Home
http://www.faz.net/-gu9-7b90f
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Leichtathletik Gay, Powell und Simpson unter Doping-Verdacht

Es ist ein Erdbeben in der Leichtathletik: Einen Monat vor der WM in Moskau werden der schnellste Amerikaner Tyson Gay, der ehemalige 100-Meter-Weltrekordler aus Jamaika, Asafa Powell, und Olympiasiegerin Sherone Simpson positiv getestet.

© REUTERS Gedopt ins Ziel?`Tyson Gay (l.) und Asafa Powell beim Leichtathletik-Meeting (Diamond League) in Lausanne am 4. Juli. In der Mitte der Jamaikaner Nickel Ashmeade

Die Sprinter Tyson Gay (Vereinigte Staaten), Asafa Powell (Jamaika) und Sherone Simpson (Jamaika) stehen unter dringendem Doping-Verdacht. Wenige Stunden, nachdem die Nachricht von der positiven A-Probe Gays die Leichtathletikwelt aufhorchen ließ, bestätigte Paul Doyle, der Agent des ehemaligen 100-Meter-Weltrekordlers Powell und seine jamaikanische Teamkollegin Sherone Simpson, dass seine Klienten ebenfalls positiv auf Doping-Stimulanzien getestet worden sind. Nach Doyles Angaben soll es sich um die Substanz Oxilofrin handeln. Diese sei bei den jamaikanischen Meisterschaften festgestellt worden.

Claus Dieterle Folgen:

„Ich bestätige, dass eine Probe, die ich bei den nationalen Leichtathletik-Meisterschaften im Juni abgegeben habe, einen positiven Befund hatte“, gab Powell in einer Erklärung zu. Ähnlich äußerte sich Sherone Simpson. Beide gaben auch bekannt, dass in ihren Proben das Doping-Stimulanzmittel Oxilofrin gefunden wurde. Der 30-jährige Powell versicherte ebenso wie Simpson, lediglich Nahrungs- Ergänzungsmittel eingenommen zu haben. „Ich bin optimistisch, dass ihre Namen wieder gereinigt werden“, sagte ihr Manager Paul Doyle.

Bolt bislang unbelastet

Powell war 2008 mit Jamaikas Staffel Olympiasieger über 4 x 100 Meter geworden. Er hielt den Weltrekord, ehe er von Landsmann Usain Bolt abgelöst wurde. Dessen Manager versicherte sein Athlet gehöre nicht zu den insgesamt fünf positiv gestesteten jamaikanischen Sprintern. Sherone Simpson gewann 2004 mit Jamaikas Frauen über 4 x 100 Meter Olympia-Gold und holte vergangenes Jahr in London olympisches Staffel-Silber. Nach mehreren Medienberichten soll auch Staffel-Olympiasieger Nesta Carter zu den positiv getesteten Spitzenathleten aus Jamaika gehören. Das berichten unter anderem der britische „Telegraph“, CBS und jamaikanische Quellen.

© AFP, reuters Positive Dopingtests bei Gay und Powell

Tyson Gay hatte noch vor ein paar Tagen gesagt: „Ich glaube, meine besten Tage kommen noch.“ Das ist für einen beinahe 31 Jahre alten Sprinter schon ungewöhnlich genug, aber seit Sonntag hat es den Anschein, als sei die Karriere des derzeit einzigen ernsthaften Herausforderers von Sprint-Legende Usain Bolt mit einem Schlag vorbei. Oder besser gesagt: mit einem Fund. Da erschütterte die Nachricht von einer positiven Trainingskontrolle, vorgenommen am 16. Mai, die Leichtathletikwelt – sofern das nach all den Doping-Geschichten der Vergangenheit überhaupt noch möglich ist. Jetzt steht sogar Gay unter dringendem Doping-Verdacht.

