Nicht nur die Doper, auch die Doping-Bekämpfer werden immer kreativer. So hat das Internationale Olympische Komitee (IOC) eine neue Regel des Internationalen Radsportverbandes (UCI) übernommen, die nicht nur auf unorthodoxe Weise die Verabreichung von Doping-Mitteln bekämpft, sondern auch das öffentliche Bild verbessert und gegen die Doping-Mentalität im Sport angeht. Die „No-Needles-Policy“ verbietet sämtliche Injektionsnadeln und Infusionsbestecke außerhalb der medizinischen Behandlungsräume, etwa an Wettkampf- und Trainingsstätten oder im Olympischen Dorf.
Die UCI hat das Verbot bereits im Mai beim Giro d'Italia in Kraft gesetzt, für das IOC gilt es von den Olympischen Spielen 2012 in London an. Auch die Weltverbände im Rudern und Turnen haben bereits ein ähnliches Verbot in ihrem Regelwerk verankert. Stichproben, ob sich die Athleten auch wirklich an die Regel halten, werden für die Verbände allerdings schwierig. „Wir wollen nicht Polizei spielen“, erklärte Arne Ljungqvist, der Chef der Medizinischen Kommission im IOC, während der 123. Session in Durban, „aber solche Dinge könnten uns berichtet werden, und wir müssen sehen, wie wir damit umgehen.“
Auffallend viele Spritzen im Abfall der Unterkünfte
Noch habe das IOC nicht über einen Strafenkatalog entschieden. „Möglich ist zum Beispiel der Entzug der Akkreditierung“, sagte Ljungqvist - also der Ausschluss von den Spielen. Weitere Strafen könnten die internationalen Verbände beschließen. In der Vergangenheit hatte das Reinigungspersonal bei Olympischen Spielen und anderen Titelkämpfen auffallend viele Spritzen und anderes Behandlungsmaterial im Abfall der Unterkünfte und in Umkleidekabinen gefunden. „Das gibt ein schlechtes Bild ab und kann im Zusammenhang mit Medikamentenmissbrauch und Doping stehen“, sagte Ljungqvist. Außerdem sei es gefährlich für das Reinigungspersonal.
Ausnahmen seien möglich, wenn eine Injektion angemeldet würde. „Das hat keinen Einfluss auf die medizinische Behandlung. Wir wollen es nur wissen.“ Grundsätzlich vertraue er den Mannschaftsärzten. „Sie werden die Regel begrüßen. Das ist eine gute Nachricht für die Sportgemeinschaft.“ UCI-Präsident Pat McQuaid bestätigte die Einschätzung von Ljungqvist. „Es gibt den Ärzten die Rolle zurück, die sie eigentlich wollen: für die Gesundheit der Athleten zu sorgen und nicht ihre Erholung zu beschleunigen.“ Sie könnten nun gegenüber den Teamchefs, die von ihnen Infusionen für die Rennfahrer forderten, mit dem Regelwerk argumentieren. Natürlich sei es schwierig, die Einhaltung zu überprüfen, schließlich könne der Verband keine Hotelzimmer durchsuchen. Anlässlich von Polizeirazzien sind aber schon früher Spritzen gefunden worden. „Wenn das jetzt passiert, wird das ganze Team disqualifiziert“, sagte der Radsportpräsident. Einem erwischten Fahrer drohen sechs Monate Sperre und eine Geldstrafe in Höhe von 116.000 Dollar.
Erweiterung der Doping-Kontrollen in London angekündigt
„Dies ist ein weiteres Element in unserem Waffenarsenal“, sagte McQuaid. „Es ändert eine ganze Kultur.“ Es gebe Anhaltspunkte dafür, dass schon die erste Spritze für einen Sportler eine Barriere durchbreche, die ihn vorher vom Doping abgehalten habe. „Es ist ein guter Schritt, der an die Verantwortung der Mediziner und Mannschaftsleiter appellieren soll“, sagte IOC-Vizepräsident Thomas Bach. „Injektionsmaterial gehört in einen entsprechenden Giftschrank, der abgeschlossen wird und zu dem nur der Arzt Zugang hat.“
Der spektakulärste Fund von medizinischem Material war der italienischen Polizei während der Olympischen Winterspiele 2006 in Turin gelungen. Damals hatten Carabinieri eine Razzia im österreichischen Mannschaftsquartier vorgenommen, was zu einer Sperre von fünf Athleten führte. Neben dem Verbot von Injektionsnadeln kündigte das IOC eine Erweiterung der Doping-Kontrollen in London an. Dort sollen 5000 Tests vorgenommen werden, innerhalb und außerhalb der Wettkämpfe, es werden Blut und Urin untersucht.
Waffenarsenal?
Kabayashi Tsukamoto (Kabayashi)
- 11.07.2011, 16:58 Uhr
Geht moderner Leistungssport ohne Doping?
Karsten Bender (Kasmo)
- 11.07.2011, 17:28 Uhr