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Donnerstag, 20. Juni 2013
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Reaktionen „Der richtige Zeitpunkt, um zu sagen: Jetzt reicht's“

 ·  Vorerst keine Berichte von der Tour de France: Vertreter der Bundestagsparteien loben den Boykott von ARD und ZDF. Unterdessen kritisierte Patrice Clerc, Präsident der Tour-Organisation, die Entscheidung.

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Der Präsident der Tour-Organisation ASO, Patrice Clerc, hat die Entscheidung von ARD und ZDF zum Fernseh-Boykott der Frankreich-Rundfahrt kritisiert. „Damit wird die Tour bestraft, aber wir sind die Falschen“, sagte Clerc am Mittwoch nach der zehnten Etappe in Marseille. Leidtragende seien die Zuschauer sowie jene Fahrer und Teams, die unbelastet seien.

Die Medien hätten die Aufgabe, zu berichten und den Kampf gegen Doping zu begleiten. Daher sei die Entscheidung, die Live-Berichterstattung nach Bekanntwerden des Dopinfalls von Patrik Sinkewitz auszusetzen, „paradox“, sagte der Präsident der Organisation (Siehe auch: ARD und ZDF steigen aus: Die Tour im Fernsehen steht still). Nach ARD-Informationen sollen weitere positive Doping-Fälle vor der Veröffentlichung stehen.

Hoffnung auf Neuanfang

Unterdessen loben die Vertreter der Bundestagsparteien den sofortigen Ausstieg von ARD und ZDF. „Es musste endlich ein Signal gesetzt werden. Ich habe das ja schon lange gefordert. Bei so einem prominenten deutschen Radprofi konnte man auch nicht mehr sagen, das war nur ein Missgeschick“, sagte der Sportausschuss-Vorsitzende Peter Danckert (SPD). „Ich finde die Entscheidung richtig. Sie ist konsequent, denn es war ja nur eine Berichterstattung auf Probe“, erklärte Dagmar Freitag, sportpolitische Sprecherin der SPD-Fraktion.

Sollte die B-Probe das Ergebnis der A-Probe von Sinkewitz bestätigen, erwarte sie, dass die Sender dauerhaft abschalteten. „Es ist der richtige Zeitpunkt zu sagen: jetzt reicht's“, so Klaus Riegert von der CDU. Auch bei der Opposition fand der Beschluss Unterstützung: „Nur durch die Nicht-Übertragung wird der Radsport aufgeweckt, weil jetzt sicher Sponsorengelder ausbleiben. Und die ökonomische Sprache ist die einzige, die die Sportart versteht. Ich hoffe, jetzt gibt es endlich einen Neuanfang mit einem sauberen Radsports“, sagte Grünen-Sportsprecher Winfried Herrmann und forderte die Telekom als Sponsor auf, ihr Engagement ebenfalls zu beenden.

Trotz des jüngsten Dopingfalls will Stuttgart an der Austragung der Straßenrad-Weltmeisterschaft im September festhalten. Dies sagte ein Sprecher am Mittwoch. Man arbeite weiter an einer Vereinbarung für schärfere Dopingkontrollen. Die positive Dopingprobe von Sinkewitz mache die Austragung der Titelkämpfe vom 25. bis 30. September indes nicht einfacher.

Romiger: „Das ist blanker Wahnsinn“

Der frühere Schweizer Profi Tony Rominger, der neben Sinkewitz auch den ebenfalls kürzlich positiv getesteten Nürnberger Matthias Kessler (Astana) als Manager betreut, sagte: „Das ist blanker Wahnsinn, ich verstehe die Fahrer nicht.“ Bei Kessler hatte der Testosteron-Wert sogar 85:1 betragen. Doping in diesem Fall ist relativ leicht über den Quotienten von Testosteron/Epitestosteron im Körper nachzuweisen. „Ein TE-Wert über 15 bis 20 ist nach bisherigen Studien endogen nicht möglich“, sagte Professor Wilhelm Schänzer, Leiter des Instituts für Biochemie an der Sporthochschule Köln.

„Das ist ein Tiefschlag. Wir müssen uns jetzt über unser Sponsoring Gedanken machen und setzen uns nach der Tour zusammen. Durch die Entscheidung von ARD und ZDF liegt die Messlatte hoch und daran müssen sie sich in Zukunft bei allem messen lassen“, sagte T-Mobile-Pressechef Christian Frommert in Anspielung auf künftige Sport-Übertragungen wie Olympia oder die Fußball-WM. Sponsor T-Mobile zahlt jährlich für sein Radteam geschätzt 13 Millionen Euro. Auch der Mineralwasser-Hersteller Gerolsteiner kündigte am Mittwoch an, das weitere Engagement im Radsport Ende August zu überdenken. „Ich habe kein Verständnis dafür, dass jemand das Team und die Arbeitsplätze so akut gefährdet“, sagte Radprofi Linus Gerdemann vom T-Mobile-Team.

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