„Ich habe jemandem vertraut und wurde im Stich gelassen“

Jener Gay, der als seriöser Vertreter seines Metiers galt, frei von Allüren, nett, höflich – eben keiner dieser aggressiven Lautsprecher, deren Mundwerk so flott ist wie ihre Beine. Der Mann aus Lexington ist am Sonntag selbst an die Öffentlichkeit getreten, nachdem ihn die amerikanische Anti-Doping-Agentur (Usada) bereits am Freitag darüber informiert hatte, dass er bei einer Trainingskontrolle positiv auf eine verbotene Substanz getestet worden sei. Dies berichtete Gay am Sonntag in einer Telefonkonferenz aus Amsterdam. „Ich habe keine Sabotagegeschichte zu bieten“, sagte er, mit den Tränen kämpfend, „ich habe auch keine Lügen. Ich habe nichts, was es wie einen Fehler aussehen lassen könnte. Ich habe jemandem vertraut und wurde im Stich gelassen.“

Einen Namen mochte er nicht nennen. „Ich kann es wirklich nicht sagen.“ Auch die Frage, um welche Substanz es sich handelt, mochte Gay nicht beantworten. „Ich muss das erst mit der Usada klären.“ Jetzt will der dreifache Weltmeister von 2007 die B-Probe so schnell wie möglich öffnen lassen, obwohl er eigentlich gar keine große Eile mehr hat. Denn seinen Start bei den Leichtathletik-Weltmeisterschaften vom 10. bis 18. August in Moskau hat er bereits abgesagt. Das große Duell mit Weltrekordhalter, Weltmeister und Olympiasieger Usain Bolt fällt aus.

1 | 2 Nächste Seite   |  Artikel auf einer Seite
 
()
Permalink

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Buch über Bolt Kein großes Geheimnis

Richard Moores Buch über Usain Bolt und Co. weckt Sympathie für die jamaikanische Sprinterkultur, kratzt aber trotz einer intensiven Recherche nur an der Oberfläche. Mehr Von Christoph Becker

27.08.2015, 09:35 Uhr | Sport
Vorgeschmack auf Olympia 2016 Sprint-Star Usain Bolt siegt souverän in Rio

Bolt gewinnt das 100-Meter-Rennen vor dem Amerikaner Ryan Bailey mit einer für ihn geradezu gemütlichen Zeit von 10,12 Sekunden. Ein leichtathletischer Vorgeschmack auf Olympia 2016 in Rio. Mehr

20.04.2015, 14:51 Uhr | Sport
100-Meter-Halbfinale Bolt fällt beinahe hin

Schreckmoment für Usain Bolt: der Jamaikaner strauchelt im ersten Halbfinale nach dem Start, holt dann aber auf. Deutlich souveräner läuft Justin Gatlin ins Finale. Mehr

23.08.2015, 13:42 Uhr | Sport
200 Meter in 53 Sekunden Der schnellste 95-Jährige der Welt

Charles Eugster ist der schnellsten 95-Jährige der Welt. Für die 200 Meter benötigt er nur 53 Sekunden. In seiner Altersklasse ist das Weltrekord. Eugster ist eigentlich Zahnarzt und Leistungssportler. Früher als Ruderer, seit sechs Jahren als Bodybuilder. Mehr

13.03.2015, 11:44 Uhr | Gesellschaft
Bolt gewinnt über 100 Meter Der richtige Sieger

Im Finale über 100 Meter lässt Usain Bolt mit dem Amerikaner Justin Gatlin das personifizierte Böse nur eine hundertstel Sekunde hinter sich. In 9,79 Sekunden sorgt der Jamaikaner wieder für Harmonie in der Leichtathletik. Mehr Von Michael Reinsch, Peking

23.08.2015, 18:23 Uhr | Aktuell

Veröffentlicht: 14.07.2013, 22:09 Uhr

Vertrödelt und verbockt

Von Paul Ingendaay

Nach dem Spott über den geplatzten Torwart-Tausch von Real Madrid und Manchester United sollte man sich eine kleine Auszeit für die Schadenfreude nehmen. Um danach Mitleid mit den Opfern zu haben. Mehr 4 7