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Cyberattacke auf die Wada : Russland hackt zurück

Christoph Harting: Der Diskuswerfer hat für die Mittel, die er bekam, eine legale Ausnahmegenehmigung. Bild: dpa

Die Doping-Kontrolleure der Wada müssen es nicht nur mit den Geheimdiensten auf sich nehmen. Die russischen Hacker dürften das Gefühl der Machtlosigkeit verstärken.

          Alles sei entspannt, behauptet Robert Harting. Und das, obwohl aus seinem Account bei der Welt-Anti-Doping-Agentur (Wada) gestohlene Daten veröffentlicht wurden. Der Diskuswerfer hat eine lange, gut dokumentierte Krankengeschichte, für die Mittel, die er bekam, hatte er eine legale Ausnahmegenehmigung.

          Er dreht die Stoßrichtung der Website fancy bear um, die es auf Zweifel anlegt: auf den Verdacht, dass reihenweise Athleten dopten und dabei von Verbänden und der Wada, die ihnen die Einnahme von eigentlich verbotenen Substanzen genehmigte, komplizenhaft unterstützt würden – man erinnert sich an reihenweise Radprofis, die unter Asthma litten und entsprechende Medikation brauchten während der Tour de France. Dies deckt sich mit der russischen Verteidigung seit Beginn des Skandals: Alle Welt dope, warum nur hacke man auf den russischen Sportlern herum?

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          Nun wird zurückgehackt. Nicht wenige Sportlerinnen und Sportler sind in der Verlegenheit, die Einnahme von Medikamenten zu erklären. Bisher gibt es keinen Grund anzunehmen, dass deren zeitweise Ausnahmegenehmigungen (TUE) in Wirklichkeit Manipulationen deckten. Vielmehr geht es um Macht, Deutungshoheit und das Unterminieren von Vertrauen. Seit belegt ist, dass russische Agenten und Wissenschaftler gemeinsam belastete Doping-Proben russischer Teilnehmer der Olympischen Winterspiele von Sotschi ausgetauscht haben, wissen die Doping-Kontrolleure, dass sie es auch mit Geheimdiensten aufnehmen müssen. Dabei stehen sie auf verlorenem Posten. Das verstand die Wada spätestens, als sie den Ausschluss der russischen Olympiamannschaft von Rio 2016 forderte - und am Internationalen Olympischen Komitee (IOC) scheiterte.

          Die russischen Hacker dürften das Gefühl der Machtlosigkeit verstärken. Einiges spricht für die Vermutung von Wada-Generalsekretär Olivier Niggli, dass ihr Angriff Vergeltung ist für die Haltung der Wada in der sportpolitischen Auseinandersetzung, in der Russland immerhin seine Auswahl der Gewichtheber und die der Leichtathleten für Rio verlor. Die bei dieser Attacke eingesetzte Malware APT28 nutzen russische Kriminelle zur Demonstration technologischer Überlegenheit in Cyberspace. Das ist wie eine Kriegserklärung.

          Auch die Schmutzkampagne ist nicht zu unterschätzen. Athleten werden durch die Veröffentlichung positiver Testergebnisse diskreditiert, obwohl diese nur belegen, dass sie die genehmigten Medikamente auch tatsächlich nahmen. Vor allem aber wird die Institution geschädigt. Dies ist umso schlimmer, als die Wada - auch durch die von ihr selbst initiierten und finanzierten Ermittlungen - massiv an Vertrauen verloren hat. Bevor sie sich in der Russland-Frage gegen das IOC stellte, warfen Athleten ihr aus gutem Grund Zahnlosigkeit und Untätigkeit vor und entzogen ihr das Vertrauen. Nun, da von Russland erwartet wird, endlich sein Doping-Problem einzugestehen, zu lösen und in den internationalen Sportbetrieb zurückzukehren, geht das Land auf die Wada los. Sie ist ein sehr verletzliches Ziel.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

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          Quelle: F.A.Z.

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