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Lance Armstrong Dankbar, aber das Problem nicht los

05.02.2012 ·  Der Staatsanwalt ermittelt nicht mehr gegen Lance Armstrong, doch dem texanischen Rad-Star drohen weitere Verfahren.

Von Jürgen Kalwa, New York
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Lance Armstrongs Reaktion klang verhalten. Er sei dankbar für die Entscheidung der Staatsanwaltschaft, ihre Ermittlungen zu beenden und auf die Erhebung einer Anklage zu verzichten, erklärte der siebenfache Tour-de-France-Gewinner in einer Erklärung. Und er freue sich, sein Leben als „Vater, Wettkämpfer und Anwalt im Kampf gegen Krebs“ fortzusetzen.

Die Erklärung entsprach so gar nicht der Art des vierzigjährigen Texaners, der in der Vergangenheit jeden Verdacht mit der Behauptung weggewischt hatte, es sei eine Hexenjagd gegen ihn im Gange. Die gesamte Strategie schien darauf abgestellt, die Legende vom sauberen Pedalritter aufrechtzuerhalten.

Die wohltemperierte schriftliche Mitteilung könnte unter anderem damit zu tun haben, dass Armstrong weiß, welche Indizien die Ermittlungsbehörden mit Dopingfahnder Jeff Novitzky an der Spitze im Rahmen ihrer zwei Jahre währenden Recherchen und Vernehmungen zusammengetragen haben.

Und dass all diese Fundstücke und Aussagen noch einmal eine Rolle spielen werden, wenn ein anderer Prozess ins Rollen kommt: ein von Floyd Landis angestrengtes Verfahren auf der Basis eines besonderen Gesetzes aus dem 19. Jahrhundert.

Der False Claims Act gibt Staatsbürgern die Möglichkeit, der Bundesregierung und ihren Verwaltungseinheiten dabei zu helfen, sich gegen betrügerische Machenschaften zu wehren. Das gilt auch für solche Aktivitäten, die die amerikanische Post betreffen, einer quasi-staatlichen Einrichtung. Sie hatte dem U.S. Postal Team von Lance Armstrong 31 Millionen Dollar an Sponsorengeldern überwiesen.

„Es werden weiter Beweise zusammengetragen“

Die Anzeige liegt bereits vor. Landis hatte sie im Frühjahr 2010 eingereicht und dabei gleich mehrere angebliche Mittäter benannt. Darunter auch den Sportlichen Direktor Johan Bruyneel und Thom Weisel, den Gründer von Tailwind, jener Managementfirma im Hintergrund, an der auch der Radprofi einen Anteil hielt. „Das Verfahren läuft”, zitierte die New York Daily News am Samstag auf ihrer Website einen namentlich nicht genannten Kenner der Situation. „Es werden weiter Beweise zusammengetragen.”

In einem solchen, juristisch separaten Verfahren könnten die Anklagevertreter nicht nur auf die öffentlichen Anschuldigungen von Landis und Tyler Hamilton zurückgreifen, die in ihrer Rolle als Domestiken im U.S. Postal Team gesehen haben wollen, wie sich Armstrong gedopt hatte.

Auch andere Ermittlungsergebnisse können im Rahmen dieses Prozesses vorgelegt werden, um den Betrugsvorwurf zu untermauern. Informanten - in den Vereinigten Staaten „Whistleblower“ genannt - haben im Erfolgsfall einen Anspruch auf einen Teil der zurückgezahlten Schadenssumme, sind aber in ihren Bemühungen vor Gericht auf sich alleine gestellt, wenn die zuständigen Staatsanwälte im Justizministerium in Washington entscheiden, der Klage nicht beizutreten.

Obama und Holder wenig begeistert

Es ist denkbar, dass sich die amerikanische Regierung aus der Sache heraushält. Denn anders als unter Präsident George W. Bush gibt es derzeit weder im Weißen Haus noch an der Spitze des Justizministeriums sehr viele Sympathien für eine staatliche Bekämpfung der Dopingseuche. So hatte Präsident Barack Obama bereits im Wahlkampf 2008 durchblicken lassen, dass er dieses Thema gerne den Sportorganisationen überlässt und die knappen Steuermittel lieber für andere staatliche Anstrengungen budgetiert.

Noch weniger für das Thema zu begeistern ist vermutlich Justizminister Eric Holder. Der hatte vor seinem Wechsel an die Spitze der Behörde als Anwalt die National Football League vertreten. Er bemühte sich damals darum, die staatlichen Ermittler davon abzubringen, sich weiterhin - wie etwa im Fall Balco oder bei der Aufdeckung der Dopingpraktiken im Baseball - um das Netz der Lieferanten zu kümmern.

Holders Auftraggeber machten sich mehr Sorgen um das öffentliche Image der Football-Liga als über den Medikamentenmissbrauch und die halbherzigen Bemühungen der NFL, die Sünder aufzuspüren.

Armstrong verfügt obendrein über einflussreiche Freunde in Washington. Sein Anwalt Mark Fabiani arbeitete früher unter anderen für Präsident Bill Clinton. Aber auch die amerikanische Anti-Dopingagentur (Usada) will ganz offensichtlich noch nicht aufgeben. „Unsere Untersuchungen der Dopingpraktiken im Radsport sind noch nicht beendet”, sagte Geschäftsführer Travis Tygart in einer schriftlicher Stellungnahme am Freitag.

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