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Olympia-Aus für Russland : Wie wird Putin reagieren?

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Das waren noch Zeiten: IOC-Präsident Bach (links) mit Russlands Präsident Putin bei Olympia 2014 in Sotschi. Bild: dpa

Das IOC schließt Russland wegen des Doping-Skandals von Olympia aus. Wie reagiert Wladimir Putin auf die Entscheidung? Ein wichtiges Datum für die Russen wird der 12. Dezember.

          Nach den Strafen des Internationalen Olympischen Komitees im russischen Doping-Skandal wartet die internationale Sportwelt nun auf eine Reaktion der Moskauer Führung um Präsident Wladimir Putin. Er wird sich nach Angaben seines Sprechers Zeit nehmen für eine Antwort. „Die Lage ist ernst und erfordert eine fundierte Analyse“, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow am Mittwoch in Moskau. Dafür seien erst Fragen mit dem Internationalen Olympischen Komitee zu klären. Auch die russischen Sportler müssten sich erst eine Meinung bilden zu dem IOC-Beschluss. „Das wichtigste Thema ist jetzt, die Interessen unserer Sportler zu verteidigen“, sagte Peskow der Agentur Interfax zufolge. Weniger wichtig sei die Frage, ob die russischen Sportfunktionäre wegen Versagens bestraft werden müssten. Der russische Außenpolitiker Konstantin Kossatschow vom Föderationsrat hatte Strafen gefordert, weil die Funktionäre die Doping-Sanktionen des IOC nicht verhindert hätten.

          Der Präsident des Nationalen Olympischen Komitees Russlands (ROC), Alexander Schukow, hält die Existenz eines staatlichen Doping-Systems weiter für unbewiesen. Die Führung des IOC hatte Russland einstimmig als Mannschaft von den kommenden Olympischen Winterspielen ausgeschlossen. Nur einzelne unbelastete Sportler können zugelassen werden und müssen unter neutraler Flagge und ohne Hymne antreten. Das russische NOK ist erst einmal gesperrt. Putin hatte für den Fall eines Starts unter neutraler Flagge vor einigen Wochen von einer Demütigung gesprochen. Aus Moskau kamen Boykott-Drohungen. In den letzten Tagen waren moderatere Töne zu vernehmen. Der Kreml muss auch abwägen, was die IOC-Entscheidung für die Fußballweltmeisterschaft im nächsten Sommer in Russland bedeutet. Der ehemalige Sportminister und heutige Vize-Regierungschefs Witali Mutko, der lebenslang für Olympische Spiele gesperrt wurde, ist Organisationschef der WM.

          Die nationale Anti-Doping-Agentur der Vereinigten Staaten begrüßte das IOC-Urteil im russischen Doping-Skandal als einen „bedeutenden Sieg“. Das Internationale Olympische Komitee habe in seiner Entscheidung auf die gehört, die am wichtigsten sind, nämlich auf saubere Sportler, heißt es in einer am Dienstag (Ortszeit) veröffentlichten Mitteilung. „Die heutige Entscheidung bestätigt die Macht der sauberen Athleten und die Prinzipien des Fair Play“, sagte Usada-Vorsitzender Travis T. Tygart.

          In einer ersten Reaktion sieht die Fífa die WM-Vorbereitungen durch die IOC-Entscheidung gegen Mutko nicht beeinträchtigt. „Diese Entscheidung hat keinen Einfluss auf die Vorbereitungen für die Fifa Fußball-Weltmeisterschaft 2018“, hieß es in einem Statement des Fußball-Weltverbandes. Über mögliche Ermittlungen gegen Mutko durch die Fifa-Ethikkommission wurden keine Angaben gemacht. Schukow, der wegen seiner Verwicklung als NOK-Chef seine IOC-Mitgliedschaft verlor, beklagte, dass die Entscheidung des IOC auf schwachen Füßen stehe. Das IOC habe sich leider von den Aussagen des Kronzeugen Grigori Rodschenkow leiten lassen, sagte Schukow. „Wir reden heute über die Disqualifizierung eines ganzen Landes aufgrund der durch keinerlei Belege gestützten Aussagen eines Betrügers, der in ein fremdes Land geflohen ist.“

          Rodschenkow leitete früher das Moskauer Anti-Doping-Labor, war aber eine Schlüsselfigur in den Manipulationen, gerade bei den Winterspielen in Sotschi 2014. Er lebt inzwischen in den Vereinigten Staaten an einem anonymen Ort und steht unter dem Schutz des FBI. Das IOC stellte wie schon der kanadische Sonderermittler der Welt-Anti-Doping-Agentur Wada, Richard McLaren, fest: In Russland gab es ein mutmaßlich staatlich orchestrierte Dopingsystem vor und bei den Winterspielen in Sotschi 2014. Das IOC sperrte bislang 25 Sotschi-Teilnehmer lebenslang und strich Russland elf Medaillen, darunter vier goldene. Schukow, der in Lausanne versuchte, das IOC von einer milden Strafe zu überzeugen, kündigte an, dass bei einer Versammlung am 12. Dezember Athleten, Trainer und Verbandsvertreter klären sollen, ob sie bei den Spielen in Südkorea vom 9. bis 25. Februar unter diesen Bedingungen antreten wollen.

          Olympische Winterspiele : Russland ist raus

          Kein Russland, keine Spiele! Mit einem Hashtag haben viele Russen ihrem Ärger über den Ausschluss Luft gemacht. #NoRussiaNoGames war am Mittwoch bei russischen Twitternutzern der meistgenutzte Begriff, wie die staatliche Agentur Ria meldete. Sogar der eingebürgerte französische Schauspieler Gerard Depardieu ließ sich mit dem Slogan ablichten. Die ehemalige Stabhochspringerin Jelena Issinbajewa, sie halte die Regeln für annehmbar. „Wenn man als Sportler aus Russland antreten kann, wie das IOC vorschlägt, wenn bei der Siegerehrung gesagt wird, dass ich aus Russland bin, dann würde ich teilnehmen“, sagte sie dem Fernsehsender Rossija. Auch der Eishockey-Nationalstürmer Ilja Kowaltschuk sprach sich gegen einen Boykott aus: „Wir müssen unbedingt zu Olympia fahren!“

          IPC entscheidet am 22. Dezember über Russland-Bann bei Paralympics

          Das Internationale Paralympische Komitees (IPC) will am 22. Dezember eine Entscheidung zu einem möglichen Ausschluss Russlands bei den Paralympics 2018 in Pyeongchang treffen. Das IPC habe die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees im Zuge des russischen Dopingskandals zur Kenntnis genommen. „Mit Blick auf die paralympische Bewegung wird sich das IPC-Präsidium am 19. Dezember treffen und über die derzeitige Suspendierung des russischen paralympischen Komitees diskutieren“, teilte ein IPC-Sprecher auf Anfrage mit.

          Eine Entscheidung werde am 22. Dezember veröffentlicht. Im Gegensatz zum IOC hatte das IPC Russland wegen des mutmaßlich staatlich orchestrierten Dopingsystems bereits bei den Sommerspielen 2016 in Rio de Janeiro ausgeschlossen. Seitdem ist der russische Verband suspendiert. Die IPC-Entscheidung werde unabhängig von den Maßnahmen des IOC getroffen, stellte der Verband klar. Am Dienstag hatte das IOC beschlossen, dass unbelastete russische Athleten in Südkorea nur unter neutraler Flagge starten dürfen. (dpa)

          Quelle: tora./dpa

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