In der Affäre um das Unternehmen Humanplasma ermittelt die Wiener Staatsanwaltschaft nun wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung. Das berichtet die österreichische Tageszeitung „Kurier“. Die Dienste der Wiener Blutbank sollen mindestens 50 Sportler in Anspruch genommen haben. Eine „Behandlung“ soll zwischen 2.000 und 2.500 Euro gekostet haben.
Bisher hat nur ein einziger Athlet gestanden, von Humanplasma betreut worden zu sein: der frühere Radprofi Bernhard Kohl, der seine Karriere nach mehreren Dopinggeständnissen beendet hat. Kohl war zuletzt für das Team Gerolsteiner gefahren. Der „Kurier“ schreibt auch, dass nach Informationen eines Insiders sich sogar 184 Aktive bei Humanplasma eingefunden hätten - die Firma wäre in diesem Fall, heißt es weiter, die „größte Blut-Dopingdrehscheibe Europas“ gewesen.
„Höcker ist ein Meister seines Fachs“
Der Transfusionsmediziner Paul Höcker soll einer der Verantwortlichen für die Vorgänge bei der Wiener Blutbank gewesen sein. Die Sonderkommission Doping in Wien will sich demnächst mit ihm befassen.
Der „Kurier“ zitiert einen medizinischen Leiter von Humanplasma mit den Worten: „Höcker ist ein Meister seines Fachs. Da waren die Athleten sicher bestens aufgehoben.“ In höchst eigenartiger Diktion erzählte der Mann, dessen Name nicht preisgegeben werden soll, auch: „Blut-Doping ist die gesündeste Art des Dopings.“
Laut „Kurier“ soll zuvor in Minsk in Weißrussland Blut-Doping in großem Stil betrieben worden sein, angeblich in Sanitätszelten. Wegen mangelhafter hygienischer Standards sei man jedoch davon wieder abgekommen. In Wien wurden die Kunden, meist sonntagvormittags, bei einem Fastfood-Restaurant abgeholt - und zur Blutbank gelotst.