Bei der Tour herrscht weiter Aufruhr, wegen Fränk Schleck und des Dopingverdachts gegen den Radprofi vom Team RadioShack. Der Luxemburger hat nach seinem positiven Dopingtest die Öffnung der B-Probe beantragt. Das teilte er an diesem Mittwochmorgen mit. Schleck war während der aktuell laufenden Tour de France positiv auf eine Substanz zur Verschleierung von Dopingmitteln, ein sogenanntes Diuretikum, getestet und daraufhin am Dienstag von seinem Team aus dem Rennen genommen worden.
Wie der Internationale Radsportverband (UCI) mitteilte, wies eine Urinprobe von Fränk Schleck vom 14. Juli das Diuretikum Xipamid auf. Schleck sagte, er könne sich nicht erklären, wie es zu dem Befund kam. Sollte auch die B-Probe positiv ausfallen, will er Anzeige gegen Unbekannt wegen Vergiftung stellen
Diuretika werden im Radsport häufig dazu verwendet, Dopingmittel zu verschleiern. Nach den Anti-Doping-Regeln der UCI führt der Befund nicht automatisch zu einer Sanktion durch die Tour oder den Verband. Allerdings reagierte Schlecks Rennstall RadioShack prompt und nahm den letztjährigen Tour-Dritten aus dem Rennen, das in seiner entscheidenden Phase steht. Die erste schwere Pyrenäen-Etappe gewann am Mittwoch der Franzose Thomas Voeckler. An der Spitze der Gesamtwertung ergaben sich keine Veränderungen, es führt weiterhin der Brite Beradley Wiggins.
RadioShack gibt sich ahnungslos
Die UCI hatte das Team zuvor aufgefordert, „die nötigen Schritte zu ergreifen“, um die Tour „in Ruhe“ fortsetzen zu können, und damit sich der Fahrer auf seine juristische Verteidigung konzentrieren könne. Schleck, zuletzt auf Platz zwölf bei der Tour, hat nun vier Tage Zeit, die Öffnung der B-Probe zu beantragen. RadioShack gab sich in diesem brisanten Fall ahnungslos, die Equipe erklärte jedenfalls, dass man sich den positiven Test nicht erklären könne.
„Es ist kein Produkt, das in einem von der Mannschaft benutzten Medikament enthalten ist“, hieß es am Dienstagabend in einem Statement des Teams. Man wolle nun aber mit den Anti-Doping-Behörden zusammenarbeiten. Das positive Ergebnis bei Schleck lieferte das Labor Chatenay-Malabry am Stadtrand von Paris. Dort wurden 1999 auch die positiven und erst sechs Jahre später analysierten Epo-Proben von Tour-Rekordsieger Lance Armstrong untersucht.
Schleck sei am Dienstagabend gegen 18 Uhr von der positiven Probe unterrichtet worden und habe sich aus eigener Initiative zur Polizei in Pau begeben, meldete die Zeitung „Luxemburger Wort“ in ihrer Online-Ausgabe. Die französische Nachrichtenagentur AFP berichtete, die Einfahrt zum Teamhotel in Pau sei am frühen Abend von Gendarmen blockiert worden.
Ein großer Schatten auf dem Radsport
Die Affäre um Fränk Schleck wirft abermals einen großen Schatten auf den Radsport und auf die Tour de France - und sie verschärft die ohnehin sehr angespannte Situation bei RadioShack. Der Rennstall war ohne seinen belgischen Teammanager Johan Bruyneel zur Tour gereist, gegen den von den amerikanischen Dopingjägern wegen möglicher Verstrickungen in Manipulationen ermittelt wird. Bruyneel war einst der Mentor von Armstrong. RadioShack hatte bei dieser Tour auch auf Andy Schleck verzichten müssen, der in der Vorbereitung auf das härteste Radrennen der Welt einen Steißbeinbruch erlitten hatte. Vor einiger Zeit erst war der Bruder von Fränk Schleck nachträglich zum Sieger der Tour 2010 gekürt worden - als Nachfolger des Spaniers Alberto Contador, der des Dopings überführt und gesperrt wurde.
Außerdem gibt es inzwischen heftige Diskussionen um die Zukunft von RadioShack, dessen Teameigner Flavio Becca in finanziellen Schwierigkeiten sein soll. Wegen Unregelmäßigkeiten bei Gehaltszahlungen beschwerten sich mittlerweile die Schleck-Brüder sowie der Schweizer Fabian Cancellara bei der UCI. Der Däne Jakob Fuglsang, der nicht für die Tour nominiert wurde, hat sein Team sogar verklagt. „Die Sache ist bei Gericht“, sagte Carlo Rock, der Sprecher von Becca.
Der unzufriedene Cancellara hatte bei der 99. Tour, wo für RadioShack auch die Deutsche Andreas Klöden und Jens Voigt starten, nach seinem Erfolg im Prolog in Lüttich eine Woche lang das Gelbe Trikot getragen, ehe es ihm von Bradley Wiggins abgenommen wurde. Cancellara stieg kürzlich bei der Tour aus; seine Frau erwartet ihr zweites Kind.
Diuretika-Nachweise sind nicht selten
Diuretika-Nachweise sind im Radsport nicht selten. Im Vorjahr war beim Russen Alexander Kolobnew ebenfalls eine harntreibende Substanz entdeckt worden. Der Fahrer vom Team Katjuscha musste die Tour daraufhin wie nun Fränk Schleck verlassen. Der russische Radsportverband verurteilte ihn wegen seines Vergehens zu einer Geldstrafe von 1500 Euro. Die UCI legte Einspruch ein, scheiterte aber vor dem Internationalen Sportgerichtshof in Lausanne - Kolobnew ist jetzt wieder für Katjuscha im Einsatz. „Diuretika werden im Radsport dazu benutzt, andere Präparate aus dem Körper zu spülen“, sagte Helge Riepenhof, Teamarzt bei Omega Pharma-Quickstep, wo Zeitfahr-Weltmeister Tony Martin unter Vertrag steht. „Die Gabe ist ansonsten kontraproduktiv, weil Diuretika dem Körper Flüssigkeiten entziehen und damit Minerale.“ In anderen Sportarten, wie Boxen oder Bodybuilding, werden solche Mittel zur Gewichtsreduzierung herangezogen.
Am ersten Tour-Ruhetag war der Franzose Remy De Gregorio vom Team Cofidis verhaftet worden; ihm wird der Handel mit Dopingpräparaten vorgeworfen. Die Tour 2012, die am Sonntag zu Ende geht, wird wahrscheinlich noch lange nicht abgehandelt sein.
Strafen überdenken
Thomas Brentana (Grinsekatz)
- 18.07.2012, 16:19 Uhr
Unglaublich? Doping im Radsport? Das gab es noch nie!
Ralf Kleemann (aikon123)
- 18.07.2012, 15:24 Uhr
Dopingkontrollen auch anderswo
Matthias Stemme (Kockjey)
- 18.07.2012, 15:03 Uhr
Wer sucht, der findet
Karl Schmidt (Tiuz)
- 18.07.2012, 14:09 Uhr
Tour de France gehört abgschafft
Udo goldstein (goldi53)
- 18.07.2012, 12:18 Uhr