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Appell an alle Spitzensportler : Das ist schlimmer als Pornographie

  • -Aktualisiert am

„Manche haben ja keine Moral“, sagt Robert Harting. „Wo willst du da ansetzen?“ Bild: AFP

Im Kampf gegen Doping lassen Athleten alles mit sich machen – bis zur Selbstaufgabe. Mediziner und Forscher Perikles Simon richtet nun einen Aufruf an die Athleten. Es wird Zeit für einen Aufschrei!

          Im Kampf gegen Doping lassen Athleten alles mit sich machen – bis zur Selbstaufgabe. Dabei müsste die Schlampigkeit der Kontrolleure, die am Fall Russland erkennbare Systematik hinter der geringen Enttarnung von Dopern einen Schmerzensschrei der Spitzensportler auslösen, schreibt der Mediziner und Forscher Perikles Simon: „Kämpft um Eure Rechte!“

          An unsere Spitzenathleten:

          „In den vergangenen Tagen wurde im Zusammenhang mit dem russischen Doping-Skandal vieles diskutiert, das an Euch Spitzensportlern nicht spurlos vorübergegangen sein kann. Die F.A.Z. hat in diesem Zusammenhang schon gefragt, wo denn der Schmerzensschrei bliebe? Wer den Spitzensport kennt, der weiß, dass der Aufschrei eigentlich nicht aus Euren Reihen kommen kann. Dafür seid Ihr alle viel zu exponiert - gilt es doch mit jedem neuen Doping-Skandal, erst einmal wieder das Mantra des Generalverdachtes nicht noch zu schüren.

          Für mich kam dennoch die interessanteste Reaktion auf die ARD-Reportage zum durchorganisierten und flächendeckenden Doping in Russland aus der Reihe der Athleten selbst. Swetlana Feofanowa soll gesagt haben, dass die Reportage schlimmer als Pornographie sei. Ich möchte dem mal nachgehen und mit Euch überlegen, was in diesem Zusammenhang schlimmer als Pornographie sein könnte.

          War alles wirklich sauber?

          Bei all den nun zu Tage getretenen Verfehlungen im russischen Doping-Kontrollsystem fühlte ich mich an die Wutrede des Basketball-Nationalspielers Per Günther im Radio über den Sinn und Unsinn von Doping-Kontrollen erinnert. Er beschrieb darin sehr plastisch, was es bedeutet, für die Doping-Kontrollen ein gläserner Athlet zu sein. Hierzu zählen zunächst einmal starke Einschränkungen Eurer Privatsphäre durch die ständigen Angaben, wo und wann Ihr anzutreffen seid, die damit verbundenen Einschränkungen der Spontaneität im persönlichen Bereich, die teilweise unmöglichen Situationen und Tageszeitpunkte, zu denen Kontrollen de facto stattfinden, bis hin zum Hoffen und Bangen, dem sich auch ein sauberer Athlet ausgesetzt fühlt, nachdem eine Probe schließlich genommen wurde. „War alles, was ich gegessen oder getrunken habe, wirklich sauber? Hat mein Arzt und habe ich alle Regeln im Zusammenhang mit einer medizinisch notwendigen Behandlung eingehalten und der Nationalen Anti-Doping-Agentur alles korrekt gemeldet? War ich in letzter Zeit auch immer anwesend, wenn der Kontrolleur mich gesucht hat?“

          Denn auch ein Nichtantreffen kann schon nach dem zweiten Mal das Aus im Nationalkader bedeuten. Das alles kann psychisch belastend sein; nur: welcher saubere Sportler würde das alles nicht für die Integrität seines Sports in Kauf nehmen?

          Doch lasst uns noch einen Schritt weitergehen und unter Eure Gürtellinie schauen. Jeder Doping-Kontrolleur, der bei Euch eine Doping-Kontrolle überwacht, ist verpflichtet, Euer Geschlechtsteil beim Urinieren eingehender zu inspizieren. Bei Euch Frauen werden hierfür Spiegel eingesetzt. Über die psychosoziale Schulung und Eignung der Kontrolleure, die das Vorgehen einsetzen, ist mir und Euch wahrscheinlich nichts bekannt. Das sind schon mal ganz schön nackte Tatsachen, bei denen Ihr nicht viel zu melden habt.

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