http://www.faz.net/-gu9-92qyg

Doping-Skandal in Russland : Die Kritik am passiven IOC wird schärfer

  • Aktualisiert am

„Irgendwann kommt verspätete Gerechtigkeit verweigerter Gerechtigkeit gleich“: Scott Blackmun. Bild: AP

Vor 15 Monaten wurde durch den McLaren-Report das Staatsdoping in Russland aufgedeckt. Folgen hatte das kaum. Nun gibt es deutliche Worte für das Verhalten des IOC.

          Mit ungewöhnlicher Schärfe hat Scott Blackmun, der Generaldirektor des Olympischen Komitees der Vereinigten Staaten (Usoc) die Zögerlichkeit des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) im Umgang mit dem russischen Staatsdoping kritisiert. „Die Zeit zu handeln ist jetzt“, sagte er am Donnerstag in einer Rede vor 200 Repräsentanten des amerikanischen olympischen Sports in Colorado Springs. Es sei „mehr als frustrierend, dass der McLaren-Report vor 15 Monaten veröffentlicht wurde, und wir in eine neue Wintersaison aufbrechen, wo Olympia-Startplätze gewonnen und verfehlt werden, und nicht ein einziger Olympia-Anwärter aufgrund des McLaren-Reports für Pyeongchang disqualifiziert worden ist. So wenig wie eine einzige Medaille von Sotschi aberkannt wurde.“

          Das IOC hatte für die Sommerspiele 2016 in Rio trotz eines erwiesenen, staatlich orchestrierten Dopingsystems, eine russische Mannschaft mit Flagge und Hymne zugelassen. Es hat zwei eigene Kommissionen beauftragt, McLarens Befunde zu prüfen. Erste Ergebnisse werden erst zum Jahresende erwartet. Am 8. Februar 2018 werden die Winterspiele in Pyeongchang eröffnet.

          Der kanadische Jura-Professor Richard McLaren war im Auftrag der Welt-Anti-Doping-Agentur Angaben des ehemaligen Moskauer Laborchefs Gregorij Rodtschenkow nachgegangen und hatte Beweise für eine Doping-Verschwörung vorgelegt, an der das russische Sportministerium und der Geheimdienst FSB maßgeblich beteiligt waren. Während der Winterspiele in Sotschi 2014 waren Dopingproben russischer Athleten im dortigen Labor ausgetauscht worden.

          „Ich glaube, dass das IOC die Befunde im McLaren-Report ernsthaft und in gutem Glauben verfolgt“, sagte Blackmun bei der Usoc-Jahresversammlung, „und ich glaube dem IOC, wenn es sagt, es wird Konsequenzen für die Missetäter geben. Aber von einem gewissen Punkt an kommt verspätete Gerechtigkeit verweigerter Gerechtigkeit gleich, und wir nähern uns diesem Punkt rasch.“

          Auch Usoc-Präsident Larry Probst, selbst Mitglied, kritisierte die Handlungsweise des IOC. Sein Thema war der Umgang der Organisation mit der wachsenden Liste von Mitgliedern, die mit Vorwürfen des Stimmen-Handels konfrontiert sind. So wie jüngst der Chef von Rio 2016, Carlos Nuzman, der in Untersuchungshaft sitzt. Die Missetäter seien „zu lange toleriert worden“, sagte Probst. „Sicherlich erfordert eine globale Bewegung Diplomatie und faire Verfahren. Aber sie erfordert eine aggressive und zeitnahe Antwort auf inakzeptables Benehmen.“ Es sei Zeit für das IOC, zu zeigen, dass seine Null-Toleranz-Politik mehr als nur Rhetorik sei. Am 13. September waren dem amerikanischen Bewerber Los Angeles die Spiele 2028 zugesprochen worden. 2009 hatte Bewerber Chicago eine schwere Niederlage erlitten, die Spiele 2016 gingen damals an Rio, dessen Erfolg heute von Staatsanwälten in Rio und Frankreich massiv in Frage gestellt wird.

          Weitere Themen

          Özils Berater und die Imagekorrektur

          Erkut Sögüt : Özils Berater und die Imagekorrektur

          Erkut Sögüt ist der Berater von Mesut Özil und legt sich gern mit den Größen der Fußball-Branche an. Bei einem Vortrag wiegen seine Anschuldigungen schwer. Und er hat eine deutliche Botschaft.

          Topmeldungen

          Erkenntnisse aus den Umfragen : In Hessen wackelt die Wand

          Bis zur Wahl in Hessen dauert es noch einige Tage. Die Grünen müssen sich trotzdem schon wie im Märchen vorkommen. Und Ministerpräsident Bouffier erfährt eine bittere Pointe. Ein Kommentar.

          F.A.Z. EXKLUSIV : EU-Kommission weist Italiens Haushalt zurück

          Die Europäische Kommission hat der Regierung in Rom eine Frist bis Montag gesetzt, um den italienischen Haushaltsentwurf zu erläutern. Nur wenn die Italiener bis dahin einlenken, werde die Kommission den Haushalt nicht zurückweisen.
          Stadtvillen in Dresden

          Immer mehr Geld : So viele neue Millionäre gibt es in Deutschland

          Der Club der Reichen hierzulande wächst – und könnte in den nächsten Jahren noch deutlich größer werden. Denn besonders eine Sache erweist sich für die Deutschen derzeit als hochprofitabel.
          Bislang verfügen nur Apotheker über das Recht, Medikamente abgeben zu dürfen. Ärzte dürfen ihren Patienten nur in Ausnahmefällen Arzneimittel mitgeben.

          F.A.Z. exklusiv : Hausärzte stellen Monopol der Apotheker infrage

          Bislang dürfen nur Apotheker Medikamente an Patienten abgeben. Doch diese Regelung will der Deutsche Hausärzteverband nun kippen – ohne die Apotheken zu ersetzen, heißt es. Doch die dürften diesen Vorstoß als Angriff auffassen.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.