Home
http://www.faz.net/-gua-748hk
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Streit um Dopingstudie Knebelvertrag für Forscher?

Der Streit um die Doping-Studie geht weiter. Bei einer Veranstaltung in Frankfurt/Oder spricht ein Wissenschaftler von einem Rechtsbruch. zudem wird die Publikation der Studie gefordert.

© dpa Vergrößern Rechtsbruch: Johannes Weberling, Leiter der Arbeitsgruppe Aufarbeitung und Recht an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder), sieht gravierende Verstöße

Im Streit um die Veröffentlichung einer Dopingstudie über Westdeutschland zwischen einer Forschergruppe und dem Auftraggeber, dem Bundesinstitut für Sportwissenschaften (BISp), droht eine juristische Auseinandersetzung. Die Projektgruppe um den Historiker Giselher Spitzer hatte sich zwei Jahre nach Beginn der Forschung, im Sommer 2011, einem Auftragsdatenverarbeitungs-Vertrag unterwerfen müssen.

Michael Reinsch Folgen:  

Er sieht vor, dass der Auftraggeber schon während der Arbeit Zugriff auf die Ergebnisse hat und dass die kopierten Quellen zum Abschluss vernichtet werden müssen. Nach Ansicht von Johannes Weberling, Jurist und Historiker, beschränkt diese Vereinbarung das Grundrecht auf Freiheit der Forschung. Der Vertrag zwischen BISp und der Humboldt-Universität in Berlin sei von der Rechtsordnung nicht gedeckt, jedenfalls nicht gewollt: „Das Verbot der Zensur macht den Vertrag nichtig“, sagte Weberling am Donnerstag bei einer Veranstaltung der Europauniversität Viadrina in Frankfurt an der Oder. Seine Arbeitsgruppe „Probleme gesamtdeutscher Aufarbeitung“ war Gastgeber der Veranstaltung. Weberling hatte Spitzer und Kollegen nicht wegen des am Dienstag öffentlich vorgetragenen Streites eingeladen; in Berlin hatten BISp-Direktor Jürgen Fischer und der Generaldirektor des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Vesper, auf einer Pressekonferenz das Scheitern des Projektes konstatiert.

Spitzer spricht von Knebvelvertrag

Vielmehr hätten er und seine Kollegen schon vor mehr als einem Jahr gezweifelt, sagte Weberling, „dass die Aufarbeitung von Doping in Westdeutschland, die augenscheinlich zu unerwünschten Ergebnissen führte, wirklich gewollt ist“. Er erwarte, dass das Bundesinstitut aufgrund der öffentlichen Diskussion eine Auflösung des Vertrages anbiete, fügte Weberling hinzu. Spitzer beklagt, dass er wegen eines solchen Knebelvertrages das Recht am Umgang mit seinem Wissen verliere und, wie in seinem Fall, erleben müsse, dass fünf brisante wissenschaftliche Arbeiten über den deutschen Sport, die er dem BISp in den vergangenen zwei Jahren geliefert habe, bis heute unveröffentlicht seien.

Bisher verhindert das BISp die Veröffentlichung der Forschungsergebnisse mit Namen von Dopern und Mitwissern unter Hinweis auf das Datenschutzgesetz. Weberling vertritt die Überzeugung, dass Doping- wie Stasi-Täter sich auf den Schutz dieses Gesetzes nicht berufen können.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Translationale Medizin Schneller und billiger zu neuen Arzneien

In Frankfurt hat das Loewe-Zentrum für Translationale Medizin seine Arbeit aufgenommen. Seine Forschungen sollen Patienten Leid und Pharmakonzernen Milliardenkosten ersparen. Mehr Von Sascha Zoske

14.01.2015, 11:41 Uhr | Rhein-Main
Verletzter Forscher sitzt in Höhle fest

In den österreichischen Alpen ist bei Salzburg ein Mitglied einer Forschergruppe in 200 Meter Tiefe abgestürzt und muss nun gerettet werden. Ein Arzt war bereits bei ihm. Dutzende von Rettungskräften sind aus den umliegenden Gebieten zu Hilfe geeilt. Mehr

15.08.2014, 10:40 Uhr | Gesellschaft
Young Leaders’ Conference Deutsche Sicherheitspolitik im Kreuzverhör

Wie verteidigungsfähig ist die EU, wie tief der Graben zu Russland? Welche Rolle soll Deutschland international einnehmen? Studierende fordern das sicherheitspolitische Establishment der Republik heraus. In Berlin. Und auf FAZ.NET. Mehr

22.01.2015, 16:59 Uhr | Politik
Mit einem Mausklick zum Rom-Pilger

Die Forschungsarbeit der Berliner Humboldt-Universität ermöglicht einen neuen Blick: Sie verbildlichen die mehr als tausendjährige Geschichte des römischen Forums als Architektursimulation. Mehr

17.09.2014, 16:42 Uhr | Feuilleton
Anti-Islam-Bewegung Pegida Forscher zweifeln an Teilnehmerzahlen der Demos

Noch ein Forscherteam hat versucht, den typischen Pegida-Demonstranten zu finden - ohne Erfolg. Die meisten Protestler ließen die Wissenschaftler abblitzen. Immerhin zählen konnten sie die Teilnehmer. Und waren überrascht. Mehr

19.01.2015, 13:55 Uhr | Politik
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 08.11.2012, 19:35 Uhr

Wegweisende Slalomshow

Von Peter Penders

Kitzbühel war am Wochenende: Der Saisonhöhepunkt ist indes mittlerweile Schladming. Der Nacht-Slalom war mal wieder das größte Spektakel des Skijahres. Mehr 1

Ergebnisse, Tabellen und Statistik