31.07.2007 · Patrik Sinkewitz hat Doping gestanden. Er habe ein Testosteron-Gel verwendet, sagte der von seinem Rennstall T-Mobile entlassene Profi. Im Gegensatz zu Jörg Jaksche legte der 26-jährige aber keine umfassende Beichte ab, sondern äußerte sich lediglich zum aktuellen Fall.
Von Rainer SeeleVon A nach B ist Patrik Sinkewitz doch nicht gekommen - weil klar war, dass er niemandem mehr ein X für ein U würde vormachen können. So wählte Sinkewitz jetzt, nach einer gewissen Zeit des Schweigens, den Weg der Offenbarung: Er legte ein Dopingbekenntnis ab, und er ist deswegen von seinem Rennstall T-Mobile, der ihn bereits suspendiert hatte, entlassen worden.
Der 26 Jahre alte Radprofi muss mit einer zweijährigen Zwangspause rechnen, und er wird wohl - als weitere Buße - ein Jahresgehalt zahlen müssen. Dazu kündigte ein Mineralwasser-Produzent den Kontrakt mit Sinkewitz mit sofortiger Wirkung; das Unternehmen prüft, ob es Schadenersatzforderungen geltend machen kann.
T-Mobile trennt sich sofort
Sinkewitz war am 8. Juni von den Dopingfahndern der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) ertappt worden. Fünf Profis von T-Mobile bereiteten sich damals in den Pyrenäen auf die Tour de France vor. Die Nada-Mitarbeiter stellten fest, dass bei Sinkewitz deutlich zuviel Testosteron im Spiel war. Der Testosteron-Epitestosteron-Wert soll bei 24:1 gelegen haben. Das Ergebnis der A-Probe wurde während der Tour bekannt. Zu diesem Zeitpunkt war Sinkewitz aber schon nicht mehr im Rennen: Nach einem schweren Sturz wurde der Hesse in die Berufsgenossenschaftliche Unfallklinik in Hamburg gebracht. Er wurde dort wegen seiner Gesichtsverletzungen operiert.
Am Dienstag Morgen hatte sein Anwalt Michael Lehner den Bund Deutscher Radfahrer (BDR) wissen lassen, dass sein Mandant auf eine Gegenanalyse verzichtet. Damit lag offiziell ein Dopingfall vor - mit der Folge, dass T-Mobile sich sofort von Sinkewitz trennte. Christian Frommert, bei den Bonnern für die Kommunikation zuständig, sagte, sehr erleichtert über das Vorgehen von Sinkewitz zu sein. Ein langes Leugnen, sagte Frommert, wäre quälend gewesen und „teilweise peinlich“.
Kein Hinweis auf Vergangenheit
Er wolle nicht taktieren, sondern zur Wahrheit zurückfinden, ließ Sinkewitz am Dienstag Nachmittag über Lehner mitteilen. „Ich will für mein Fehlverhalten einstehen und die sich für mich daraus ergebenden Folgen tragen.“ Sinkewitz schilderte auch, wie er den Missbrauch beging - ohne dabei jedoch auf mögliche Hintermänner oder auch auf seine Vergangenheit als Radrennfahrer einzugehen. „Ich hatte mir Testogel besorgt, das von der Firma Jenapharm als Mittel zum Ausgleich von Testosterondefiziten angeboten wird. Es soll gerade bei harten Trainingseinheiten einer besseren Erholung dienen.“
Ohne nachzudenken oder „schlichtweg in großer Dummheit“ habe er sich in Frankreich - am Abend vor der Dopingkontrolle - heimlich Testogel auf den Oberarm aufgetragen. „Dies tat ich instinktiv und ohne an die möglichen Folgen zu denken. Es war ein großer Fehler und dem gesamten Radsport gegenüber verantwortungslos.“ Er hätte, behauptete Sinkewitz, seine Leistung auch ohne diese Substanz schaffen können. Er bedauere sein Verhalten zutiefst. „Mein Eingeständnis soll mein erster Schritt zur Wiedergutmachung sein.“
Von großer Reue beseelt?
Sinkewitz, der 2004 die Deutschland-Rundfahrt gewonnen hatte, will sich nun auch gegenüber der Expertenkommission erklären, die der BDR für die Aufarbeitung von Dopingangelegenheiten eingesetzt hat. Allerdings ist nicht explizit davon die Rede, dass er sich als Kronzeuge zur Verfügung stellen wolle. Er müsse alles auf den Tisch legen, sagte T-Mobile-Sportdirektor Rolf Aldag, „was dazu beiträgt, Licht ins Dunkel zu bringen“. Allerdings hat dieses Gremium nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Zeitung bisher noch keine Ergebnisse erzielen können.
T-Mobile hatte, wie Aldag erzählt, auch mit Sinkewitz „sehr intensiv“ über das neue Anti-Doping-Programm des Teams gesprochen. „Wir haben gehofft, dass es die Fahrer verstehen.“ Bei Sinkewitz, gegen den die Bonner Staatsanwaltschaft bereits Mitte Juni nach einer anonymen Anzeige ein Ermittlungsverfahren eingeleitet hat, war dies aber offenbar nicht so. „Wer betrügt, wird erwischt. Das muss in die Köpfe rein“, sagte Aldag am Dienstag. Wegen der Affäre um Sinkewitz überdenkt T-Mobile sein bis 2010 laufendes Engagement im Profiradsport; die Entscheidung, wie es fortgesetzt wird, soll in der nächsten Woche fallen.
Frommert betrachtet die Causa Sinkewitz jedoch eher als ein Zeichen des Aufbruchs denn des Zusammenbruchs. Schließlich bestätige sie, sagte er, den neuen Anti-Doping-Kurs von T-Mobile. Die Bonner unterstützen die Nada im Kampf gegen Doping finanziell. Bis Ende des Jahres wird die Nada 500.000 Euro von T-Mobile erhalten haben; 50.000 Euro davon werden für Tests bei T-Mobile verwendet. Sinkewitz tat nun so, als wäre er von großer Reue beseelt. „Ich möchte alles dafür tun, damit sich tatsächlich ein neuer Radsport ohne Doping verwirklichen kann.“ T-Mobile solle sich auf dem von ihm eingeschlagenen Weg nicht entmutigen lassen. „Ich bin bereit“, sagte Sinkewitz auch, „nach meiner Sperre in einem neuen Radsport mitzumachen.“ Er hat sich sehr viel vorgenommen.
Das kann doch nicht sein ...
Markus Wigbels (wiggy2k)
- 31.07.2007, 13:42 Uhr
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Klaus Hill (morchel)
- 31.07.2007, 16:55 Uhr
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Martin Gutensohn (Gurnemanz)
- 31.07.2007, 19:44 Uhr
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Stephan Rothe (splash.zivi)
- 31.07.2007, 23:44 Uhr
Der richtige Weg!
Michael Fichtner (ebaristo)
- 01.08.2007, 09:15 Uhr