17.05.2007 · Peter Danckert, der Vorsitzende des Sportausschusses des Bundestages, verlangt vom Internationalen Olympischen Komitee den Ausschluss des Profiradsports von den Olympischen Spielen. Der SC Freiburg arbeitet mit dem umstrittenen Arzt Andreas Schmid weiter.
Peter Danckert, der Vorsitzende des Sportausschusses des Deutschen Bundestages, verlangt vom Internationalen Olympischen Komitee (IOC) den Ausschluss des Profiradsports von den Olympischen Spielen und droht dem Bund Deutscher Radfahrer (BDR) mit der Streichung der staatlichen Förderung in Höhe von 2,7 Millionen Euro im Jahr.
Er erwarte, sagte der SPD-Abgeordnete gegenüber der „Süddeutschen Zeitung“, dass das IOC den Ausschluss prüfe, „weil hier flächendeckend gedopt wird“. An BDR und Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) gerichtet, sagte er: „Von Parlamentariern, die treuhänderisch Steuergelder verwalten, kann man nicht erwarten, einen Sport zu unterstützen, der selbst nicht das Erforderliche tut. Wer sich damit abfindet, dass Beteiligte die Unwahrheit sagen, Aufklärung verhindern und so, wie jüngst der Sprecher der Radprofis, die Dinge bagatellisieren, der kann keine Unterstützung erwarten.“ Statt des Radsport-Verbandes solle die Nationale Anti-Doping-Agentur gefördert werden.
Bach: keine Sippenhaft
DOSB-Präsident und IOC-Vizepräsident Thomas Bach erwiderte am Donnerstag, sein Verband verfolge seit langem eine Null-Toleranz-Politik gegen Doping. Doch dabei seien rechtsstaatliche Prinzipien zu beachten und individuelle Verantwortung nachzuweisen; Sportler dürften nicht in Sippenhaft genommen werden. „Wir halten den Kampf des BDR gegen Doping für glaubwürdig“, sagte Bach für den DOSB, und auch das IOC erkenne die Maßnahmen an, die der Radsport-Weltverband UCI eingeleitet habe.
Bach erinnerte daran, dass er Jan Ullrich im Juli vergangenen Jahres zu einem DNA-Abgleich mit dem Blut geraten habe, das bei dem Dopingarzt Fuentes in Madrid sichergestellt worden war. In Korrespondenz mit der spanischen Regierung habe er Ermittlungsunterlagen angefordert und die Berufung gegen die Einstellung des Strafverfahrens unterstützt. „An Deutlichkeit haben wir es nicht fehlen lassen“, sagte er.
BDR-Präsident Rudolf Scharping verwies auf die Maßnahmen, die sein Verband im Kampf gegen Doping ergriffen habe. „Die kennt doch jeder“, sagte er, man werde sie aber Danckert „noch mal zugänglich machen“. Es gebe kein einziges Signal für eine Mittelkürzung.
Mit Fuentes in Freiburg?
Der Arzt Eufemiano Fuentes, der als Drahtzieher des spanischen Dopingnetzes gilt, soll vor dem Giro d’Italia 2006 die Radprofis Jan Ullrich und Ivan Basso in Freiburg getroffen haben. Das berichtet die „Gazzetta dello Sport“ aus Italien. Der italienische Anti-Doping-Staatsanwalt Ettore Torri soll darüber von einer deutschen Staatsanwaltschaft informiert worden sein. Anfang April wies die Staatsanwaltschaft Bonn anhand des Erbmaterials in sieben Blutkonserven aus Madrid nach, dass diese von Ullrich stammten.
Der Tour-Sieger von 1997 streitet jede Verbindung zu Fuentes ab. Basso räumt ein, Blut bei Fuentes gelagert zu haben. Er habe aber nie gedopt. Unterdessen gehen die Ermittlungen gegen Basso wie gegen den geständigen Michele Scarponi in Italien weiter. Dabei zeigte sich Staatsanwalt Torri zuletzt von Basso enttäuscht, nachdem dieser zunächst Kooperationsbereitschaft signalisiert hatte. Torri mutmaßt, dass Basso Druck von Sponsoren und Sportdirektoren ausgesetzt sei.
Übersetzungschaos
Im Dopingfall Floyd Landis ist der zweite Verhandlungstag vor einem amerikanischen Schiedsgericht in Malibu von einem Übersetzungschaos beeinträchtigt worden. Bei der Anhörung der Chemikerin Cynthia Mongongu vom französischen Dopingkontroll-Labor in Chatenay-Malabry, das die positiven Analysen der A- und B-Proben des Tour-Siegers durchgeführt hatte, ordnete der Vorsitzende des Untersuchungsausschusses, Patrice Brunet, schließlich nach zahlreichen unkorrekten Wiedergaben ins Englische den Austausch der Übersetzer an – Brunet spricht fließend Französisch.
Auf Antrag der Landis-Verteidigung erläuterte Cynthia Mongongu in allen Einzelheiten das Vorgehen bei den Analysen sowie die technischen Einrichtungen des IOC-Labors. Sie wies Vorwürfe über Regelverstöße zurück und versicherte, dass sie keine Kenntnis davon gehabt habe, dass die Proben von Landis stammten. Auch habe sie die Schweigepflicht nicht verletzt.
Weiter mit Schmid
Der SC Freiburg, Klub der Zweiten Fußball-Bundesliga, hält an seinem Mannschaftsarzt Andreas Schmid fest, gegen den Dopingvorwürfe erhoben wurden. „Andreas Schmid ist nach wie vor für den internistischen Bereich in enger Zusammenarbeit mit der Uniklinik für den SC Freiburg tätig“, sagte Manager Andreas Bornemann. Schmid sieht sich ebenso wie der andere frühere T-Mobile-Teamarzt Lothar Heinrich massiven Anschuldigungen des einstigen Telekom-Betreuers Jef D’hont ausgesetzt.