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Veröffentlicht: 15.03.2017, 15:51 Uhr

Anti-Doping-Kampf Wada und IOC kämpfen hinter Masken

Die Welt-Anti-Doping-Agentur plant Übergriffe auf dopende Olympiateams. IOC-Chef Thomas Bach kann das nicht zulassen. Der Schlagabtausch nun ist hässlich.

von , Lausanne
© dpa Verärgert wegen der Wada: IOC-Präsident Thomas Bach

Der Machtkampf findet leise statt, zäh, kleinteilig, gemessenen Tons, so wie die Chefs eben sind: der ehemalige Fechter Thomas Bach vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC), und der einstige Badmintonspieler Craig Reedie von der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada). Beide Juristen mit Doktortitel, zwei Maskierte, die eine direkte Konfrontationen meiden, der eine passionierter Netzwerker aus Tauberbischofsheim, der andere Schotte, von diplomatischer Höflichkeit. Beide zeichnet enormes Beharrungsvermögen aus, und beide sind in der Lage, die komplizierten Windungen der Verbandsverfassungen für ihre Ziele zu nutzen. Beide beherrschen auch die Kunst, harte Schläge mit scheinbarer Gelassenheit wegzustecken, sich aber später Genugtuung zu verschaffen.

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Die Tatsache, dass diese sportpolitischen Taktiker im lautlosen Clinch liegen, begleitete das Symposion der Wada am Montag in Lausanne wortlos, aber wie ein ständiges Beben. Der Grund: Die Wada, zuständig für die Koordinierung des weltweiten Anti-Doping-Kampfs, plant, innerhalb einer tiefgreifenden Revisionsphase ihre im Welt-Anti-Doping-Kodex niedergelegte Verfassung unter anderem an zwei brisanten Stellen zu ändern. Dies würde genügen, um zu erreichen, dass die Agentur künftig Strafen gegen Mitgliedsorganisationen verhängen kann, deren Verhalten sich im Widerspruch zum Wada-Kodex befindet.

Ein heikles Feld

„Wir sind nicht daran interessiert, Mitgliedsorganisationen zu bestrafen“, betonte in Lausanne zwar der Sportrechtler Jonathan Taylor, Chef des Wada-Komitees, das die Compliance-Struktur überarbeiten soll, „sondern ihnen zu helfen, den Kodex umzusetzen.“ Doch schon bei der Sitzung des Stiftungsrats im Mai könnte das Thema Sanktionen auf den Tisch kommen. Dieses 38 Mitglieder starke Gremium, je zur Hälfte besetzt von Repräsentanten des Sports und der Regierungen, kann Änderungen des Kodex mit Zweidrittelmehrheit beschließen.

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Ein heikles Feld, schließlich wird die Wada zur Hälfte von den Sportorganisationen, zur anderen Hälfte von den Regierungen dieser Welt getragen – 184 Länder sind dabei. Es wäre denkbar, dass die Wada in naher Zukunft nicht mehr nur Labore oder Nationale Anti-Doping-Agenturen suspendieren könnte, weil sie die Vorschriften nicht einhalten, sondern zum Beispiel auch Nationale Olympische Komitees, also ganze Olympiamannschaften, vom Sport ausschließen. Ein enormer Machtzuwachs für die Wada und eine Einmischung in Befugnisse des IOC, die sich Bach nicht gefallen lassen kann.

Hätte es im vergangenen Jahr eine solche Regelung schon gegeben, wäre die Frage, ob Russland trotz seines staatlichen Doping-Systems an den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro teilnehmen darf, womöglich anders beantwortet worden: Die Wada empfahl damals dem IOC, den Ausschluss Russlands zu „erwägen“. IOC-Präsident Bach, der Russland unter Auflagen zuließ, reagierte verärgert auf diese Empfehlung. Er war der Meinung, solch eine Stellungnahme stünde der Wada nicht zu.

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