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Aktualisiert: 05.12.2015, 13:09 Uhr

Alfons Hörmann DOSB-Präsident erhebt schwere Vorwürfe

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes attackiert die Sportfunktionäre Digel, Zwanziger und Blatter. Alfons Hörmann wirft ihnen mangelndes Verantwortungsbewusstsein vor. Die Reaktionen folgten prompt.

von , Hannover
© dpa DOSB-Präsident Hörmann redet sich in Rage

Der Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Alfons Hörmann, hat den bekannten ehemaligen Sportfunktionären Theo Zwanziger und Helmut Digel vorgeworfen, ihrer Rolle als Repräsentanten des deutschen Sports nicht gerecht geworden zu sein. „Wo blieb die Verantwortung derer, die uns in den internationalen Gremien vertreten haben?“, rief Hörmann mit Blick auf die Skandale im Internationalen Fußball- und im Internationalen Leichtathletik-Verband am Samstag bei der Mitgliederversammlung des DOSB in Hannover den Delegierten zu.

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Der frühere DFB-Präsident Zwanziger und Digel, der den  Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV) führte, hatten jeweils in ihren internationalen Verbänden Sitz und Stimme: „Wie kann es sein, dass man auf  Weltverbands-Ebene nicht mitbekommt, was gelaufen ist?“, fragte Hörmann. Digel teile im Monatsrhythmus dem deutschen Sport mit, was er besser zu machen habe und was schlecht gelaufen sei. Er habe nun erklärt, in einer Mischung aus Naivität und Gutgläubigkeit die Entwicklung nicht erkannt zu haben: „Das ist keine verantwortungsbewusste Wahrnehmung der Position. So dürfen wir Deutschland international nicht repräsentieren.“

Prompte Reaktionen von Zwanziger und Digel

Es sei interessant zu erfahren, wo im DFB und im DLV kritisch hinterfragt wurde. Es reiche nicht, national auf Podiumsdiskussionen zu parlieren. Der DOSB-Präsident appellierte an die Funktionäre, ihrer Verantwortung gerecht zu werden: „Nur so ist die Glaubwürdigkeit wieder zu gewinnen.“

Theo Zwanziger reagierte prompt auf Hörmanns Attacken: „Das ist ein schäbiger Versuche, von eigenen Unzulänglichkeiten abzulenken. Wer ist denn dieser Herr Hörmann? Er hat nie versucht, mit mir zu reden“, sagte er gegenüber der F.A.Z. „Ich habe in der Fifa vier Jahre lang versucht, Reformen durchzusetzen. Zuletzt bin ich von den Europäern dabei blockiert worden. Die Einführung der Ethik-Kommission, die jetzt so gut arbeitet, ist auf mein Betreiben mit entstanden. Dass die Verhaftungen möglich wurden zum Ende meiner Amtszeit hat auch damit zu tun, dass ich Blatter ermunterte, der Schweizer Staatsanwaltschaft Akten zu übergeben.“

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Auch die Reaktion von Helmut Digel ließ nicht lange auf sich warten: „Eine unglaubliche Verleumdung. Hörmann spricht damit den Verdacht der Mitwisserschaft aus. Das werde ich nicht hinnehmen. Würde er so auch über IOC-Präsident Thomas Bach sprechen, der jahrelang mit dem Präsidenten des Internationalen Leichtathletik-Verbandes, Lamine Diack, befreundet war?“, äußerte er auf F.A.Z.-Anfrage.

Doch Hörmann beließ es nicht bei den Vorwürfen in Richtung Helmut Digel. Auch die Verhaftungen von Funktionären der Fifa unter dem suspendierten Präsidenten Joseph Blatter hätten viel Kredit und Rückenwind rund um die gescheiterte Olympia-Bewerbung in  Hamburg gekostet.: „Es ist einfach nur noch inakzeptabel  und beschämend, was in dieser Organisation läuft“, sagte Hörmann: „Wenn Herr Blatter sagt, dass er die Engel singen hört, dann kann das in mehrfacher Hinsicht nicht sein, Engel sind im Himmel zu finden.“

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Er beklagte die Auswirkungen von Korruption und Manipulation auf das Image untadeliger Sportfunktionäre: „Wir kommen an einen Punkt, an dem wir uns mittlerweile nicht mehr getrauen, uns als Sportfunktionäre zu outen. Das kann nicht unsere gemeinsame Zukunft sein.“  Den DFB forderte Hörmann auf, eine transparente Entscheidung bei der Vergütung des nächsten Präsidenten zu treffen.

Der Kandidat der Landesverbände für die Nachfolge von Wolfgang Niersbach, der Bundestagsabgeordnete Reinhard Grindel, soll 170.000 Euro pro Jahr erhalten – aber als Ehrenamtspräsident gelten. „Ich warne davor, eine Mogelpackung zu beschließen. Wo Ehrenamt draufsteht, muss echtes Ehrenamt drin sein.“ Die etwa 460 Delegierten des DOSB reagierten auf die Kritik Hörmanns mit großem Applaus.

Doping-Opfer: DOSB soll helfen

Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) hat den Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) aufgefordert, sich an einem Fonds für die Opfer des Dopings in der ehemaligen DDR zu beteiligen. „Ich würde mich freuen, wenn der DOSB noch einmal überlegt, ob er etwas dazu beitragen kann“, sagte der für den Spitzensport zuständige Minister auf der Mitgliederversammlung des DOSB am Samstag in Hannover. Der Bund will zehn Millionen Euro zur Linderung der Folgen des Zwangs-Dopings unter anderem auch bei Minderjährigen zahlen.

„Wir hatten geglaubt, das Kapitel sei abgeschlossen. Das war falsch“, sagte de Maizière und bezog sich dabei auf die zunehmende Zahl schwer erkrankender ehemaliger Spitzensportler, die nachweislich in das Doping-Programm der DDR eingebunden waren, teilweise ohne ihr Wissen und obwohl kurz- wie langfristige Nebenwirkungen bekannt waren. Über das Doping-Opfer-Hilfe-Gesetz hatten bislang etwa 200 frühere Athleten einmalig bis zu 30.000 Euro erhalten. Inzwischen rechnet der Doping-Opfer-Hilfeverein (DOH) mit bis zu 2000 Menschen, die Anspruch auf eine Unterstützung hätten.

„Der Fonds ist ein Zeichen, dass wir noch etwas gutzumachen haben“, fügte der Innenminister hinzu: „Es war zwar Staatssport, aber der ist auch vom organisierten Sport gemacht worden. Eine Beteiligung wäre auch ein Zeichen der Integration im Sport.“ Bis zum Sommer solle es einen Gesetzentwurf geben. Der DOSB hat es bislang mit Hinweis auf leere Kassen abgelehnt, sich an dem Fonds zu beteiligen. Nach Angaben des DOH reichten etwa 30 Millionen Euro, um allen Doping-Opfern relativ unbürokratisch und langfristig helfen zu können.

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