http://www.faz.net/-gtl-8z53j

Staatliches Doping : Ermittlungen gegen Russlands Fußball-Nationalteam

  • Aktualisiert am

Die Vorwürfe rund um Doping im russischen Spitzensport haben nun auch den Confed Cup erreicht. Bild: AFP

Der Skandal um Doping in Russland hat jetzt den Confed Cup erreicht. Es soll Unregelmäßigkeiten auch bei der russischen Fußball-Nationalmannschaft gegeben haben. Die Fifa bestätigt das – ganz anders als Russlands Fußballchef.

          Am Tag nach dem Ausscheiden der „Sbornaja“ beim Confed-Cup in Russland ist bekannt geworden, dass gegen den Gastgeberverband des Turniers und der Weltmeisterschaft im Sommer 2018 eine Untersuchung von Manipulationsvorwürfen durch den Internationalen Fußball-Verband Fifa geführt wird. Wie die britische „Mail on Sunday“ berichtet, prüft der Weltverband derzeit, ob der gesamte russische Kader für die jüngste Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien Teil des staatlich unterstützten Doping- und Vertuschungsprogramms war. Demnach gehören die 23 Spieler, die vor drei Jahren mit Unentschieden gegen Südkorea und Algerien und einer Niederlage gegen Belgien in der Vorrunde aus dem Turnier ausschieden, sowie weitere elf russische Fußballspieler zu den über 1000 Sportlern, die auf der Grundlage der zwei Berichte der Ermittlungskommissionen der Welt-Anti-Doping Agentur Wada zum staatlich unterstützten russischen Doping-Programm von manipulierten Doping-Proben profitiert haben könnten.

          Die Fifa bestätigte am Sonntag, in der Angelegenheit zu ermitteln, ließ aber offen, um welche Spieler es sich handelt. Die „Mail on Sunday“ berichtet, der Verband habe bestätigt, dass es sich um die Nationalspieler handelt, unter ihnen seien fünf Spieler, die für Russland in der vergangenen Woche beim Confed-Cup, der Generalprobe für die Weltmeisterschaft, aufgelaufen und nach der Niederlage gegen Mexiko (1:2) im abschließenden Vorrundenspiel in Kasan ausgeschieden sind.

          „Auch ein führender Funktionär eines Verbandes mit so wenig verbliebener Glaubwürdigkeit wie der Fifa kann nicht Teil einer Organisation sein wollen, die solche Vorwürfe ignoriert“, sagte der Kanadier Richard Pound gegenüber der „Mail“. Der Kanadier, Mitglied des Internationalen Olympischen Komitees, hatte eine der beiden Ermittlungskommissionen der Wada geleitet, die das russische Doping-System untersuchten. „Es obliegt der Fifa, klar zu sagen, welche Schritte sie unternehmen, was sie finden, und es obliegt ihr, alle Maßnahmen zu ergreifen, die notwendig sind, um die Integrität des Sports zu schützen.“ Elementarer Bestandteil des Betrugssystems war eine „Bank“ sauberer Proben von Sportlern, die zum Einsatz kamen, wenn Sportler potentiell auf Doping hinweisende Positivproben abgaben. Die Londoner Zeitung, die 2013 im Vorfeld der Leichtathletik-Weltmeisterschaften in Moskau erstmals über institutionalisiertes Doping in Russland berichtet hatte, schreibt, insgesamt seien unter den 3500 Urinproben, die 2015 aus dem suspendierten Moskauer Anti-Doping-Labor nach Lausanne gebracht worden waren, Proben von 100 Fußballspielern.

