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Zwischen Doping und EM-Aus : Die Lex Russland

Weglächeln hilft nichts: Sportminister Mutko und Präsident Putin stecken im Schlamassel Bild: dpa

Gruppenletzter bei der EM und am Pranger: Die Leichtathleten gelten als gedopt – es sei denn, sie können das Gegenteil beweisen. Der russische Sport liegt in Scherben.

          Schadenfreude ist ganz und gar nicht angebracht. Mit Rücksicht auf die explosive politische Weltlage wären ein paar russische Sporterfolge sicher ganz hilfreich. Aber davon kann überhaupt nicht die Rede sein. Der russische Sport liegt in Scherben am Boden. In Toulouse verabschiedete sich am Montag Abend die russische Fußball-Nationalmannschaft als Gruppen-Letzter von der Europameisterschaft. Das 0:3 gegen Wales war einer saft- und kraftlosen Sbornaja geschuldet, deren Akteure das Gegenteil von Putins brachialem Männerbild ausstrahlten: Mangelnde Belastbarkeit und Angst vor Verantwortung.

          Evi Simeoni

          Sportredakteurin.

          Am Dienstag waren die übrigen olympischen Sportarten dran, die nach jahrelangem notorischem, staatlich orchestriertem Doping-Betrug um ihre Zulassung zu internationalen Wettkämpfen bangen: Beim Gipfel in Lausanne schlossen die Spitzenfunktionäre des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) und der Weltverbände das Russische Nationale Olympische Komitee zwar nicht von den Olympischen Spielen in Rio aus. Aber sie hoben die Unschuldsvermutung für alle russischen Athleten auf. Ungeprüft soll keiner von ihnen auf die solide getesteten Sportler anderer Nationen losgelassen werden. Jeder einzelne wird beweisen müssen, dass er nicht vom verkommenen Anti-Doping-System in seinem Land beschmutzt ist.

          Die „Aktion sauberer Russe“

          Wie die „Aktion sauberer Russe“ funktionieren soll? Dieses Problem übertrugen die Top-Funktionäre in Lausanne den Welt-Fachverbänden, die nicht nur die Teilnahmeberechtigung der Sportler aus Russland, sondern auch aus Kenia überprüfen sollen. Auch das Anti-Doping-System der Afrikaner wird von den Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) als ungenügend eingestuft. Die Athleten werden belegen müssen, dass sie in ausreichendem Umfang von vertrauenswürdigeren Anti-Doping-Systemen überwacht wurden und werden als ihrem eigenen.

          Olympia hat am Dienstag also einige der Scherben, in die der russische Sport zerbrochen ist, für noch verwendbar erklärt. Die Entscheidung des Leichtathletik-Weltverbandes (IAAF) vom vergangenen Freitag, die Suspendierung des russischen Verbandes bis über die Spiele in Rio hinaus zu verlängern, hat IOC-Präsident Thomas Bach vier Tage später zwar noch einmal ausdrücklich unterstützt. Dass das russische Anti-Doping-System durch und durch verdorben ist, wie eine Task-Force der IAAF festhielt, wurde so wenig in Zweifel gezogen wie ein Bericht der Wada, dass bisher kaum eine Besserung zu erkennen sind.

          Peinlich: Russland scheidet sang- und klanglos bei der EM aus
          Peinlich: Russland scheidet sang- und klanglos bei der EM aus : Bild: Reuters

          Doch die Rolle des Russischen Olympischen Komitees und seine Mitwirkung darin, die Lage zu verbessern, beschrieb Bach ausdrücklich als positiv. Es wird nicht gesperrt. Und weil es nicht gesperrt wird, starten solche Athleten, die ihre Sauberkeit nachweisen können, unter der russischen Flagge. Auch die Leichtathleten, deren Weltverband für die Wettkämpfe unter eigener Hoheit eine neutrale Flagge bevorzugt. Die Sache scheint fix: Auch IOC-Mitglied Alexander Schukow, der Vorsitzende von Russlands NOK, hatte an dem Gipfel teilgenommen.

          Der Unterschied zwischen russischen Leichtathleten und russischen Athleten anderer Sportarten besteht darin, dass die einen grundsätzlich von internationalen Wettkämpfen ausgeschlossen sind und eine Sonderzulassung beantragen müssen. Die anderen müssen einen Check ihres Weltverbandes überstehen, bevor sie in Rio akzeptiert werden. Nach welchen Kriterien? Das wird sich weisen. Wie groß die russische Mannschaft in Rio sein wird? Manche schätzen etwa 80 Sportler, die anderen eine Handvoll, andere zucken die Achseln.

          Ob die Mittelstreckenläuferin und Kronzeugin Julia Stepanowa, die den Skandal um die Leichtathletik aufdeckte, nun das russische NOK um ihre Nominierung für Rio bitten muss, ist eine offene Frage, die das IOC noch klären muss. Aus Moskau hörte man zunächst nur noch kleinlaute Töne zu der Entscheidung: „Wir werden alles machen, was sie uns sagen“, erklärte Sportminister Witalij Mutko der Nachrichtenagentur Tass. Der Meister der radikal-offensiven Verteidigung dämpfte ganz offensichtlich seinen Ton, womöglich sogar nach dem Motto: Hauptsache nicht rausgeflogen.

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