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Veröffentlicht: 30.09.2013, 19:29 Uhr

Fifa-Reform Anti-Korruptions-Experte Pieth gibt Amt auf

Mark Pieth will sich Ende dieses Jahres aus seinem Amt bei der Fifa zurückziehen. Nach Angaben des Schweizer Kriminologen kann die Fifa den begonnenen Reformkurs ohne ihn dennoch weiter fortsetzen.

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© REUTERS Mark Pieth: „Ich möchte nicht noch mal in ein großes Jamboree, wo die verschiedenen Fraktionen aufeinander losgehen“

Während der Internationale Fußball-Verband (Fifa) in dieser Woche klären will, ob die Weltmeisterschaft 2022 in Qatar vom Sommer auf den Winter verlegt wird, steht die Organisation plötzlich vor einem weiteren Problem: Der Schweizer Kriminologe Mark Pieth wird sich nach zwei Jahren als unabhängiger Compliance-Beauftragter der durch Korruptionsvorwürfe und fragwürdige Machenschaften stark beschädigten Fifa mit seiner Beraterkommission (IGC) zum Ende dieses Jahres zurückziehen. Das bestätigte er dieser Zeitung: „Ich habe mich mit dem IGC immer in einer Geburtshelferrolle gesehen. Es sind jetzt in die Fifa unabhängige Governance-Strukturen gepflanzt worden, die aus meiner Sicht funktionieren können“, sagte der Anti-Korruptions-Experte. Ob die Fifa den begonnenen Reformkurs einhält, hänge jetzt ganz von ihr ab. „Es geht da in Zukunft um Selbstregulierung. Wenn die Fifa nicht weiter will, dann muss sie natürlich nicht. Wir können sie nicht zwingen“, sagte Pieth.

Michael Ashelm Folgen:

Die alten Seilschaften innerhalb des Weltverbandes, die um ihre Pfründe fürchten, haben dem Basler Strafrecht-Professor durch ihre feindselige Haltung immer wieder Schwierigkeiten bereitet. Zuletzt litt seine Arbeit unter den Folgen des Machtkampfes zwischen Fifa-Präsident Joseph Blatter und Michel Platini, dem Präsidenten des Europäischen Fußball-Verbandes (Uefa). „Ich möchte nicht noch mal in ein großes Jamboree, wo die verschiedenen Fraktionen aufeinander losgehen“, sagt Pieth.

Enttäuscht vom Schweizer Staat

Mit dem Rückzug von Pieth wird nun der Vorsitzende der neuen internen Audit- und Governance-Gruppe, Domenico Scala, mehr in den Mittelpunkt rücken. Der Schweizer Wirtschaftsmanager ist zurzeit Oberkontrolleur und muss zugleich neue Veränderungen vorantreiben. Als Überwachungs- und Sanktionsinstanz muss sich die Ethikkommission weiter etablieren. Wegen der Diskussion um die Austragung der WM in Qatar steht dieses Gremium wohl vor einer schwierigen Phase. Die von Pieth und Funktionären wie dem deutschen Fifa-Vorstandsmitglied Theo Zwanziger als wichtig angesehene Amtszeitbegrenzung für die ehrenamtlichen Fifa-Granden konnte noch nicht durchgesetzt werden.

Enttäuscht zeigt sich Pieth vom Schweizer Staat, der weiterhin nichts unternehme, um die vielen auf seinem Staatsgebiet ansässigen Sportorganisationen zu durchleuchten. Stattdessen dürfte dort weiterhin im Dunkeln gewirtschaftet werden. Er bezeichnete sein Heimatland deshalb schon öfter als „Piratenhafen“ – als sicheren Hort für schwarze Konten, Diktatorengeld und dubiose Rüstungsgeschäfte. „Die Schweiz hätte die Handhabe, die Fifa und auch andere im Land beheimatete Sportverbände über das Steuerrecht zu kontrollieren. Stattdessen gibt sie den Verbänden eine Steuerbefreiung. Es ist ärgerlich, dass da nichts passiert. Diese Verantwortung wird von der Schweiz nicht wahrgenommen“, sagt Pieth. Er wolle sich jetzt anderen Herausforderungen widmen. Nach mehr als 25 Jahren hat der Basler Universitätsprofessor den Vorsitz der Arbeitsgruppe gegen Korruption in der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung abgegeben. Dafür will er sich in seiner neuen Aufgabe als Präsident des obersten Gerichtes der afrikanischen Entwicklungsbank stärker engagieren.

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