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DOSB „Undemokratisches Verfahren“

28.04.2006 ·  Ein paar Flecken hat die schöne Ansicht vom neuen Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) schon bekommen. Ohne ein Votum sind von 43 Posten 42 fest nominiert - für Thomas Bach ist das die Demonstration von Einheit.

Von Michael Reinsch
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„Das ist wie ein Puzzle“, erklärte der Darmstädter Lehrer Klaus Schormann nach der Klausur. „Da ist der Rahmen, darin das Bild, und jetzt stimmt es in allen Facetten.“ Doch ein paar Flecken hat die schöne Ansicht vom neuen Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) vier Wochen vor dessen Konstituierung schon bekommen, obwohl oder vielleicht gerade weil Schormann, der Präsident des Internationalen Verbandes für Modernen Fünfkampf, gemeinsam mit Theo Zwanziger, dem amtierenden Präsidenten des Deutschen Fußball-Bundes (DFB), in einer Findungskommission so intensiv daran gebastelt haben.

Herausgekommen ist dabei nämlich - das wurde in der Landesvertretung Thüringens deutlich, wo sich die Delegierten der olympischen und der nichtolympischen Sportverbände trafen - nicht nur die Kandidatur für den Vorsitz von Thomas Bach, dem Vizepräsidenten des Internationalen Olympischen Komitees. Auch acht seiner neun Präsidiumsmitglieder sind bereits fest nominiert.

Mit Getreuen zusammenarbeiten

Schormann und seine Mitstreiter haben sogar die Ausschüsse für Leistungssport und für Breitensport sowie das Gremium der fünfzehn persönlichen Mitglieder Name für Name besetzt. Offen ist demnach nur noch der einzige hauptamtliche dieser 43 Posten, der des Generalsekretärs, von denen pikanterweise Nationales Olympisches Komitee (NOK) und Deutscher Sportbund je einen in die Fusion am 20. Mai einbringen. Die Vollversammlung wird über diese Stelle nicht abstimmen.

42 Namen und eine Vakanz - für Thomas Bach ist das die Demonstration von Einheit, was sich für ihn mit Stärke und Geschlossenheit übersetzt. „Wir in der Findungskommission“, rutschte dem kommenden Präsidenten in der Diskussion einmal heraus. Dieses Wort illustriert, wie engagiert der frühere Fechter darum kämpft, mit Getreuen zusammenzuarbeiten. Schormann ging in Berlin sogar so weit, im Vorgriff auf die Gründungsversammlung in Frankfurt ein Votum anzuregen. Im Saal herrschte daraufhin Schweigen. Vor dem Saal machte sich Thomas Urban, Hauptgeschäftsführer des Deutschen Alpenvereins, mit dem Worten Luft: „Ich sehe keine Bereitschaft der olympischen Verbände, dieses undemokratische Verfahren überhaupt zu kommentieren.“

Im Vorbeigehen, nach der Sitzung schon auf der Treppe, bestätigte Christa Thiel, die Präsidentin des Deutschen Schwimmverbandes, daß sie ihre Kandidatur für den Posten der Vizepräsidentin für Leistungssport nicht aufgegeben habe; sie kündigte an, darüber in ihrem Verband zu beraten. Sie will womöglich gegen den von Bach favorisierten Bundestagsabgeordneten und ehemaligen Turnweltmeister Eberhard Gienger antreten. Auch der ehemalige Brandenburgische Kultusminister Steffen Reiche hält sich eine Kampfkandidatur offen, ebenso der ehemalige Triathlon-Präsident Martin Engelhardt.

„Blut von der Wahlschlacht“

Vor Herausforderungen und Kampfabstimmungen aber warnte Bach die Versammlung. „Wir dürfen nicht in der Paulskirche von der heilenden Kraft des Sports reden, und dabei trieft noch das Blut von der Wahlschlacht von den Händen“, zitiert ihn die Deutsche Presseagentur aus der nichtöffentlichen Versammlung. Die Einigkeit von Berlin allerdings sei ein deutliches Signal dafür, daß die Verbände diese Einigkeit auch bei der Gründung des neuen Verbandes demonstrieren wollten. Die Mannschaft sei in einem demokratischen Prozeß gefunden.

Die fünf persönlichen Mitglieder aus dem gesellschaftlichen Leben - im Unterschied zu fünf Athletenvertretern und fünf ehemaligen Athleten - sollen Altbundespräsident Richard von Weizsäcker, Theater-Regisseur Thomas Landhoff und BDI-Präsident Jürgen Thumann sowie Ski-Olympiasiegerin Rosi Mittermaier und der scheidende NOK-Präsident Klaus Steinbach werden.

Quelle: F.A.Z., 28.04.2006, Nr. 99 / Seite 31
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Jahrgang 1958, Korrespondent für Sport in Berlin.

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