          Der stellvertretende russische Ministerpräsident Witalij Mutko, zugleich Präsident des russischen Fußball-Verbandes und Vorsitzender des Organisationskomitees für die Weltmeisterschaft 2018, wies den Bericht wütend zurück. „Im Fußball gab es nie Doping und wird es nie Doping geben“, sagte er der Nachrichtenagentur Tass. Die russische „Sbornaja“ werde laufend überprüft, im Fußball sei Doping nie ein Thema gewesen. Bereits im vergangenen Jahr hatte die ARD berichtet, die Vertuschung einer positiven Probe eines im Sommer 2014 beim russischen Klub FK Krasnodar spielenden Profis soll maßgeblich von Mutko, damals russischer Sportminister, gesteuert worden sein. Mutko hatte die Anschuldigungen im vergangenen Jahr ausgesessen.

          Die digitale F.A.Z. PLUS
          F.A.Z. Edition

          Die digitale Ausgabe der F.A.Z., für alle Endgeräte optimiert und um multimediale Inhalte angereichert

          Mehr erfahren

          Im Frühjahr 2017 war ihm dann die Wahl in den Fifa-Rat untersagt worden, nachdem er seit 2009 Teil der Exekutive des Weltverbandes gewesen war. Das „Governance and Review Comittee“ der Fifa hatte Mutko eine abermalige Kandidatur verweigert. Der Vorsitzende des Komitees, der Portugiese Miguel Maduro, war von der Fifa-Führung unter dem Präsidenten Gianni Infantino im Vorfeld des Fifa-Kongresses in Bahrein im Mai abgesetzt worden. „Wir sehen, dass sich die Welt des Fußballs nicht selbst regulieren kann“, hatte Maduro daraufhin der Frankfurter Allgemeinen Zeitung gesagt. „Es herrscht weiterhin eine Kultur, die sich gegen unabhängige Kontrollinstanzen richtet. So ist eine Reformierung nicht möglich.“

          Einer der fünf Spieler, die sowohl 2014 als auch beim Confed-Cup in den vergangenen Tagen für Russland aufliefen, ist der frühere Profi des FC Chelsea, Juri Schirkow. Er sah in der Partie gegen Mexiko in der 68. Minute die Gelb-Rote Karte. Während weder Mutko noch die russische Presse größere Vorwürfe erhoben, gefiel sich Igor Lebedew, stellvertretender Präsident des russischen Parlaments, wieder einmal in der Rolle des Wüterichs. Er forderte Schirkows Mannschaftskollegen zur körperlichen Züchtigung auf. Schirkow habe „nicht das Recht“, in einem solchen Spiel vom Platz gestellt zu werden, zitiert die Agentur „R-Sport“ Lebedew, der sich immer wieder mit markigen Sprüchen zur Lage im russischen Sport zu profilieren sucht. Man solle Schirkow in der Kabine zu Leibe rücken, „von Mann zu Mann“.

          Weitere Themen

          Köln verspielt den Sieg in Kiel noch

          Zweite Bundesliga : Köln verspielt den Sieg in Kiel noch

          Der Spitzenreiter will seine Position festigen. Torjäger Terodde trifft, doch am Ende reicht es doch nicht zu drei Punkten. Auch Bielefeld muss sich ärgern. Und Heidenheim schleicht sich nach oben.

          Topmeldungen

          „Wenn der FC Bayern keinen Erfolg hat, ist das ein Weltwunder“: Trainer Niko Kovac.

          Bundesliga in Wolfsburg : Das Spiel nach dem bizarren Bayern-Auftritt

          Durch den Ausbruch der Bayern-Bosse wird die sportliche Schwäche zum Nebenschauplatz. Dabei ist auch interessant, was Trainer Niko Kovac vor dem Münchner Spiel in Wolfsburg zu sagen hat.
          Ist der Euro in Gefahr?

          FAZ Plus Artikel: Schuldenkrise : Der Ausweg aus der Target-Falle

          Die Bundesbank sitzt auf Hunderten Milliarden Euro an Forderungen gegenüber Südeuropa. Diese Target-Salden sind eine Gefahr für den Frieden auf unserem Kontinent. Zum Glück gibt es für das Problem eine einfache Lösung. Ein Gastbeitrag.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.