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Doping-Vorwürfe : Russlands Leichtathletik weiter in die Isolation

„Wir werden hart bleiben“: IAAF-Präsident Sebastian Coe. Bild: EPA

Nach der Sperre für Leichtathleten erwartet der Weltverband Fortschritte von Russland im Kampf gegen Doping. Doch die Ergebnisse sind nicht wie gewünscht. Das hat auch Folgen für die WM.

          Der russische Leichtathletikverband (Rusaf) dürfte auf absehbare Zeit vom internationalen Wettbewerb ausgeschlossen bleiben und darf keine Mannschaft zur Weltmeisterschaft in London im August schicken. Die Task Force des Weltverbandes IAAF, der die Bedingungen zur Wiederzulassung der seit November 2015 suspendierten Russen prüfe, sei enttäuscht, sagte IAAF-Präsident Sebastian Coe nach einer Sitzung des Rates (Council) seines Verbandes am Donnerstag in London; die Aussicht auf Rückkehr der Russen sei fern.

          Michael Reinsch

          Korrespondent für Sport in Berlin.

          „Es gibt keinen Grund dafür, dass keine größeren Fortschritte gemacht wurden“, klagte er und deutete weiter gehende Sanktionen an; sie könnten bereits im Juli beschlossen werden. Der russische Sport begibt sich damit weiter in die Isolation. Noch in diesem Jahr muss das Internationale Olympische Komitee (IOC) entscheiden, wie sanktioniert wird, dass russische Funktionäre und Geheimagenten bei den Olympischen Winterspielen von Sotschi 2014 Doping-Proben austauschten. Im kommenden Winter stehen die Spiele von Pyeongchang in Südkorea an.

          Coe nannte das systematische Doping in der russischen Leichtathletik, das zum Ausschluss des russischen Teams von den Leichtathletik-Wettbewerben der Olympischen Spiele 2016 in Rio führte, „eine erschütternde Krankheit“ und versprach: „Wir bleiben hart. Dies ist nicht verhandelbar.“ In den vergangenen vier oder fünf Jahren habe es mehr als 130 positive Doping-Tests und Sperren in der russischen Leichtathletik gegeben. Er nannte es alarmierend, dass der Läufer Andrej Dmitriew aus Russland fliehen musste, als er öffentlich auf die Weiterbeschäftigung von Doping-Trainern hingewiesen hatte.

          „Jeder, der über Informationen über ein System verfügt, das darin versagt hat, Ziele und Hoffnungen sauberer Athleten zu schützen, muss das Gefühl haben, dass es sicher ist, sich zu Wort zu melden“, forderte Coe. Im schriftlichen Bericht der von dem Norweger Rune Andersen geführten Task Force wird erklärt, dass die IAAF 61 russische Leichtathleten teste, der russische Verband selbst allerdings nur hundert seiner tausend Kader-Sportler. Die russischen Ermittler weigerten sich, obwohl sie dies versprochen hätten, unabhängigen Analytikern Blutproben für den Biologischen Pass zu übergeben. Immer noch würden Kontrolleure daran gehindert, Sportlerinnen und Sportler zu testen, die sich in sogenannten Verbotenen Städten aufhalten, Einrichtungen von Militär oder Paramilitärischen Einheiten.

          Zudem würden weiterhin Trainer beschäftigt, die in Doping involviert waren. Andersen, der in London nicht persönlich anwesend war, schrieb darüber hinaus, dass auch die Führung der Russischen Anti-Doping-Agentur Rusada durch Jelena Isinbajewa eine schwere Belastung sei. Die zweimalige Olympiasiegerin im Stabhochsprung hat die Berichte des Unabhängigen Ermittlers Richard McLaren für die Welt-Anti-Doping-Agentur gegenstandslos genannt, obwohl sie sie nach eigenem Bekenntnis nicht gelesen hat. Außerdem beschimpfte sie, wie russische Politiker und Funktionäre, die Kronzeugin der Doping-Enthüllungen, die Läuferin Julija Stepanowa. Andersen beklagt, dass weder Jelena Isinbajewa noch der neue Cheftrainer des Verbandes, Juri Borsakowski, in Athen 2004 Olympiasieger über 800 Meter, bereit seien, ein Gelöbnis für sauberen Sport zu unterschreiben.

          Der Verband lehnte es derweil in London ab, den Wettbewerb der Geher über fünfzig Kilometer aus dem Programm der Olympischen Spiele 2020 zu streichen. Mehr als sechzig Geher hatten gegen die Idee gekämpft, die angeblich vom Internationalen Olympischen Komitee kam. Womöglich, deutete Coe an, werde es Änderungen im Programm 2024 geben.

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