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DOSB-Mitgliederversammlung : Ungeliebte Gewerkschaften

DOSB-Präsident Bach: Alles für die Athleten? Bild: dpa

Die Spielergewerkschaften suchen den Zusammenschluss mit dem Deutschen Olympischen Sportbund. Der Dachverband hat einiges zu bieten.

          Alles für die Athleten! Dieses ehrenwerte Motiv würden die Delegierten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) wohl unterschreiben. An diesem Samstag trifft man sich zur siebten Mitgliederversammlung in Berlin. Sportler meiden solche Treffen zur Organisation ihrer Bedingungen in der Regel. Viele Reden, wenig Konkretes. Verwaltungskram. Dabei hat der Dachverband fünf Jahre nach seiner Entstehung zumindest bei ihrer Unterstützung einiges zu bieten: nämlich beste Kontakte in die hohe Politik und wohl deshalb eine ungebrochene Auszahlung von Steuergeldern. Der Beitrag des Staates ist in den vergangenen fünf Jahren zunächst gestiegen. Jetzt wird kaum gekürzt.

          Anno Hecker

          Verantwortlicher Redakteur für Sport.

          Und trotzdem droht Ungemach von denen, die davon profitieren sollen. „Es wird Zeit“, schrieben 29 Spieler- und Athleten-Gewerkschaften aus aller Welt Mitte November, „den Sport den Athleten zurückzugeben.“ Diese populistische Forderung hat einen ernsthaften Hintergrund. In Nyon entschieden sich diese Vereinigungen, im kommenden Frühjahr eine weltweite Vertretung auf die Beine zu stellen, die mit einer Stimme auf die Missstände bei der Behandlung von Sportlern aufmerksam machen und diese möglichst beseitigen soll.

          „Der professionelle Sport ist global, und deshalb müssen die Probleme des Sports weltweit gelöst werden“, erklärt Theo van Seggeln, Generalsekretär der Internationalen Vereinigung der Fußballspieler: „Unser Weltverband ist ein großer Schritt nach vorne.“ Und wohl keine leere Drohung angesichts des Potentials von rund hundert Spieler-Vereinigungen mit einer sechsstelligen Mitgliederzahl.

          Gewerkschaften stoßen auf Ablehnung

          Die Interessenvertreter fühlen sich nicht akzeptiert. Eine Einladung an die korrekte Adresse der Athletenkommission des Internationalen Olympischen Komitees nach Nyon blieb bislang unbeantwortet. Selbst in Deutschland stoßen die agilen Gewerkschaften der Basketballprofis (Spin e.V.) und der Handballspieler (Goal e.V.) auf Ablehnung.

          Basketballer Schaffartzik (links): Im deutschen Bundestag über den Anti-Doping-Kampf diskutiert

          Als neulich der Sportausschuss im Deutschen Bundestag über die möglichen Verstöße gegen Grundrechte im Anti-Doping-Kampf diskutierte, gehörte zwar Heiko Schaffartzik von Alba Berlin zu den Befragten der Volksvertreter. Aber der Basketball-Nationalspieler war nicht als Mitglied der Gewerkschaft geladen worden. „Es gab eine individuelle Fax-Anfrage an Alba“, sagt Jonas Bär-Hoffmann, Generalsekretär von Spin: „Wenn wir nicht telefonisch nachgefragt hätten, hätte Heiko wohl gar nichts davon erfahren.“

          Die Spielervertretungen waren offiziell nicht gefragt. Dabei haben vor allem sie das Tagesthema der Parlamentarier in Deutschland zu einer Debatte entwickelt. Weil Spin und Goal überzeugt sind, dass Aufenthaltshinweis- und Abmeldeprozedur mit dem Adams-Computerprogramm – für Spitzensportler drei Monate im Voraus – teilweise gegen den Datenschutz verstößt. Anti-Doping-Agenturen gelangten so zu einem Bewegungsprofil, wie es sonst nur Kriminelle mit Fußfesseln bieten müssten.

          Stimmung gegen die Aufmüpfigen

          Vor einer rechtsverbindlichen Klärung, unter anderem ist am Europäischen Gerichtshof eine Klage anhängig, hat der DOSB aus Sicht der Gewerkschaft Stimmung gegen die Aufmüpfigen gemacht. „Wir wissen von einem Brief an den Sportausschuss, in dem die Gewerkschaft und ihr Ansinnen diskreditiert wurden“, sagt Bär-Hoffmann.

          Absender war der Beirat der Aktiven im DOSB. „Wir haben nichts diskreditiert, sondern nur klargestellt, dass wir die legitimen Vertreter aller Kaderathleten sind“, erklärt Aktivensprecher Christian Breuer: „Wir kümmern uns schließlich um deren Belange mit Blick auf die Olympischen Spiele und Weltmeisterschaften, auch um den Anti-Doping-Kampf. Das ist eine andere Baustelle als die Arbeit der Gewerkschaften. Einen konstruktiven Vorschlag, Adams zu verbessern, haben sie übrigens nicht gemacht.“ Die Fronten scheinen verhärtet.

          „Da ist man in Ozeanien schon weiter“

          Der DOSB wertet die Kritik von Spin und Goal an Adams als geschickte Werbekampagne. Die Gewerkschaften wiederum zweifeln, dass Ehrenamtliche als Teil der Verbandsstruktur die Interessen der Sportler professionell vertreten können. „Wir haben nichts gegen den Beirat der Aktiven. Aber ihnen fehlt doch die Manpower zur Lösung all der drängenden Probleme in allen Sportarten. Wie soll das funktionieren?“, fragt Bär-Hoffmann.

          Auch mit der Basketball-Liga sei es „schwierig, auf einen grünen Zweig“ zu kommen. „Die medizinische Versorgung ist unzureichend, die Trainingsplanung mitunter unprofessionell“, behauptet der Gewerkschaftsmann. Spin prangert die vielen Kurzzeitverträge an, die manche Profis in Deutschland zwingen, drei, vier Vereinbarungen pro Jahr zu schließen. „Da ist man, bei aller Beachtung der Menschenrechte hierzulande, in Ozeanien schon weiter. Dort gibt es sogar Tarifverträge.“

          Die Bewegung wächst - und schwankt doch. Spin hat zwar alle Nationalspieler gewonnen, der Organisationsgrad aber pendelt wegen der hohen Fluktuation zwischen 30 und 70 Prozent innerhalb einer Saison. Insofern wäre eine Kooperation vernünftig - zum Wohle der Sportler.

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