Der Siegeszug kenianischer Athleten im vorolympischen Jahr hat die Aufmerksamkeit auch der Dopingfahnder erregt. 75 Läuferinnen und Läufer wurden 2012 in den Testpool des Welt-Leichtathletikverbandes (IAAF) aufgenommen, das entspricht 14 Prozent. Ähnlich stark vertreten sind nur noch amerikanische und russische Leichtathleten. Vor den Olympischen Spielen von London wurden vier kenianische Läuferinnen und Läufer überführt. Unter Umständen stellen die verstärkten Tests, die beim Treffen des IAAF-Councils in Barcelona am Freitag bekannt wurden, das Abschneiden der kenianischen Läuferinnen und Läufer in London in ein neues Licht.
Bei den Weltmeisterschaften 2011 hatten sie sieben Titel und insgesamt 17 Medaillen gewonnen und waren damit drittstärkste Nation. Bei den Olympischen Spielen von London siegten nur David Rudisha (800 Meter) und Ezekiel Kemboi (3000 Meter Hindernis); insgesamt kam das kenianische Team auf elf Medaillen und damit Rang sechs in der Leichtathletik. Die kenianische Presse hatte der Mannschaftsleitung damals Versagen vorgeworfen.
Immer noch werden in Kenia zwar keine Bluttests gemacht - der gekühlte Transport der Proben aus dem Hochland Ostafrikas zur Analyse ist nicht sicher zu stellen. Doch bei Wettkämpfen und bei Aufenthalten in Europa und in Amerika veranlasste der Weltverband 642 Bluttests. Gut die Hälfte von ebenso vielen Urinproben wurde auf Epo untersucht. Zusätzlich wurden fast 300 Test für den sogenannten Blutpass von 146 kenianischen Läuferinnen und Läufer genommen.
Nachdem die ARD über Doping in Kenia berichtet hatte, forderte John Fahey, der Präsident der Welt-Antidopingagentur (Wada) bei einem Besuch im Oktober von kenianischer Regierung und Sport eine unabhängige Untersuchung. Bis heute sei nichts passiert, klagt er nun, auf seine Briefe erhalte er keine Antwort.