich, dass ihm durch den Fifa-Job mehr öffentliche Aufmerksamkeit entgegengebracht wird. Der Jurist gilt in der Schweiz als eifriger Sammler von Aufsichtsratsposten. So ist er als Präsident im Verwaltungsausschuss des Montreux Jazz Festivals. Hier sitzt auch ein gewisser Pierre Landolt. Ein geschäftstüchtiger Schweizer, dem unter anderem die Uhrenmarke Parmigiani gehört. Mehr als 50 dieser Luxus-Chronographen im Wert von jeweils 25 000 Franken hatte der brasilianische Fußballverband zur WM im vergangenen Jahr an Fußballfunktionäre verschenkt. Scala und die Fifa-Ethikkommission verlangten die Rückgabe der Uhren.

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