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Witalij Mutko : Putins Mann für den Sport – einst unangreifbar, jetzt schwer belastet

Lebenslang für Olympia gesperrt: Witalij Mutko. Bild: dpa

Enthüllungen schadeten seiner Karriere nicht. Nun steht Witalij Mutko aber im Fokus der Doping-Vorwürfe gegen Russland. Das IOC sperrt ihn lebenslang für Olympia. Jetzt stellt sich eine wichtige Frage.

          Witalij Mutko hat beste Voraussetzungen für hohe Posten im Russland Wladimir Putins: Er kennt den Präsidenten und ist Gegenstand von Vorwürfen aus dem Westen. Als solche gelten die Berichte über Moskaus Staatsdopingsystem, auch wenn sie auf internationale Untersuchungen folgen und sich auf russische Kronzeugen berufen. Die Führung sieht Letztere als „Überläufer“, die Russland schaden wollten. Man schätzt Sport für Prestigegewinne, gibt es aber schlechte Nachrichten, werden sie mit Standardvorwürfen beantwortet, um das Bild Russlands als „belagerter Festung“ zu bedienen.

          Friedrich Schmidt

          Politischer Korrespondent für Russland und die GUS in Moskau.

          Mutko etwa bezeichnete jüngst den in die Vereinigten Staaten geflohenen früheren Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors, der ihn persönlich schwer belastet, als „Instrument, das geschickt gegen Russland eingesetzt wird“. So verteidigt Mutko sein Land und sich. Denn als Sportminister war er ab 2008 für Erfolge zuständig; als Russland 2010 bei den Olympischen Winterspielen von Vancouver zu wenige Medaillen gewann, geriet er in Bedrängnis. Vier Jahre später vor heimischer Kulisse in Sotschi lief es viel besser: erster Rang im Medaillenspiegel vor Norwegen und Kanada.

          Daraus ist mittlerweile aufgrund dopingbedingter Aberkennungen Rang drei geworden. Mutkos Glaubwürdigkeit ist dahin. Er zog die Praxis der Doping-Nachkontrollen, die Russland zum Verhängnis wird, in Zweifel. Mutkos Karriere haben die Enthüllungen zunächst nicht geschadet: Im Herbst 2016 wurde er zum stellvertretenden Ministerpräsidenten befördert und bleibt Putins Mann für den Sport: Loyalität in der Wagenburg. Doch das IOC-Urteil vom Dienstag trifft ihn: Mutko wurde lebenslang von Olympischen Spielen ausgeschlossen.

          Den Präsidenten kennt er schon lange. Im früheren Leningrad, Putins Heimat, wurde der 1958 in Südwestrussland geborene Mutko zum Schiffsmechaniker ausgebildet. Während sich Putin Anfang der neunziger Jahre als stellvertretender Bürgermeister der Stadt, die nun wieder Sankt Petersburg hieß, um internationale Beziehungen kümmerte, wirkte Mutko auf ebensolchem Posten für Soziales. Sein besonderes Wohlwollen galt dem Fußballklub Zenit Sankt Petersburg, dessen Präsident er 1997 wurde und bis 2003 blieb. Er zog dann ins Oberhaus ein, wurde 2005 Präsident des russischen Fußballverbands und blieb es bis 2009, als sich Putins Statthalter im Präsidentenamt, Dmitrij Medwedjew, an der Ämterfülle störte. 2015 bekam Mutko auch diesen Posten zurück. Seit 2009 gehörte er der Fifa-Führung an. Im vergangenen Frühjahr fiel dem zuständigen Gremium des Fußballverbands auf, dass Mutko aufgrund seiner politischen Position kein tauglicher Kandidat für den Fifa-Rat sei, und verwehrte ihm den Wiedereinzug.

          Doping-Vorwürfe richten sich mittlerweile auch gegen Russlands Fußball-Nationalmannschaft und stören die Vorfreude auf die WM 2018 im eigenen Land. Da ist es aus Moskauer Sicht gut, dass sich Mutko bestens mit Gianni Infantino versteht. Kurz nach dessen Wahl zum Fifa-Generalsekretär im April 2016 hatte ihn Mutko im Privatflugzeug von Genf nach Moskau mitgenommen. Dort verkündete Infantino, die WM 2018 werde ein „phantastischer Erfolg“. Welche Folgen die Entscheidung des IOC für Mutkos Rolle bei der Fußball-WM hat, ist noch unklar.

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