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Europäische Gedankenspiele Eine Polizei für den Sport?

29.11.2007 ·  Gewalt, Doping, Korruption - der Sport hat derzeit viele Gegenspieler. Am Mittwoch kam es abermals zu Auseinandersetzungen in Rom. Zeitgleich entwickelte eine Expertenkonferenz in Brüssel neue Ideen.

Von Christian Eichler
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Es war, als hätten die Hooligans den Politikern neue Argumente für die Dringlichkeit ihres Handelns geben wollen. Während in Brüssel rund 150 Experten zur „Konferenz gegen Gewalt im Sport“ der Europäischen Fußball-Union (Uefa) und der Europäischen Kommission zusammenkamen, stießen in Rom in der Champions League Fans von Lazio und Piräus aufeinander. Die Polizei verhinderte mit Mühe eine offene Schlacht im Stadion.

Nachdem im letzten Dezember in Paris ein Polizist einen Hooligan erschossen und im Februar in Palermo ein Hooligan einen Polizisten erschlagen hatte, war Michel Platini, der neue Uefa-Präsident, bei EU-Kommissionspräsident Barroso vorstellig geworden – mit der Forderung einer europäischen Sportpolizei zum Kampf gegen Gewalt, Doping, Wettbetrug oder Korruption. „Damals nannte ich diesen Vorschlag provokativ“, sagte er nun in Brüssel, „aber die Idee hat sich allmählich fortentwickelt.“

EU als „Katalysator für Lösungen und Erfahrungsaustausch“

Allerdings nicht so weit, als könne sie Realität werden. Die Kommission hat Sympathie für Platinis Plan gezeigt, aber verdeutlicht, dass die EU-Staaten ihm kaum zustimmen dürften. So machte Justizkommissar Franco Frattini bei der Konferenz auch keine Andeutung einer neuen europäischen Institution zum Kampf gegen Gewalt im Sport.

Er umriss die Rolle der EU lediglich als „Katalysator für Lösungen und Erfahrungsaustausch“ zwischen nationalen und europäischen Einrichtungen. Hinzu komme finanzielle Hilfe. So sei die Gewalt im Fußball ein Schwerpunkt im mit 600 Millionen Euro ausgestatteten EU-Sechsjahresprogramm zur „Prävention und Bekämpfung von Verbrechen“.

Platini: „Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem“

Als vor einem Jahr Rotterdamer Hooligans beim Uefa-Cup-Spiel in Nancy randalierten, wurde deutlich, wie ein Europa ohne Grenzen auch die Mobilität der Gewalt fördert – und zugleich den Behörden die Hände bindet. Obwohl die niederländische Polizei vor rund 2000 Hooligans warnte, konnten die Behörden in Frankreich deren Anreise nicht verhindern, weil dort nichts gegen sie vorlag. Platini sieht hier ein rechtliches „Vakuum“, er fordert europaweit geltende Stadionverbote für Gewalttäter. Der Uefa-Präsident wünscht sich überdies eine Art EU-Standard für Stadien: Arenen ohne Zäune, mit geschulten Ordnern und diskreter Überwachung durch die Polizei – ein Ziel, von dem man etwa in Osteuropa noch weit entfernt ist.

Platini zeigte sich besorgt über den „Zustand des Verfalls in bestimmten Ländern“. Das Problem, das durch den Tod eines Fans in Italien vor drei Wochen neue Brisanz erhielt, ist für ihn ein Problem der Politik. „Gewalt ist ein gesellschaftliches Problem.“ Platini sieht den Fußball als „Geisel der Gewalt“. Er sucht Befreier.

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Jahrgang 1959, Sportkorrespondent in München.

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