16.04.2009 · Noch keine Entscheidung im Fall Goldmann: Die DOSB-Dopingkommission will den Leichtathletik-Trainer zu einem weiteren Gespräch bitten, an dem Kommissionsmitglied Steffen Reiche nicht teilnehmen wird. Der SPD-Politiker hatte Goldmann vor dessen Erklärung zu seiner Doping-Vergangenheit beraten.
Von Christoph BeckerDie Unabhängige Doping-Kommission des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) hat noch nicht abschließend über den Fall des belasteten Leichtathletik-Trainers Werner Goldmann beraten und aus der Kritik an der Verfahrensweise in diesem Fall Konsequenzen gezogen. Bei einer Sitzung in Frankfurt am Mittwoch kam das Gremium überein, Goldmann zu einem weiteren persönlichen Gespräch zu bitten, an dem Kommissionsmitglied Steffen Reiche nicht teilnehmen wird. „Ich habe darum gebeten, an diesem Gespräch mit Herrn Goldmann nicht teilzunehmen, um den Anschein zu vermeiden, die Kommission arbeite nicht unabhängig“, sagte Reiche FAZ.NET.
Vor der Sitzung waren Zweifel an der Unabhängigkeit der Kommission laut geworden, die über die Integrität von Trainern mit einer Vergangenheit im DDR-Dopingsystem befinden soll. Reiche, SPD-Bundestagsabgeordneter und Vorsitzender des brandenburgischen Leichtathletikverbands, hatte in einem Interview gesagt, er habe Goldmann zu einer persönlichen Erklärung (siehe: Doping-Erklärung: Goldmanns Unterschrift) zu den Vorwürfen des früheren Kugelstoßers Gerd Jacobs gebeten (siehe: Doping: Goldmann zu Erklärung überredet). Jacobs, der Goldmann vorwirft, ihn in der DDR gedopt zu haben, bezeichnete Goldmanns Entschuldigung als „absolut nicht ausreichend“. Reiche hatte darüber hinaus erklärt, die DOSB-Kommission werde eine Weiterbeschäftigung Goldmanns empfehlen.
Nach der Sitzung am Mittwoch bestätigte Reiche, dass seine Beratung Goldmanns mit dem Deutschen Leichtathletik-Verband (DLV), dem DOSB und in der Kommission abgesprochen worden sei. Sein Rückzug betreffe allein die Causa Goldmann, in allen anderen Fällen werde er in der Kommission mitarbeiten, sagte der Politiker.
Ob Reiche vertreten wird, ist unklar
Aufgabe der Kommission, die vom früheren Bundesverfassungsrichter Udo Steiner geleitet wird und der neben Reiche auch die zweimalige Olympiasiegerin Heide Ecker-Rosendahl angehört, ist allerdings die Beurteilung solcher Erklärungen, nicht deren Vorbereitung. Fälle werden an die Kommission vom DOSB oder über die Fachverbände herangetragen. Heide Ecker-Rosendahl sagte nach dem Treffen, eine generelle Absprache über das Vorgehen in künftigen Fällen sei nicht vereinbart worden. „Wir werden die Gespräche mit den Trainern in angenehmer Atmosphäre führen, ich hielte auch nichts davon, eine generelle Vorgehensweise festzulegen.“
Reiche sagte, „persönlichen Kontakt mit den Trainern“ werde es auch in Zukunft geben. Die Kommission behält sich also vor, in weiteren Fällen ähnliche Beratungen wie mit Goldmann vorzunehmen. Unklar ist derzeit noch, ob Reiche bei dem Treffen der Kommission mit Goldmann vertreten wird, oder ob die Kommission dann nur aus Ecker-Rosendahl und Steiner besteht. Darüber entscheidet der DOSB.
Kritik von Doping-Opfern und aus der Politik
Nach Reiches Äußerungen zu Goldmanns Erklärung hatte unter anderem Bundestagsvizepräsident Wolfgang Thierse (SPD) die Glaubwürdigkeit der Entschuldigungen der Leichtathletik-Trainer in Frage gestellt. Gerd Jacobs, der Goldmann vorwirft, ihn in der DDR gedopt zu haben, bezeichnete Goldmanns Entschuldigung als „absolut nicht ausreichend“. Zuvor hatten DDR-Dopingopfer die Erklärung fünf weiterer belasteter Bundestrainer des DLV als pauschal kritisiert und abgelehnt (siehe: Kritik an Doping-Erklärung: Geschäft im Nebel). Die Kommission hatte deren Erklärung als ausreichend bewertet, Bedenken hinsichtlich einer Weiterbeschäftigung bestünden nun nicht mehr (siehe: Doping-Kommentar: Unpersönliches Papier).
Vor den Olympischen Spielen in Peking 2008 hatte Goldmann, Trainer von Diskuswerfer Robert Harting, eine Ehrenerklärung unterschrieben, nach der er in das DDR-Doping-System nicht involviert gewesen sei. Nach den Anschuldigungen Jacobs' gegen Goldmann hatte die Steiner-Kommission zunächst einer Reise des Trainers nach Peking zugestimmt, dann aber über die Anstellung Goldmanns beraten und die Trennung empfohlen. Der DLV hatte daraufhin das Arbeitsverhältnis mit Goldmann über den 31. Dezember 2008 nicht verlängert. Gegen die Nicht-Weiterbeschäftigung wehrt sich Goldmann bislang mit einer Klage vor dem Arbeitsgericht Darmstadt.