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Veröffentlicht: 13.03.2017, 16:19 Uhr

Wada-Symposium Russland bestreitet staatliches Doping-System

Im Dezember sprach IOC-Präsident Bach von „Beweisen“ – nun stellt Russlands neuer Sportminister den McLaren-Report in Frage. Beim Wada-Symposium in Lausanne kommt das gar nicht gut an.

© dpa Russlands neuer Sportminister Pawel Kolobkow am Montag in Lausanne

Der neue Sportminister Russlands, Pawel Kolobkow, hat die Ergebnisse des zweiten McLaren-Reports zur Aufarbeitung von Doping in Russland in Frage gestellt: „Die russische Regierung erkennt nicht, dass es ein institutionelles Doping-System und eine Doping-Verschwörung geben hat“, sagte Kolobkow während eines Symposions der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) am Montag in Lausanne. Das Niveau der Beweise von McLaren sei nicht ausreichend, um etwaige Doping-Verfehlungen einzelner Sportler zu ahnden. „Wir bereiten gerade eine offizielle Überprüfung des McLaren-Reports vor“, fügte der Minister hinzu.

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Der kanadische Richter Richard McLaren hatte im vergangenen Jahr in zwei Berichten ein systematisches Doping in Russland unter Beteiligung des Staats festgestellt. Hintergrund waren unter anderem die Enthüllungen in der russischen Leichtathletik mit Video-Aufnahmen von der Doping-Mittelvergabe durch Trainer und Mediziner an Athleten sowie das detaillierte Geständnis des ehemaligen Leiters des Moskauer-Anti-Doping-Labors, Grigori Rodschenkow.

Kolobkow, einst Fecht-Weltmeister, forderte, dass Rodschenkow, „der das Doping orchestriert“ habe, nicht Teil der Untersuchung sein könne: „Er ist ein korruptes Individuum, das Geld für die Vertuschung von positiven Proben bekommen hat.“ Rodschenkow hat en detail geschildert, wie Sport und Geheimdienst während der Winterspiele in Sotschi die Doping-Proben unter anderem von Goldmedaillen-Gewinnern manipuliert haben sollen. Thomas Bach, Präsident des Internationalen Olympischen Komitees, sprach nach Lektüre des zweiten McLaren-Berichts gegenüber der F.A.Z. im Dezember von „Beweisen“.

Experten weisen Kritik zurück

Kolobkows Äußerungen vor rund 700 Anti-Doping-Experten in Lausanne stießen offenbar auf Unverständnis: „Das war sehr enttäuschend“, sagte Andrea Gotzmann, Vorstandsvorsitzende der Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada). „Die Infragestellung des McLaren-Reports und der Whistleblower kam nicht gut an.“ Wie die Chefin der deutschen Nationalen Anti-Doping-Agentur (Nada) hatte auch ihr amerikanischer Kollege, Travis Tygart, mehr Einsicht erwartet. „Viele haben eine Entschuldigung adressiert an die sauberen Athleten erwartet“, sagte Tygart. McLaren selbst bezeichnete die Kritik an seinem Report am Montag als „pingelig“. Kolobkow kündigte eine Reform an: „Wir wollen ein System schaffen, das Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln verhindert.“

Vorläufig ist die russische Anti-Doping-Agentur suspendiert. Kontrollen werden seit 2016 von der britische Einrichtung übernommen. Allerdings konnten im vergangenen Jahr von 4644 Kontrollen in 32 Sportarten 2344, nicht vorgenommen werden, also mehr als die Hälfte. Zum Vergleich: In Deutschland wurden 2015 nach Angaben der Nada 14.746 Kontrollen in Wettkampf (4476) und Training (7785) umgesetzt.

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Von Evi Simeoni

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