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Radsport Allianz gegen Armstrong

 ·  Lance Armstrong fährt nicht mehr und wirft trotzdem seine Schatten auf die Tour de France: Vier Starter und ein Teamchef der diesjährigen Ausgabe sollen Doping-Praktiken gestanden und den Texaner belastet haben.

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© dapd Schwer belastet - angeblich von ehemaligen Teamkollegen: Lance Armstrong gerät immer mehr unter Druck

Er ist längst abgetreten - und doch immer noch sehr präsent im Radsport. Und selbst die Tour de France wird Lance Armstrong nicht los. Der Texaner wirft einen langen Schatten auf die Tour, auch in diesem Jahr. Die Diskussion um Armstrong und um seine möglichen Manipulationen im Radsport hat jetzt sogar deutlich an Schärfe zugenommen - just während der ersten Woche der Tour, die der Amerikaner siebenmal gewonnen hatte.

Besonders pikant: Es geht nun auch um vier Rennfahrer, die bei dieser Frankreich-Rundfahrt dabei sind - und sich als Kronzeugen in den Ermittlungen der amerikanischen Anti-Doping-Behörde (Usada) gegen ihren früheren Teamkollegen Armstrong zur Verfügung gestellt haben sollen. Nach einem Bericht der niederländischen Zeitung „De Telegraaf“ haben George Hincapie, Christian Vande Velde, David Zabriskie und Levi Leipheimer sowie Teamchef Jonathan Vaughters ausgesagt. Alle sollen Doping gestanden und Armstrong schwer belastet haben. Eine mächtige Allianz also gegen Armstrong - und offensichtlich ein wesentlicher Fortschritt bei dem Versuch, Armstrongs Machenschaften aufzudecken.

Helle Aufregung im Peloton

Die aktuelle Entwicklung sorgte auch im Tour-Peloton für helle Aufregung. Vor dem Bus des Teams Garmin - mit Vaughters, Zabriskie und Vande Velde - herrschte am Donnerstagvormittag großes Gedränge. Schließlich trat der Teamchef sichtlich genervt ins Freie. „Ich fordere alle meine Angestellten stets auf, mit den Anti-Doping-Behörden zusammenzuarbeiten“, sagte der frühere Profi Vaughters, der Armstrong bei dessen erstem Tour-Sieg im Jahr 1999 zur Seite gestanden hatte. „Ich habe vor zwei Jahren mein Team gegründet, das für sauberen Radsport steht“, behauptete Vaughters.

Darüber hinaus wollte er sich am Donnerstag, als der Tour-Tross sich in der Nähe der Kathedrale von Rouen auf den Etappenstart vorbereitete, nicht äußern. Der Amerikaner Leipheimer, früher Kapitän des Teams Gerolsteiner und nun Mitstreiter von Tony Martin bei Omega Pharma-Quickstep, mochte überhaupt nichts sagen zu der Affäre um Armstrong. Er drehte sich wortlos um und fuhr davon. Zeitfahr-Weltmeister Martin sagte dazu: „Das betrifft mich nicht. Levi wird seine Position schon finden.“ Hincapie, einst ein treuer Helfer von Armstrong, ließ lediglich wissen, dass er enttäuscht sei - eine Erläuterung blieb er schuldig. Hincapie wurde von einem Betreuer zum Einschreiben eskortiert. Eigentlich ist dies das Privileg von Kapitän und Titelverteidiger Cadel Evans aus Australien, der sich nun allein den Weg durch die Menschenmassen in Rouen bahnen musste.

Möglicher Handel

Womöglich haben Hincapie und Co., die allem Anschein nach bei der Tour bleiben werden, der Usada wichtige Informationen gegeben, um selbst schlimmeren Sanktionen zu entgehen. Angeblich bot die Usada den Fahrern - die vor einiger Zeit alle auf die Teilnahme an den Olympischen Spielen in London verzichtet haben - einen Handel an. Danach soll ihnen bei einem Doping-Geständnis und einer Aussage gegen Armstrong eine Sperre von lediglich sechs Monaten in Aussicht gestellt worden sein.

Diese müsse, hieß es, zudem erst am Saisonende angetreten werden. Für Hincapie zumindest dürfte dies ohnehin keine Rolle mehr spielen: Der 39 Jahre alte Amerikaner, Tour-Rekordhalter mit 17 Starts bei der Frankreich-Rundfahrt, beendet im Herbst seine aktive Karriere. Von der Usada war am Donnerstag nur zu hören, dass die Fahrer durch die Veröffentlichung „unnötigen Verdächtigungen, Drohungen und Einschüchterungen“ ausgesetzt würden.

Armstrong streitet ab

Sie wirft Armstrong, dessen ehemaligem Mentor Johan Bruyneel sowie vier früheren Ärzten und Betreuern jahrelanges Doping und Handel mit illegalen Substanzen vor. Der seit langem am Pranger stehende Texaner, der bei einer Verurteilung mindestens einen seiner sieben Tour-Erfolge verlieren könnte, streitet die Vorwürfe ab. Auch der Belgier Bruyneel beteuert seine Unschuld. Wegen der Anschuldigungen aus den Vereinigten Staaten blieb der Teammanager von RadioShack-Nissan-Trek allerdings der 99. Tour fern - angeblich, um seine Equipe nicht über Gebühr zu belasten. Allerdings wird kolportiert, dass auch der Tour-Veranstalter Druck auf ihn ausgeübt und ihn zur erwünschten Person erklärt haben soll. Wie Armstrong droht nun auf alle Fälle auch Bruyneel eine Demontage.

Hintergrund der 15 Seiten langen Anklageschrift der amerikanischen Anti-Doping-Agentur sind wohl die juristischen Ermittlungen der staatlichen amerikanischen Behörden gegen Armstrong und seine ehemaligen Partner, die im Frühjahr überraschend eingestellt worden waren. Sonderfahnder Jeff Novitzky hatte zuvor monatelang Beweise gesammelt und Zeugen vor eine Grand Jury geladen. Möglicherweise waren darunter auch Vaughters, Hincapie, Zabriskie, Vande Velde und Leipheimer. Durch sie könnte Armstrong nun doch zu Fall gebracht werden. Die Tour jedenfalls wird jetzt von der Debatte darüber weiter begleitet werden - das Rumoren wird gewiss bis Paris anhalten.

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