Home
http://www.faz.net/-gu9-6ym8p
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Olympiastützpunkt Erfurt Turbulenzen um Blutbestrahlung

Im Bundestag wird über die UV-Bestrahlung von Blut bei dreißig Athleten am Olympiastützpunkt Erfurt diskutiert. Experten erklären den Abgeordneten das Verfahren - mit „kabarettreifem“ Verlauf.

© dapd Welche Wirkung hatte die Abnahme und die Bestrahlung von Blut am Olympiastützpunkt in Erfurt

„Kabarettreif“ fand Gutachter Fritz Sörgel die Sitzung des Sportausschusses am Dienstag zum Thema Blutbestrahlung. Der Herr Professor habe sich mit allen angelegt, urteilte dagegen Klaus Riegert; und als er später von selbsternannten Experten sprach, wurde deutlich, dass er auch damit Sörgel meinte.

Michael Reinsch Folgen:

Der Naturwissenschaftler und der sportpolitische Sprecher der Unionsfraktionen im Bundestag waren so heftig aneinander geraten in der Beurteilung der UV-Bestrahlung des Blutes von dreißig Athleten des Olympiastützpunktes Erfurt, dass der eine den Pharmakologen einen Apotheker nannte, und der andere ihn daraufhin als Kriminalkommissar ansprach.

Mehr zum Thema

„Ich bedaure die Versuche der Regierungsfraktion, einen Sachverständigen zu diskreditieren und als inkompetent darstellen zu wollen, nur weil seine Bewertung ihnen nicht gefällt“, sagte der SPD-Abgeordnete Gerster. „Mit der Devise Augen zu und durch kommen wir in der Dopingbekämpfung nicht weiter“, schimpfte die Grüne Viola von Cramon. „Die Koalition ist an Aufklärung nicht interessiert.“ Sörgel hatte in der Sitzung schweres Geschütz aufgefahren.

„In dem vorliegenden Fall liegt ein klares Dopingvergehen des Sportarztes und der Sportler vor“, hieß es in seiner Stellungnahme. Die extrakorporale Bestrahlung von Blut zur Behandlung von Infektionen nannte er Scharlatanerie. Die Anwendung mehrere Male in kurzen Abständen könne möglicherweise die Viskosität und Fluidität des Blutes und die Abgabe des Sauerstoffes aus den roten Blutzellen verbessern. „Dies wären Wirkungen, die direktes Doping darstellen“, so Sörgel. Bei häufigerer Anwendung wäre das Verfahren möglicherweise sogar einer Eigenbluttransfusion oder einer Mikrodosierung von Epo gleichzusetzen.

„Dann ist das ein Dopingverstoß“

Der Hamburger Rechtsanwalt und Richter am Obersten Gerichtshof des Sports, Cas, Georg Engelbrecht, erinnerte an den Blutdoping-Skandal der Olympischen Winterspiele von 2002 in Salt Lake City, in deren Mittelpunkt das österreichische Skilanglauf-Team stand. Vier Läufer und ihr Trainer Walter Maier wurden 2003 wegen Blutdopings bestraft. „Wenn auch Leichtathleten am Olympiastützpunkt Erfurt von dem Arzt Andreas Franke ohne medizinische Indikation behandelt worden sein sollten“, fand Engelbrecht, „ist das ein Dopingverstoß.“

Engelbrecht kenne den Erfurter Sachverhalt gar nicht, sagte dagegen Riegert. „Es besteht ein kleiner Unterschied zwischen Jan Ullrich und Erfurt.“ Auch die Nationale Antidopingagentur (Nada) scheint sich nicht sicher zu sein. Sie hat zunächst gegen zwei der dreißig betroffenen Athleten Verfahren vor dem Deutschen Sportschiedsgericht eingeleitet und ein Gutachten in Auftrag gegeben. „Es gab viele Meinungsverschiedenheiten“, sagte die Vorsitzende Andrea Gotzmann. „Wir nehmen sie zur Kenntnis.“

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Prozess um Schadenersatz Claudia Pechstein geht das Geld aus

Seit sechs Jahren kämpft Claudia Pechstein um ihre Unschuld. Dabei ist die Eisschnellläuferin weit gekommen. Doch im Prozess um Schadenersatz sind ihre finanziellen Mittel nun erschöpft – vor der letzten Instanz. Mehr Von Michael Reinsch, Berlin

01.07.2015, 10:36 Uhr | Sport
Beratung im Bundestag Pkw-Maut geht in die erste Runde

Die Infrastrukturabgabe, besser bekannt als die Pkw-Maut, hat die erste Etappe im Bundestag genommen. Die Maut ging im Bundestag in die erste Beratung. Mehr

26.02.2015, 14:00 Uhr | Politik
Startrainer Salazar Doping-Kontrollen in Eigenregie

Leichtathletiktrainer Alberto Salazar und sein Starläufer Mo Farah geraten weiter in Erklärungsnot: Der Coach soll die Doping-Kontrollen seiner Sportler privat vorgenommen haben – um die Grenze der Nachweisbarkeit von leistungssteigernden Mitteln festzustellen? Mehr Von Michael Reinsch, Berlin

25.06.2015, 11:00 Uhr | Sport
Livestream Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus im Bundestag

Heute werden bundesweit mit zahlreichen Gedenkfeiern und Kranzniederlegungen der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Die zentrale Gedenkstunde findet im Bundestag statt. Mehr

27.01.2015, 09:29 Uhr | Aktuell
Werbe-Strategie geändert Kein Doping für die Haare bei der Tour

Für den Spruch musste sich das Unternehmen schon viel Spott und Kritik gefallen lassen. Während der Tour de France wird der Radsport-Sponsor auf die Schaltung des Slogans verzichten. Mehr

30.06.2015, 12:05 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 21.03.2012, 17:51 Uhr

Silvia Neid sollte dankbar sein

Von Daniel Meuren, Edmonton

Schlechte Ergebnisse werden öffentlich schön geredet, intern nicht wirklich diskutiert. Das Klima bei den DFB-Frauen fördert die Leistung nicht. Silvia Neid sollte mit der Kritik konstruktiv umgehen – und etwas wagen. Mehr 5 8