http://www.faz.net/-gu9-748hk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 08.11.2012, 19:35 Uhr

Streit um Dopingstudie Knebelvertrag für Forscher?

Der Streit um die Doping-Studie geht weiter. Bei einer Veranstaltung in Frankfurt/Oder spricht ein Wissenschaftler von einem Rechtsbruch. zudem wird die Publikation der Studie gefordert.

von , Frankfurt/Oder
© dpa Rechtsbruch: Johannes Weberling, Leiter der Arbeitsgruppe Aufarbeitung und Recht an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), sieht gravierende Verstöße

Im Streit um die Veröffentlichung einer Dopingstudie über Westdeutschland zwischen einer Forschergruppe und dem Auftraggeber, dem Bundesinstitut für Sportwissenschaften (BISp), droht eine juristische Auseinandersetzung. Die Projektgruppe um den Historiker Giselher Spitzer hatte sich zwei Jahre nach Beginn der Forschung, im Sommer 2011, einem Auftragsdatenverarbeitungs-Vertrag unterwerfen müssen.

Michael Reinsch Folgen:

Er sieht vor, dass der Auftraggeber schon während der Arbeit Zugriff auf die Ergebnisse hat und dass die kopierten Quellen zum Abschluss vernichtet werden müssen. Nach Ansicht von Johannes Weberling, Jurist und Historiker, beschränkt diese Vereinbarung das Grundrecht auf Freiheit der Forschung. Der Vertrag zwischen BISp und der Humboldt-Universität in Berlin sei von der Rechtsordnung nicht gedeckt, jedenfalls nicht gewollt: „Das Verbot der Zensur macht den Vertrag nichtig“, sagte Weberling am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Europauniversität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Seine Arbeitsgruppe „Probleme gesamtdeutscher Aufarbeitung“ war Gastgeber der Veranstaltung. Weberling hatte Spitzer und Kollegen nicht wegen des am Dienstag öffentlich vorgetragenen Streites eingeladen; in Berlin hatten BISp-Direktor Jürgen Fischer und der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper, auf einer Pressekonferenz das Scheitern des Projektes konstatiert.

Spitzer spricht von Knebvelvertrag

Vielmehr hätten er und seine Kollegen schon vor mehr als einem Jahr gezweifelt, sagte Weberling, „dass die Aufarbeitung von Doping in Westdeutschland, die augenscheinlich zu unerwünschten Ergebnissen führte, wirklich gewollt ist“. Er erwarte, dass das Bundesinstitut aufgrund der öffentlichen Diskussion eine Auflösung des Vertrages anbiete, fügte Weberling hinzu. Spitzer beklagt, dass er wegen eines solchen Knebelvertrages das Recht am Umgang mit seinem Wissen verliere und, wie in seinem Fall, erleben müsse, dass fünf brisante wissenschaftliche Arbeiten über den deutschen Sport, die er dem BISp in den vergangenen zwei Jahren geliefert habe, bis heute unveröffentlicht seien.

Bisher verhindert das BISp die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse mit Namen von Dopern und Mitwissern unter Hinweis auf das Datenschutzgesetz. Weberling vertritt die Überzeugung, dass Doping- wie Stasi-Täter sich auf den Schutz dieses Gesetzes nicht berufen können.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Entscheidung des IOC Russisches Olympia-Team darf mit Einschränkungen nach Rio

Der Chef duckt sich weg: Bei Olympia in Rio wird eine russische Mannschaft am Start sein. Staatliches System-Doping reicht nicht für einen kompletten Bann. IOC-Präsident Thomas Bach reicht das Problem an die Verbände weiter. Mehr Von Christoph Becker, Michael Reinsch und Evi Simeoni

24.07.2016, 19:14 Uhr | Sport
E-Mail Affäre Kerry spricht mit Lawrow über Hacking-Vorwürfe

Am Rande eines Außenministertreffens der südostasiatischen Staatengruppe Asean hat sich der amerikanische Außenminister John Kerry zur jüngsten Email-Affäre der Demokraten geäußert. Sicherheitsexperten und amerikanische Offizielle sehen eine Verwicklung Russlands in die Veröffentlichung von tausenden Mails. Mehr

26.07.2016, 16:02 Uhr | Politik
Fußball-Transferticker Einen ehemaligen Dortmunder zieht es nach Rom

Rekordtransfer beim HSV: Kostic wechselt zum HSV +++ Watzke will keine Spieler mehr kaufen +++ Darmstadt leiht Colak von Hoffenheim aus +++ Wolfsburg will Kostic nicht mehr +++ Alle Infos im Transferticker bei FAZ.NET. Mehr

26.07.2016, 15:10 Uhr | Sport
Staatliches Doping IOC schließt Russland nicht von Olympia aus

Die Leitung des Internationalen Olympischen Komitees um den deutschen Präsidenten Thomas Bach hat die russischen Athleten nicht grundsätzlich von den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro ausgeschlossen. Stattdessen sollen die Welt-Sportverbände entscheiden. Mehr

25.07.2016, 15:01 Uhr | Sport
Frankreich-Rundfahrt Greipel siegt zum Abschluss der Tour de Froome

Christopher Froome gewinnt souverän die Tour de France – deren letzte Etappe abermals ein Deutscher gewinnt. Der Brite nimmt sich diesmal sogar die Freiheit, das Unerwartete zu tun. Mehr Von Rainer Seele

24.07.2016, 19:49 Uhr | Sport

Spiele des Zynismus

Von Evi Simeoni

Der IOC-Präsident hat die Chance zu einem machtvollen Statement gegen Doping vertan. Die Entscheidung, Russland zu den Spielen zuzulassen, nimmt den Spielen den tieferen Sinn. Mehr 17 22