Home
http://www.faz.net/-gu9-75tx7
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Radsport Armstrong gesteht Doping

Lance Armstrong hat erstmals in seiner Karriere gestanden: Er habe bei allen sieben Tour-de-France-Siegen unter anderem mit Epo, Eigenblut und Hormonen gedopt. Deals mit dem Weltverband habe es aber angeblich keine gegeben, erzählt er in der Talkshow von Oprah Winfrey.

© Reuters Vergrößern Geständig: Lance Armstrong bei Oprah Winfrey

Nach jahrelangem Leugnen hat Lance Armstrong ein umfassendes Dopinggeständnis abgelegt. Der Ex-Radprofi gab in einem Interview mit der amerikanischen Talkmasterin Oprah Winfrey zu, sich von Mitte der 90er Jahre bis 2005 unter anderem mit EPO, Eigenblut, Kortison und Wachstumshormonen gedopt zu haben. Bei der Ausstrahlung der Sendung am Freitagmorgen deutscher Zeit räumte der 41 Jahre alte Sportler ein, alle seine sieben Tour-de-France-Erfolge zwischen 1999 und 2005 gedopt errungen zu haben. Die Siege waren ihm nach Recherchen der amerikanischen Anti-Doping-Agentur Usada bereits im Oktober 2012 aberkannt worden.

„Keine Bestechung des Labors“

In den Comeback-Jahren 2009 und 2010 habe er aber nicht zu verbotenen Mitteln gegriffen, sagte der Texaner und widersprach diesen Vorwürfen der Usada. Er stritt ebenfalls ab, mit Hilfe des Weltverbands UCI positive Dopingtests verschleiert zu haben, etwa bei der Tour de Suisse 2001. Teamkollegen hatten ausgesagt, Armstrong habe der UCI für diese Vertuschung 125.000 Dollar gespendet. „Die Geschichte ist nicht wahr“, sagte Armstrong. „Es gab keine positive Probe, keine Bestechung des Labors, kein geheimes Meeting mit dem UCI-Chef. Manche Dinge waren vielleicht dubios, aber das hier nicht.“

Lance Armstrong Oprah interview © dpa Vergrößern Großes Interesse: In einer Bar in Park City in Utah verfolgen die Gäste Lance Armstrongs Doping-Geständnis

Usada-Chef Travis Tygart nannte die Beichte einen „kleinen Schritt in die richtige Richtung“. Armstrong habe „endlich zugegeben, dass seine Radsport-Karriere aus einer kraftvollen Kombination aus Doping und Betrug“ bestanden habe. Erledigt sei die Affäre für den Ex-Profi aber noch nicht. Wenn es Armstrong ernst damit sei, „seine Fehler zu korrigieren, muss er unter Eid ein vollständiges Geständnis seiner Doping-Aktivitäten“ ablegen.

Dass Armstrong erstmals in seiner Karriere Doping zugeben würde, war schon nach der Aufzeichnung der Sendung am vergangenen Montag durchgesickert. Unklar blieb aber, wie viele Details er preisgeben würde. „Ich sehe in den Mienen der Menschen den Zorn über den Verrat, den ich an ihnen begangen habe. Ich werde den Rest des Lebens mit dem Versuch zubringen, Vertrauen zurückzugewinnen und mich bei den Leuten zu entschuldigen“, sagte der tief gefallene Radsport-Held, der lebenslang gesperrt ist.

Mehr zum Thema

Am Donnerstag hatte ihm das Internationale Olympische Komitee (IOC) auch die Bronzemedaille vom Zeitfahren 2000 in Sydney aberkannt. Armstrong geht davon aus, dass es ohne Doping gar nicht möglich sei, die Tour siebenmal zu gewinnen. Allerdings wollte er nicht behaupten, dass zu der damaligen Zeit alle Fahrer gedopt gewesen seien. „Ich kannte ja nicht jeden, kann das also nicht so sagen“, meinte er. Zudem stritt er ab, jemanden unter Druck gesetzt zu haben zu dopen, wie ihm von ehemaligen Teamkollegen vorgeworfen wird.

Quelle: FAZ.NET/dpa

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Rugby In einer Welt von Kolossen

Der 36 Jahre alte Robert Mohr ist ein agiler Frontmann Rugby-Deutschlands. Mit seiner Hilfe und Cracks aus dem Ausland mit deutschen Pässen will die deutsche Nationalmannschaft wieder angreifen. Mehr Von Rainer Seele

20.03.2015, 18:24 Uhr | Sport
Lob für Cyber-Angriff Hacker greifen Sony für den Frieden an

Die Hackergruppe Guardians of Peace soll die Server von Sony gehackt haben. Der Angriff scheint wegen des Films Das Interview ausgeführt worden sein, den Sony in den Verleih bringt. Dieser handelt von zwei Journalisten, die den nordkoreanischen Staatschef Kim Jong-un umbringen wollen. Die Hacker fordern, dass der Film nicht gezeigt wird, damit der Frieden in der Region nicht gefährdet würde. Nordkorea stritt ab, dass das Land selbst hinter dem Angriff stecke, fand aber lobende Worte für die Verantwortlichen. Mehr

09.12.2014, 15:55 Uhr | Feuilleton
Parasiten Der Wurm, dein Feind und Helfer

Band-, Spul- und Hakenwürmer sind böse Parasiten. Neuerdings gelten sie aber auch als Heilsbringer bei Autoimmunkrankheiten und Allergien. Was ist da dran? Mehr Von Georg Rüschemeyer

20.03.2015, 16:48 Uhr | Wissen
Robustes Smartphone TC 55 Nichts für Spielkinder

Motorola bringt Android auf die harte Tour: Das Smartphone TC 55 für den Einsatz in widriger Umgebung. Mehr

23.10.2014, 11:24 Uhr | Technik-Motor
100 Millionen Griechenland will Entschädigung für Schmiergelder

Deutsche Hersteller sicherten sich den griechischen Markt für ihre Waffen. Laut einem Zeitungsbericht will die Regierung dafür jetzt 100 Millionen Euro Entschädigung. Mehr Von Cem Güler

23.03.2015, 17:56 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 18.01.2013, 09:31 Uhr

Kein Pipifax

Von Anno Hecker

Dass falsche Fahnder bei einem Boxkampf auftauchen und Sportler zur Probe und zur Kasse bitten, ist neu – und für die Antidopingagentur Nada alles andere als lustig. Mehr