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Kritik an Doping-Erklärung Geschäft im Nebel

07.04.2009 ·  Ablehnend und teilweise empört haben Doping-Opfer auf die Erklärung fünf deutscher Leichtathletiktrainer zu ihrer Doping-Vergangenheit in der DDR reagiert. Neben den Trainern stehen hohe deutsche Sportfunktionäre und Bundesinnenminister Schäuble im Zentrum der Kritik.

Von Christoph Becker
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Ablehnend und teilweise empört haben Doping-Opfer auf die Erklärung fünf deutscher Leichtathletiktrainer zu ihrer Doping-Vergangenheit in der DDR reagiert. „Wenn man einen anderen Sport will, ist die Erklärung ein falsches Signal. Sie ist ein Geschäft hinter einer Nebelwand“, sagte die ehemalige Sprinterin Ines Geipel der F.A.Z.

Von einer „versuchten Vertuschung“ schreiben Andreas Krieger und seine Frau Ute Krieger-Krause in einem offenen Brief an Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble, den Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Thomas Bach, und an Clemens Prokop, den Präsidenten des Deutschen Leichtathletik-Verbandes (DLV).

„Konstruierte Lösung“

Schäuble, Bach und Prokop hatten die Erklärung begrüßt, in der sich die Trainer zu ihren Doping-Praktiken in der DDR bekannt und sich dafür entschuldigt hatten (siehe: Doping in der DDR: Fünf Trainer bekennen sich zu Verfehlungen). Die Doping-Opfer kritisieren besonders, dass Funktionären und Politikern die Verstrickung der Trainer in das systematische Doping-Programm in der DDR bekannt gewesen sei, einer Weiterbeschäftigung im bundesdeutschen Sport nach 1989 jedoch nicht im Wege gestanden habe (siehe auch: Doping-Kommentar: Unpersönliches Papier).

Ihr jetziges Verhalten, schreibt das Magdeburger Ehepaar Krieger-Krause, sei ein „durchsichtiger Versuch, ihren Anteil an der nunmehr zwei Jahrzehnte währenden Ignoranz gegenüber den Opfern, an der Duldung eines ebenso lange währenden Leugnens beteiligter Trainer, an mutmaßlichen jahrelangen Verstößen gegen die Antidopingklauseln in den Zuwendungsbescheiden des BMI an die Sportverbände, mithin an der missbräuchlichen Verwendung von Steuergeldern, zu vertuschen“. Die zugunsten der Trainer „konstruierte Lösung“ tauge nicht dazu, eine „Annäherung von Tätern und Opfern herbeizuführen“. Der ehemalige Bahnradsprinter Uwe Trömer erklärte, er nehme eine solche Entschuldigung der Trainer nicht an.

„Schulterschluss der Täter und Abnicker“

DOSB-Präsident Bach wies in einer Antwort auf den offenen Brief darauf hin, dass der DOSB bereits nach seiner Gründung 2006 in Gespräche mit Doping-Opfern getreten sei, die zu einer Entschädigung der anerkannten Opfer geführt hätten. Die Darstellung der Opfer, es habe keine Gespräche gegeben, sei insofern falsch. Als weitere Belege für das Interesse des Verbandes an einer Aufarbeitung der Vergangenheit führte Bach die Prüfung der Doping-Vergangenheit von Trainern „in jedem Einzelfall“ von einer Unabhängigen Kommission unter Vorsitz des ehemaligen Bundesverfassungsrichters Udo Steiner und die vom DOSB initiierte Studie „Doping in Deutschland“ an.

Die Wissenschaftlerin und Autorin Geipel kritisierte, dass keiner der Trainer auf die ehemaligen Sportler zugegangen sei. „Das muss doch das Mindeste sein: Dass die Trainer die ehemaligen Sportler anrufen, die sie geschädigt haben.“ Stattdessen sei es zu einem „Schulterschluss der Täter und Abnicker“ gekommen, denen es darum gehe, die Leichtathletik-Weltmeisterschaft im August in Berlin von diesem Thema ungestört stattfinden zu lassen. „Aber wir werden da keine Ruhe geben“, sagte Geipel. Sie wolle prüfen lassen, ob die Weiterbeschäftigung von Trainern mit einer Doping- oder Stasi-Vergangenheit in der DDR rechtlich angreifbar sei.

Trainer Schneider wünscht sich Ende der Debatte

Unterdessen sagte der Magdeburger Trainer Klaus Schneider, der sich gemeinsam mit Klaus Baarck, Gerhard Böttcher, Rainer Pottel und Maria Ritschel zur Doping-Vergangenheit erklärt hatte, er hoffe, dass die Debatte um DDR-Trainer mit ihrer Erklärung „nach 20 Jahren vom Tisch“ komme. Nie zuvor seien die Brücken von der Sportpolitik für die Betroffenen so sicher gebaut gewesen, dass man habe sagen können, „wir begegnen uns als gleichwertige Partner. Es bestand immer die Gefahr, dass man über die Klinge springt“, sagte der Trainer der Kugelstoßerin Nadine Kleinert.

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Jahrgang 1978, Sportredakteur.

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