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DOSB-Kommentar Unkalkulierbare Risiken

04.12.2011 ·  Eine Münchner Bewerbung für Winterspiele 2022 wird es kaum geben. Das ist klug, denn es steht viel mehr als Olympia auf dem Spiel. Es geht um den deutschen Einfluss im internationalen Sport.

Von Anno Hecker
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© dpa Bundespräsident Christian Wulff dankt dem deutschen Sport: DOSB-präsident Thomas Bach nimmt dankend an

Mal ganz ehrlich: Eine Bewerbung von München für die Olympischen Winterspiele 2022 wird es wohl kaum geben. Anders kann man die Entscheidung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) am Samstag bei der Mitgliederversammlung in Berlin nicht interpretieren.

Nach Intervention des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD) soll der Sport den zweiten Versuch nach der Niederlage bei der Wahl für 2018 nun zwar „anstreben“. Aber die große Mehrheit der Delegierten schmetterte den zweiten Vorstoß ab. Es blieb wegen der unkalkulierbaren Risiken und Nebenwirkungen bei einer Absage „zum jetzigen“ Zeitpunkt.

Bei diesem Votum mag das Interesse der Sommersportverbände, vom Winter abzulenken, auch eine Rolle gespielt haben. Die davon unabhängige Lagebeurteilung aber gibt den Strategen im DOSB recht. Allein die offen genannten Argumente reichen, um den Schritt zu verstehen: Im Herbst 2013 muss die Bewerbung offiziell beim Internationalen Olympischen Komitee (IOC) angemeldet werden. Just, wenn in Deutschland Bundestagswahlen und in Bayern dazu noch Landtagswahlen anstehen.

Was, wenn etwa die Grünen in Berlin wieder Regierungsbeteiligung erlangten und dann von Olympiagegnern an einen Parteitagsbeschluss erinnert würden, der Olympische Winterspiele in Süddeutschland ablehnt? Der Sport würde vorher wohl kaum konkrete Zusagen erhalten. Und im Zuge dieser Unsicherheit noch mehr Schwierigkeiten als zuletzt bekommen, die Finanzierung der Bewerbung auf die Beine zu stellen.

Dem gewieften Taktiker Bach vertrauen

Darüber hinaus ist die Qualität der Gegner noch nicht einzuschätzen. Sie haben sich noch nicht offenbart. Schließlich wirkt das blamable Wahlergebnis beim Wettbewerb um Olympia 2018 nach wie vor beunruhigend. Weil München nur 25 anstatt 35 vorher erwarteten Voten erhielt, entpuppte sich das IOC selbst für den Intimus und Vizepräsidenten Thomas Bach als unkalkulierbar.

Ein Hasardeur, wer sich bei dieser Gemengelage festlegt. Deshalb ist der deutsche Sport wohl klug beraten, seinem gewieften Taktiker Bach in dieser Frage zu folgen. Schließlich steht viel mehr als die Ausrichtung von Olympia 2022 auf dem Spiel. Es geht um den deutschen Einfluss im internationalen Sport auf Jahre hinaus.

Risikoreiche Bewerbung 2022 vermeiden

Denn im Herbst 2013 steht auch die Wahl eines neuen IOC-Präsidenten an. Bach darf man unterstellen, dass er in diesem Amt die Vollendung seiner Karriere sieht. Noch schweigt er dazu. Doch wie immer er sich auch bewegt, eine Olympiabewerbung würde darunter leiden. Tritt er an, sind seine Chancen größer als die von München für 2022. Verzichtete der Jurist wider Erwarten auf eine Kandidatur, würde seine Führungsrolle im IOC erheblich beschädigt - und München verlöre damit den wichtigsten, wohl einzigen deutschen Lobbyisten von bedeutendem Einfluss.

Wer also Olympische Spiele in Deutschland will und genügend Geduld hat, auf das Jahr 2026 zu spekulieren, vermeidet eine risikoreiche Bewerbung und hofft auf einen Erfolg Bachs. Zumindest zum jetzigen Zeitpunkt.

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Jahrgang 1964, Sportredakteur.

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